Immuntherapie-Kolitis: Stuhlübertragung heilt 77% der Patienten
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 04:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zusammensetzung der bakteriellen Darmflora und deren Stoffwechselprodukte rücken verstärkt in den Fokus der medizinischen Forschung. Wissenschaftliche Untersuchungen analysieren, in welchem Maße mikrobielle Gemeinschaften das Ansprechen auf onkologische Immuntherapien steuern und welche Ansätze existieren, um therapiebedingte chronische Darmerkrankungen zu behandeln.
Bakterienstämme und Metaboliten beim metastasierten Melanom
Bei fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs stellt das Ansprechen auf Behandlungen weiterhin eine Hürde dar: Lediglich rund 50 Prozent der Melanom-Patienten mit Metastasen erreichen eine Remission. Forschende der Southwestern University untersuchten diesen Umstand anhand von 39 immuntherapierten Melanom-Patienten.
Die Wissenschaftler stellten eine Korrelation zwischen einer positiven Therapiewirkung und dem Vorkommen dreier spezifischer Darmbakterien fest: Bacteroides thetaiotaomicron, Faecalibacterium prausnitzii sowie Holdemania filiformis.
Über die reinen Bakterienpopulationen hinaus wiesen die Daten auf metabolische Verbindungen hin. Die stärkste Korrelation mit einem günstigen Behandlungsverlauf zeigte sich bei Anacardsäure, einem sekundären Pflanzenstoff, der unter anderem in Mangos und Cashewkernen vorkommt.
Fäkaler Mikrobiomtransfer gegen Immuntherapie-Kolitis
Während das Mikrobiom die Antitumorwirkung stärken kann, führen Immuntherapien mitunter zu schweren entzündlichen Nebenwirkungen im Verdauungstrakt. In einer in der Fachzeitschrift Cell Reports Medicine publizierten Phase-1/2-Studie des MD Anderson Cancer Center wurde der Einsatz des fäkalen Mikrobiomtransfers (FMT) bei Patientinnen und Patienten mit einer therapieinduzierten Kolitis erprobt.
Die Forschung zeigt immer deutlicher: Ihre Darmflora entscheidet mit, wie gut Ihr Körper auf Therapien reagiert. In einer Studie des MD Anderson Cancer Center sprachen 77 Prozent der Patienten mit Immuntherapie-Kolitis auf eine Stuhlübertragung an — die Symptome gingen im Median nach 1,5 Tagen zurück. Unser kostenloser Report zeigt Ihnen, was das für Ihre tägliche Darmgesundheit bedeutet. Jetzt kostenlosen Darmflora-Report anfordern
Von den ersten 13 behandelten Personen zeigten 77 Prozent eine klinische Besserung. Die Symptome gingen im Median bereits nach 1,5 Tagen zurück. Unter den zehn ansprechenden Patienten erreichten acht eine vollständige Remission. Die beobachteten Nebenwirkungen der Übertragung blieben mild. Zur weiteren Absicherung der Ergebnisse sind größere randomisierte Studien vorgesehen.
Wachsender Probiotika-Konsum bei defizitärer Ballaststoffzufuhr
Das Interesse am Einfluss der Darmflora spiegelt sich auch im allgemeinen Konsumverhalten wider, wie Auswertungen der US-amerikanischen NHANES-Erhebung mit mehr als 62.000 Teilnehmenden verdeutlichen. Demnach hat sich die Einnahme von Probiotika bei Erwachsenen im Zeitraum von 2009 bis 2023 fast vervierfacht. Bei Personen unter 20 Jahren stieg der Konsum sogar um mehr als das Achtfache an.
Gleichzeitig verharrte die Ballaststoffaufnahme der Bevölkerung unverändert auf einem Niveau unterhalb der offiziellen Ernährungsempfehlungen. Die Datenlage zur gezielten Wirksamkeit freiverkäuflicher Präparate bleibt der Studie zufolge eingeschränkt: Ein eindeutiger therapeutischer Nutzen ist lediglich für drei Milchsäurebakterien-Stämme bei bestehender Laktoseintoleranz nachgewiesen.
Wahrnehmung und Präventionsgewohnheiten im internationalen Vergleich
Viele greifen täglich zu Probiotika — doch die Datenlage belegt einen eindeutigen Nutzen nur für drei Milchsäurebakterien-Stämme bei Laktoseintoleranz. Gleichzeitig bleibt die Ballaststoffzufuhr der meisten Menschen unter den Empfehlungen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, worauf es bei einer mikrobiom-freundlichen Ernährung wirklich ankommt. Darmflora-Leitfaden jetzt sichern
Unterschiede im Umgang mit der Mikrobiomgesundheit zeigt der „Gut Health Economy Report“ von PrecisionBiotics, für den 3.000 Erwachsene in sechs Ländern befragt wurden. In Deutschland verbinden demnach lediglich drei von zehn Befragten die Darmgesundheit mit einem gesunden Altern, während dieser Anteil in Südkorea fast drei Viertel erreicht.
Im internationalen Vergleich belegt Deutschland Platz vier im sogenannten Global Gut Health Index. Rund 18 Prozent der Bundesbürger gaben an, täglich Nahrungsergänzungsmittel für den Darm einzunehmen; in Südkorea liegt dieser Wert bei 31 Prozent und in Japan bei 28 Prozent.
