Immunsystem, Milliliter

Immunsystem im Alter: 1.500 bis 2.000 Milliliter täglich empfohlen

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Fachvortrag des Klinikums Hochrhein behandelt Infektionsschutz, Sturzvermeidung und alltagstaugliche Maßnahmen für ältere Menschen.
Ein verschneiter, ruhiger Parkweg mit einer leeren Bank an einem grauen Wintertag. Illustration mit AI erstellt.

Mit sinkenden Temperaturen steigen für die ältere Bevölkerung die gesundheitlichen Risiken. Das Klinikum Hochrhein greift diese Problematik mit einem Fachvortrag von Burghardt Tornau, Chefarzt der Geriatrie, auf.

Unter dem Titel „Fit für den Winter – Gesund durch die kalte Jahreszeit im Alter“ thematisiert die Veranstaltung im großen Veranstaltungsraum an der Kaiserstraße 93–101 Strategien, um das Immunsystem zu stärken sowie Stürze, Erschöpfung und vermeidbare Krankenhausaufenthalte abzuwenden. Die Teilnahme an dem um 18:30 Uhr ansetzenden Vortrag ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung per E-Mail an das Klinikum ist erbeten.

Veränderte Immunabwehr und erhöhte Infektionsrisiken

Im fortgeschrittenen Lebensalter verändert sich das körpereigene Abwehrsystem. Fachkreise verweisen auf die sogenannte Immunoseneszenz, durch die Abwehrreaktionen verlangsamt ablaufen, während unterschwellige Entzündungsprozesse zunehmen können.

Atemwege und Hustenstoß sind häufig geschwächt, wodurch Infektionen länger anhalten und schwerer verlaufen. Zudem treten Symptome bei älteren Patientinnen und Patienten oft atypisch auf: Statt hohem Fieber zeigen sich vermehrt Erschöpfung, Appetitlosigkeit oder plötzliche Verwirrtheitszustände.

Vor diesem Hintergrund heben Gesundheitsbehörden die Bedeutung von Schutzimpfungen hervor. Das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen verweist darauf, dass die Virusgrippe erfahrungsgemäß im Februar und März besonders stark grassiert, weshalb eine frühzeitige Impfung für Personen ab 60 Jahren und Vorerkrankte angeraten wird.

Die Relevanz belegen Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse: Im Jahr 2025 gab es mit 13 Krankschreibungsfällen pro 1.000 Mitglieder so viele Grippe-Fehlzeiten wie nie seit Beginn der Erhebung 2019, was einer Steigerung von gut 73 Prozent gegenüber den sieben Fällen im Jahr 2019 entspricht.

Die Fehltage kletterten um gut 52 Prozent auf 93 Tage je 1.000 Mitglieder. Neben dem Schutz vor Atemwegserkrankungen zeigen kardiologische Erhebungen weitere Effekte: Laut einem europäischen Konsensuspapier von 2025 verringert eine Influenzaimpfung die relative Risikoreduktion nach einem Herzinfarkt um etwa 28 bis 45 Prozent.

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Sturzprävention und Mobilitätserhalt

Neben Infektionskrankheiten stellen winterliche Witterungsbedingungen eine erhebliche Gefahr für den Bewegungsapparat dar. Glätte und verminderte Trittsicherheit erhöhen die Sturzgefahr drastisch. Dies trifft auf eine vulnerable Bevölkerungsgruppe: Nach Angaben der Hochtaunus-Kliniken sind in Deutschland mehr als sechs Millionen Menschen von Osteoporose betroffen.

Bei vorgeschädigter Knochenstruktur können Wirbelkörperfrakturen bereits durch banale Alltagsbelastungen wie schweres Heben oder Husten ausgelöst werden. Chefarzt Dr. Matthias Neitzel widmet sich diesem Thema am 5. November bei einem Vortrag in Bad Homburg.

In der klinischen Versorgung setzen Träger wie Asklepios auf spezialisierte orthopädische Geriatrie-Konzepte, um Patientinnen und Patienten mit Mehrfacherkrankungen gezielt zu behandeln. Begleitfaktoren wie Gebrechlichkeit, Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen erfordern interdisziplinäre Teams, um Mobilitätsverluste zu verhindern.

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Ernährung, Mikronährstoffe und Alltagshygiene

Mediziner betonen die Rolle der Darmgesundheit, da rund 80 Prozent des Immunsystems im Darm lokalisiert sind. Eine ballaststoffreiche Ernährung unterstützt die Abwehrkräfte, während eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 1.500 bis 2.000 Millilitern täglich empfohlen wird, um die Schleimhäute feucht zu halten.

Beim Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln rufen Fachgesellschaften zu einer differenzierten Betrachtung auf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung definiert einen Mangel an Vitamin D bei Werten unter 25 bis 30 nmol/l, während Werte ab 50 nmol/l anzustreben sind. Bei festgestelltem Bedarf empfiehlt die Gesellschaft eine tägliche Zufuhr von 20 Mikrogramm (800 IE).

Eine wahllose hochdosierte Einnahme ohne laborchemischen Nachweis bringt hingegen keinen nachgewiesenen Zusatznutzen gegenüber Atemwegsinfekten. Regelmäßige moderate Bewegung, ausreichend Schlaf und konsequente Basishygiene bleiben die zentralen Pfeiler der winterlichen Gesundheitsvorsorge im Alter.

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