COP17, Artenvielfalt

Artenvielfalt: COP17 in Eriwan zieht Halbzeitbilanz

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 10:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
In Eriwan beraten fast 200 Staaten über den Stand der globalen Biodiversitätsziele. Der Zwischenbericht fällt ernüchternd aus, besonders bei Schutzflächen und Finanzierung.

Armeniens Hauptstadt als Konferenzort

  • In Eriwan beraten fast 200 Vertragsstaaten der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt.
  • Die 17. Konferenz dauert zwei Wochen und endet am 30. Oktober.
  • Bundesumweltminister Carsten Schneider reist in der zweiten Woche zur deutschen Delegation.
Im Fokus der UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt steht eine Zwischenbilanz zum Stand der selbstgesteckten Ziele für den Schutz der Artenvielfalt. Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan hält bereits einige Tage vor Beginn der Konferenz eine Rede. - Bild: Vahram Baghdasaryan/PHOTOLURE via AP/dpa

UN-Staaten ziehen in Eriwan Zwischenbilanz

In der armenischen Hauptstadt Eriwan hat die 17. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt begonnen. Fast 200 Vertragsstaaten beraten dort bis zum 30. Oktober, wie sie ihre Ziele zum Schutz der Artenvielfalt noch erreichen können.

23 Ziele bis 2030

Im Mittelpunkt steht eine Bestandsaufnahme zur Halbzeit des globalen Biodiversitätsrahmens. Vor vier Jahren hatten sich die Länder auf 23 Ziele verständigt, die bis 2030 umgesetzt werden sollen.

Dazu gehört, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Ein im Vorfeld veröffentlichter Bericht kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass die Umsetzung zu langsam und unzureichend vorankommt.

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Finanzierung als Knackpunkt

Umweltschützer sehen vor allem bei der Finanzierung ein Hindernis. Ohne ausreichende Mittel lassen sich Schutzgebiete, Renaturierung und der Erhalt bedrohter Lebensräume vielerorts nicht dauerhaft sichern.

UN-Generalsekretär António Guterres sprach vor der Konferenz von einer «Lücke zwischen Ambitionen und Maßnahmen». Der «Krieg gegen die Natur» sei noch nicht beendet.

Schneider sieht gemischtes Bild

Bundesumweltminister Carsten Schneider leitet die deutsche Delegation und reist in der zweiten Konferenzwoche nach Eriwan. Er sprach von einem gemischten Bild und verwies auch auf Fortschritte.

«Nur sind wir bei weitem nicht da, wo wir sein müssten», sagte Schneider. Die Konferenz müsse das Bewusstsein für die Bedeutung des globalen Natur- und Artenschutzes weiter stärken.

Entscheidungen bis 30. Oktober

Bis zum Ende der zweiwöchigen Beratungen sollen die Staaten aus der Zwischenbilanz Konsequenzen für die verbleibende Zeit bis 2030 ableiten. Im Mittelpunkt stehen dabei das Umsetzungstempo und die Finanzierung der vereinbarten Ziele.

Die COP17 markiert die Halbzeit für den globalen Biodiversitätsrahmen, den die Vertragsstaaten 2022 beschlossen haben. Seine 23 Ziele reichen vom Schutz wichtiger Lebensräume bis zur nachhaltigen Nutzung genetischer Ressourcen. Das 30-Prozent-Ziel ist dabei besonders sichtbar, weil es konkrete Flächenvorgaben für Land und Meer macht.

Der Zwischenbericht zeigt, dass politische Zusagen allein den Verlust von Arten und Lebensräumen bislang nicht ausreichend bremsen. Schutzgebiete müssen wirksam verwaltet, ökologisch miteinander verbunden und gegen Entwaldung, illegale Nutzung und andere Belastungen gesichert werden. Gerade Länder mit hoher biologischer Vielfalt stehen dabei häufig vor großen finanziellen und institutionellen Herausforderungen.

Finanzierung entscheidet über Umsetzung

Die Finanzierung ist deshalb ein zentraler Verhandlungspunkt in Eriwan. Entwicklungsländer erwarten zusätzliche Unterstützung, während Geberstaaten auf wirksame nationale Maßnahmen und transparente Verwendung der Mittel drängen. Für die zweite Hälfte bis 2030 dürfte entscheidend sein, ob die Konferenz messbare Umsetzungsschritte, verlässlichere Finanzströme und eine bessere Kontrolle der Fortschritte vereinbart.

Für Deutschland verbindet sich die Konferenz mit der Frage, wie nationale Natur- und Klimapolitik international glaubwürdig bleibt. Der Schutz von Ökosystemen betrifft nicht nur seltene Arten, sondern auch Bestäubung, Böden, Wasserhaushalt und damit Landwirtschaft, Gesundheit und wirtschaftliche Stabilität.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Umweltschutz Weltnaturkonferenz in Armenien beginnt - UNO fordert Umsetzung von 30/30-Ziel“ (19.10.2026)

Der Beitrag bestätige den Start der Konferenz und stelle das 30/30-Ziel sowie den verlangsamten Fortschritt in den Mittelpunkt. Zusätzlich betone er die Bedeutung der Artenvielfalt für Lebensgrundlagen, Wohlstand und Sicherheit.

tagesschau.de: „COP17 zur Biodiversität: Den Holzdieben in Armenien auf der Spur“ (18.10.2026)

Der Beitrag habe den bevorstehenden Konferenzbeginn mit einer Reportage über illegalen Holzeinschlag in Armenien verbunden. Anders als der Deutschlandfunk-Beitrag liege der Schwerpunkt auf praktischer Naturschutzarbeit, Finanzierung und konkreten Problemen vor Ort; die globale Zielerreichung bleibe die gemeinsame offene Frage.

Beide Beiträge stimmten darin überein, dass die Konferenz unter hohem Umsetzungsdruck steht. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Blickwinkel: Der eine ordne die internationalen Ziele politisch ein, der andere zeige deren Folgen und Grenzen anhand Armeniens.

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