IgA-Nephropathie, KDIGO-Leitlinien

IgA-Nephropathie: KDIGO-Leitlinien definieren ehrgeizige Behandlungsziele

02.07.2026 - 12:22:05 | boerse-global.de

Die KDIGO-Leitlinien 2025 fordern eine drastische Reduktion des Nierenfunktionsverlusts bei IgAN. Neue Medikamente wie Sparsentan und Iptacopan zeigen vielversprechende Ergebnisse.

KDIGO 2025: Neue ehrgeizige Therapieziele bei IgA-Nephropathie
IgA-Nephropathie - Ein detailliertes Modell einer Niere mit subtil leuchtenden Adern, die verbesserte Filtration symbolisieren, vor verschwommenen wissenschaftlichen Instrumenten. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im Kern: Der jährliche Verlust der Nierenfunktion soll unter 1 ml/min/1,73 m² liegen. Parallel dazu ist eine Reduktion der Proteinurie auf unter 0,5 Gramm pro Tag das Ziel – idealerweise sogar unter 0,3 Gramm.

Die chronische Nierenerkrankung führt unbehandelt oft zum dauerhaften Organverlust. Um das zu verhindern, setzt das Experten-Gremium auf eine kombinierte Strategie. Dazu gehören eine optimierte Basistherapie mit RAS-Inhibitoren, Endothelin-Rezeptor-Antagonisten und SGLT2-Inhibitoren sowie immunmodulatorische Therapien wie Nefecon.

SGLT2-Hemmer wie Dapagliflozin oder Empagliflozin haben sich dabei unabhängig vom Blutzuckerspiegel als Grundpfeiler der kardiorenalen Protektion etabliert.

Neue Wirkstoffe erweitern das Spektrum

Im Bereich spezifischer Medikamente tut sich einiges. Für Sparsentan – einen dualen Endothelin- und Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten – wurde am 19. Juni 2026 ein Zulassungsantrag in Japan eingereicht. Die PROTECT-Studie belegte eine Reduktion der Proteinurie um 49,8 Prozent, eine japanische Phase-3-Studie sogar um 58,5 Prozent. Mögliche Nebenwirkungen: Hypotonie, Hyperkaliämie und periphere Ödeme.

Ein anderer Ansatz zielt auf die Hemmung des Komplementfaktors B. Für Iptacopan – seit 2024 FDA-zugelassen – liegen nun 24-Monats-Daten vor. Eine Interimsanalyse der Phase-3-Studie mit 500 Patienten zeigte bereits nach neun Monaten eine signifikante Verringerung der Proteinurie.

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Große Lücken in der Früherkennung

Trotz besserer Therapien: Die Versorgung hakt gewaltig. Die NAKO-Gesundheitsstudie im Deutschen Ärzteblatt International untersuchte Urin- und Blutproben von Zehntausenden. Ergebnis: Bei etwa jeder sechsten Person (17,5 Prozent) fanden sich auffällige Nierenwerte – aber nur vier Prozent der Betroffenen wussten davon.

Hinzu kommen große Unterschiede im Behandlungsverhalten. Eine 2026 in Kidney360 veröffentlichte Studie aus Manitoba, Kanada, zeigte: Ein Drittel der Variabilität bei Entscheidungen über Nierenbiopsien geht auf die individuelle Arztpräferenz zurück. Die mediane Wartezeit bis zur Biopsie lag bei 63 Tagen – in ländlichen Regionen noch länger.

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Biomarker und supportive Therapien

Auch in der Grundlagenforschung gibt es Fortschritte. Ein Team der Fujita Health University in Japan beschrieb Anfang 2026 die Rolle von Komplementfaktor-H-verwandten Proteinen (CFHR1 bis CFHR5). Besonders CFHR1 wurde in den Glomeruli von IgAN-Patienten vermehrt nachgewiesen – und die Spiegel sanken unter Immunsuppression. Der Marker könnte künftig die Diagnose erleichtern.

Ergänzend zu Medikamenten zeigt eine Studie der Charité Berlin, veröffentlicht Anfang Juli 2026 im Journal of Nephrology, den Nutzen von Fischöl für Dialysepatienten. 1,5 Gramm täglich über 18 Monate senkten das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle um 43 Prozent. Eine Anschlussstudie mit 5.000 Patienten ist bereits in Planung.

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