Immunbremse, Autoantikörper

Immunbremse: Autoantikörper lösen schwere Entzündungen aus

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forscher identifizieren molekulare Entzündungsbremsen und neue Biomarker für Früherkennung von Krankheiten.

Entzündungsforschung: Neue Mechanismen und Therapieansätze entdeckt
Stilisierte Darstellung einer Protein-Struktur im Labor zur Veranschaulichung molekularer Entzündungsprozesse. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wissenschaftler haben gleich mehrere molekulare Mechanismen entschlüsselt, die überschießende Entzündungsreaktionen im Körper steuern. Die Erkenntnisse betreffen COVID-19, Rheuma und chronische Darmerkrankungen.

Wenn die Immunbremse versagt

Eine Studie aus Nature Communications zeigt, wie das Protein IL-1Ra als natürliche Bremse des Immunsystems ausfallen kann. Forscher der Universitäten des Saarlandes und Münster fanden heraus: Bei schweren COVID-19-Verläufen und axialer Spondyloarthritis blockieren Autoantikörper diese Bremse.

Der Auslöser: Eine atypische Hyperphosphorylierung. Die Pim1-Kinase verändert das IL-1Ra-Protein so, dass das Immunsystem es als fremd erkennt. Die Folge: Entzündungen laufen ungehindert weiter. Als mögliche Therapie steht der Wirkstoff Nilotinib im Raum – er hemmt die Pim1-Kinase.

Notausschalter in Fresszellen

Forscher aus Würzburg und Marburg identifizierten in PNAS einen weiteren Kontrollmechanismus. Das RNA-Molekül SAILR fungiert als Notausschalter in Makrophagen. Bei bakteriellen Infektionen wird SAILR deaktiviert, was den kontrollierten Zelltod der Fresszellen auslöst.

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Bei schweren Sepsis-Fällen und COVID-19 sinken die SAILR-Spiegel. Das macht das Molekül zum potenziellen Biomarker.

Früherkennung per Wearable

Die „IBD Forecast Study" mit 309 Probanden zeigt: Wearables können Schübe von Colitis ulcerosa bis zu sieben Wochen vor Symptomen erkennen. Die Analyse von Ruheherzfrequenz, Schrittzahl und Sauerstoffsättigung macht's möglich.

Das Verbundprojekt „MikrobiomProCheck" setzt auf KI zur Analyse des Darmmikrobioms. Ziel: Stuhlproben sollen künftig belastende Darmspiegelungen ersetzen. Zudem deuten Studien auf Antikörper-Signaturen gegen das Epstein-Barr-Virus hin – sie könnten Morbus Crohn Jahre vor Ausbruch vorhersagen.

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Neue Therapieansätze

Ein im Juli entschlüsselter Mechanismus zeigt: Oxalat fördert die Produktion von IL-17A. Das löst systemische Entzündungen aus, die bei Nierenerkrankungen zu Herzschäden führen können. Im Tiermodell verbesserte die Blockade von IL-17A die Nierenfunktion.

Weitere Entwicklungen:
- Das Freiburger Start-up BiObservR entwickelt Testverfahren für CRISPR-Gentherapien (EXIST-Förderung: 1,2 Millionen Euro)
- Bei Multipler Sklerose fördert B-Zell-Depletion die Wanderung regulatorischer Zellen ins Zentralnervensystem
- Eine JAMA-Studie zeigt: Antientzündliche Ernährung senkt das Demenzrisiko um bis zu 29 Prozent

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