Impfempfehlungen, Männer

Impfempfehlungen: Männer ab 50, Frauen erst ab 55 oder 60 Jahren

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Jenaer Wissenschaftler plädieren für geschlechtsspezifische Impfalter; zugleich bleiben die Grippeimpfquoten in Deutschland unter dem EU- und WHO-Ziel.

Impfempfehlungen: Jenaer Forscher schlagen unterschiedliche Altersgrenzen vor
Ein minimalistischer medizinischer Behandlungsraum mit einer sterilen Ausstattung auf einem Edelstahltisch bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

In der medizinischen Fachwelt wird zunehmend diskutiert, ob starre Standardmodelle bei Impfempfehlungen noch zeitgemäß sind. Forscher der Uniklinik Jena sprechen sich für eine stärkere Ausrichtung nach Alter und Geschlecht aus.

Ein konkreter Vorschlag der Experten sieht vor, Impfempfehlungen für Männer bereits ab einem Alter von 50 Jahren auszusprechen, während diese bei Frauen erst ab 55 oder 60 Jahren greifen könnten. Dieser Ansatz basiert auf der Erkenntnis, dass das Immunsystem der Geschlechter unterschiedlich altert.

Biologische Grundlagen der Differenzierung

Die Empfehlungen der Jenaer Forscher stützen sich auf Daten, die während der Corona-Pandemie bei etwa 230 Männern und Frauen in Neustadt am Rennsteig erhoben wurden. Eine Auswertung dieser Daten zeigte laut den Wissenschaftlern, dass die T-Zellen bei Männern schneller zurückgehen.

Zudem wurde beobachtet, dass Frauen oft stärkere Impfreaktionen zeigen als Männer. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Immunantwort legen nahe, dass eine Pauschalisierung von Altersgrenzen die biologische Realität der Immunalterung nur unzureichend abbildet.

Derzeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Grippeimpfung in Deutschland primär für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Bewohner von Pflegeheimen sowie Personen mit bestimmten Grunderkrankungen. Eine Umsetzung des Jenaer Vorschlags würde somit eine deutliche Absenkung der Altersgrenze bedeuten, insbesondere für die männliche Bevölkerung.

Aktuelle Trends und Impfquoten in Deutschland

Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) belegen ein wachsendes Interesse an Schutzimpfungen, offenbaren jedoch auch deutliche Lücken. Im Jahr 2025 dokumentierten Vertragsarztpraxen fast 10,7 Millionen Influenzaimpfungen, was einer Steigerung von rund 750.000 beziehungsweise 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Davon entfiel mit 4,96 Millionen Impfungen fast die Hälfte auf den Monat Oktober. Insgesamt wurden in den Praxen im Jahr 2025 rund 40 Millionen Impfungen durchgeführt, darunter 3,5 Millionen gegen COVID-19.

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Trotz dieser Steigerung berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) für das Jahr 2025 von einer Impfquote gegen Influenza bei Menschen ab 60 Jahren von lediglich 34 Prozent – der niedrigste Wert seit 17 Jahren. Die Techniker Krankenkasse (TK) verzeichnete bei ihren Versicherten in dieser Altersgruppe für die Saison 2025/26 eine Quote von etwa 40 Prozent.

Beide Werte liegen deutlich unter der von der Europäischen Union und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angestrebten Zielquote von 75 Prozent. Regional zeigen sich erhebliche Unterschiede: Während die Quote unter TK-Versicherten ab 60 in Sachsen-Anhalt bei 54 Prozent lag, erreichte sie in Baden-Württemberg nur 25 Prozent.

Erweiterter Zugang über Apotheken

Um den Zugang zu Impfungen zu erleichtern, gewinnt die Einbindung von Apotheken an Bedeutung. Zum Start der Impfsaison 2026/27 bieten zahlreiche Apotheken in Deutschland erneut Impfungen gegen Influenza und COVID-19 an.

Laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ließen sich in der Saison 2025/26 fast 220.000 Menschen in Apotheken impfen, was eine Verdoppelung gegenüber der Vorsaison darstellt. Eine Umfrage im Vorjahr ergab zudem, dass sich rund die Hälfte der Befragten eine Impfung in der Apotheke vorstellen könnte, sofern das Angebot bekannt ist.

Präventionsstrategien im internationalen Vergleich

Auch in Österreich rückt die Prävention stärker in den Fokus. Laut Statistik Austria fließen derzeit lediglich rund 3 bis 4 Prozent der Gesundheitsausgaben in die Prävention, während etwa 80 Prozent der Kosten durch chronische Erkrankungen verursacht werden.

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In der Grippesaison 2025/26 starben in Österreich knapp 2.000 Menschen an Influenza. Fachleute weisen in diesem Zusammenhang auf die weitreichenden Folgen hin: Nach einer Influenza-Erkrankung ist das Herzinfarktrisiko um das Zehnfache und das Schlaganfallrisiko um das Achtfache erhöht.

Zur Stärkung der Vorsorge wird in Österreich ab Oktober 2026 der Eltern-Kind-Pass erweitert. Zu den Neuerungen gehören unter anderem ein zusätzlicher Ultraschall in der späten Schwangerschaft sowie eine verstärkte Erhebung des Impfstatus. Diese Maßnahmen sind Teil eines Investitionsprogramms von jährlich knapp 17 Millionen Euro, um Versorgungslücken frühzeitig zu schließen und die Gesundheitsvorsorge systematisch zu verbessern.

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