Longevity-Trend: Geriatrie-Kongress in Frankfurt stellt Verjüngungsversprechen infrage
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIn Frankfurt treffen sich ab Mittwoch rund 1.000 Altersmediziner und Altersforscher, um über das Altern und neue Ansätze der Altersmedizin zu sprechen.
Longevity als Trend
Ein Schwerpunkt des Kongresses ist der sogenannte Longevity-Trend, also das Streben nach einem besonders langen und gesunden Leben. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, Michael Denkinger, warnt dabei vor der Vorstellung, das Älterwerden selbst als Krankheit zu behandeln.
Kritik an Verjüngungsversprechen
Denkinger sieht in dem Trend vor allem auch ein Geschäftsfeld für Influencer und Industrie. Viele beworbene Strategien und Produkte hätten keine belastbaren Belege; für verjüngende Peptide gebe es maximal Erkenntnisse aus Tierversuchen.
Was medizinisch hilft
Nach Denkingers Darstellung gibt es für das Ziel, lange und gesund zu leben, durchaus wirksame Maßnahmen. Dazu zählten viel Bewegung, gute Ernährung, wenig oder kein Rauchen, ein sparsamer Umgang mit Alkohol, Vorsorgeuntersuchungen und soziale Kontakte.
Weitere Themen des Kongresses
Der Kongress läuft vom 23. bis 26. September in Frankfurt am Main. Auf dem Programm stehen auch neue Alzheimer-Therapien, die Folgen des Klimawandels für ältere Menschen, neue Technologien in der Pflege und Konzepte für ein selbstständiges Leben im Alter.
Einordnung des Longevity-Trends
Der Longevity-Trend trifft in der Altersmedizin auf ein Feld, das wissenschaftlich klarer ist als die Werbeversprechen vieler Anbieter. Die Forschung zielt nicht auf ein „ewiges Leben“, sondern auf ein längeres Leben bei guter Gesundheit. Genau daran knüpft die Debatte an, die auf dem Kongress in Frankfurt sichtbar wird: Wie lassen sich Krankheiten im Alter verzögern, ohne das Altern selbst zur Diagnose zu machen?
Zwischen Forschung und Geschäft
Für Leser ist das Thema relevant, weil der Markt rund um Langlebigkeit längst über Lifestyle hinausgeht. Nahrungsergänzungen, Peptide, Diagnostik und Coaching werden oft mit dem Versprechen verkauft, das Altern zu bremsen. Die medizinische Gegenposition betont dagegen Maßnahmen, deren Nutzen gut belegt ist: Bewegung, Ernährung, Rauchverzicht, wenig Alkohol, Vorsorge und soziale Teilhabe.
Bedeutung für die alternde Gesellschaft
Deutschland steht vor einer wachsenden Zahl älterer Menschen, damit steigen auch die Anforderungen an Prävention, Pflege und geriatrische Versorgung. Kongresse wie der in Frankfurt bündeln deshalb nicht nur Fachdebatten über Alzheimer-Therapien, Technik in der Pflege oder Selbstständigkeit im Alter, sondern markieren auch einen gesellschaftlichen Konflikt: Zwischen seriöser Prävention und einem Markt, der schnelle Verjüngung verspricht.
