Immunsystem im Alter: CD4-Zellen steigen bei 110+ Jahren auf 17,6%
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 17:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen zur Biologie extrem langlebiger Menschen geben Aufschluss darüber, wie das Immunsystem Belastungen über mehr als ein Jahrhundert standhalten kann. Im Zentrum der Forschung stehen dabei sogenannte Superhundertjährige – Personen, die ein Alter von mindestens 110 Jahren erreicht haben.
Eine im August 2026 in der Fachzeitschrift Cell Reports veröffentlichte Analyse der Universität Osaka zeigt deutliche Unterschiede in der zellulären Zusammensetzung des Immunsystems dieser Altersgruppe im Vergleich zu jüngeren Senioren.
Signifikante Unterschiede in der Zellzusammensetzung
Die Forscher der Universität Osaka konzentrierten sich in ihrer Untersuchung auf eine spezifische Untergruppe von Immunzellen: die CD4-zytotoxischen T-Lymphozyten (CD4-CTL). Diese Zellen weisen bei Superhundertjährigen eine ungewöhnlich hohe Konzentration auf.
Während CD4-CTL bei Personen im Alter zwischen 70 und 99 Jahren median lediglich 4 % aller T-Zellen ausmachen, steigt dieser Wert bei Hundertjährigen (100 bis 109 Jahre) auf 9,6 %. Bei den über 110-Jährigen wurde ein Median von 17,6 % festgestellt.
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Die Studie basiert auf der detaillierten Analyse von 43.584 einzelnen T-Zellen, die aus Blutproben von insgesamt 28 Erwachsenen gewonnen wurden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Konzentration dieser Zellen ab dem 100. Lebensjahr deutlich zunimmt. Die Wissenschaftler interpretieren diese Entwicklung als eine Form der Anpassung des Immunsystems an das fortgeschrittene Alter.
Hybrid-Eigenschaften und klonale Expansion
Bei den identifizierten CD4-CTLs handelt es sich um Hybridzellen, die Merkmale von Helfer-T-Zellen und Killer-T-Zellen vereinen. Diese Kombination ermöglicht es den Zellen potenziell, sowohl Schutz gegen Viren als auch gegen Tumorzellen zu bieten. Ein besonderes Merkmal bei den untersuchten Superhundertjährigen ist die ausgeprägte klonale Expansion dieser Zellen.
In der untersuchten Gruppe der über 110-Jährigen bilden die CD4-CTLs große Klone. Die jeweils größten Klone machen im Durchschnitt 33,3 % aller CD4-CTLs aus. Im Vergleich dazu liegt dieser Anteil bei jüngeren Personen normalerweise bei weniger als 5 %.
Trotz dieser massiven Vermehrung zeigten die Zellen keine Anzeichen von Erschöpfung. Die Forscher stellten fest, dass Marker für zelluläre Erschöpfung, wie LAG3 und CTLA4, in diesen Zellen nur in geringem Maße vorhanden waren. Dies deutet darauf hin, dass die Immunzellen über einen sehr langen Zeitraum hinweg funktionsfähig bleiben.
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Einordnung der Ergebnisse und medizinische Relevanz
Ein weiterer Aspekt der Analyse betrifft die Rezeptor-Sequenzen (TCR) der CD4-CTLs. Diese ähneln Sequenzen, die üblicherweise im Zusammenhang mit Krebserkrankungen beobachtet werden. Daraus leiten die Forscher die Vermutung ab, dass diese spezifischen Zellen effektiv zur Bekämpfung von Tumorzellen beitragen könnten. Dies könnte eine Erklärung für die relative Widerstandsfähigkeit extrem alter Menschen gegenüber bestimmten Krankheiten bieten.
Dennoch betonen die Wissenschaftler der Universität Osaka die Grenzen ihrer Erkenntnisse. Zwar lieferten die Ergebnisse wichtige Hinweise auf die Mechanismen eines gesunden Alterns, ein direkter Beweis für eine Krebsprävention oder eine ursächliche Verlängerung der Lebensspanne durch diese Zellen liege jedoch nicht vor.
Die Studie belege eine Korrelation, aber keine Kausalität. Die Erkenntnisse dienen somit vorerst als Grundlage für weitere Forschungen zur Immunanpassung im extremen Alter.
