IgA-Nephropathie: Genvariante erhöht Remissionsrate laut Studie um das 2,5-Fache
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie IgA-Nephropathie gilt als die weltweit häufigste primäre Glomerulonephritis. Da es sich um eine progressive Autoimmunerkrankung handelt, erleiden bis zu 40 Prozent der Betroffenen innerhalb von 20 Jahren nach der Erstdiagnose ein Nierenversagen.
Daten der britischen RaDaR-Kohorte weisen für Patienten über die gesamte Lebensspanne sogar auf ein Risiko für ein terminales Nierenversagen von mehr als 75 Prozent hin.
In den Leitlinien der Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) aus dem Jahr 2025 sind abseits von Proteinurie und geschätzter glomerulärer Filtrationsrate (eGFR) bislang keine validierten prognostischen Serum- oder Urin-Biomarker verankert.
Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen nun jedoch, dass spezifische Blutwert-Verhältnisse, genetische Merkmale und Marker des Komplementsystems als präzise Indikatoren für Nierengewebeschäden dienen und die Steuerung zielgerichteter Therapien unterstützen können.
Bluttest-Verhältnisse als Indikatoren für Nierenfibrose
Die Nierenbiopsie bleibt nach Angaben der Organisation NephCure weiterhin das definitive Verfahren zur Sicherung der Diagnose, während Urin- und Bluttests bislang vor allem ergänzende Hinweise liefern.
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Eine in der Fachzeitschrift Frontiers veröffentlichte retrospektive Studie an 396 IgA-Nephropathie-Patienten in China untersuchte das Verhältnis von Laktatdehydrogenase zu Albumin (LDH-Albumin-Ratio, LAR). Die Auswertung ergab eine signifikante Assoziation des LAR mit der Schwere der Nierenfibrose bei einer Fläche unter der Grenzwertoptimierungskurve (AUC) von 0,717.
Bei einem optimalen Schwellenwert von 4,91 betrug die Sensitivität 56,8 Prozent und die Spezifität 78,0 Prozent. Oberhalb dieses Grenzwerts lag die Fibrose-Prävalenz bei 54,2 Prozent, verglichen mit 20,2 Prozent darunter. Pro Einheitsanstieg des LAR stieg die adjustierte Odds Ratio linear um 1,425 ohne erkennbaren Schwellenwert.
Signifikant zeigte sich dieser Zusammenhang insbesondere bei Männern, bei Patienten ab einem Alter von 40 Jahren sowie bei einer eGFR von mindestens 60 ml/min/1,73 m². Die Studienautoren wiesen darauf hin, dass die monozentrischen und retrospektiven Daten die Nierenbiopsie nicht ersetzen, der Biomarker diese jedoch künftig non-invasiv ergänzen könne.
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Komplementaktivierung und genetische Prädiktoren
Neben Stoffwechselquotienten rückt das Komplementsystem in den Fokus der Forschung. Eine Meta-Analyse über zwölf Studien mit insgesamt 1.251 Teilnehmern belegte eine Prävalenz glomerulärer C4d-Ablagerungen von 34 Prozent, was die Relevanz des Lektin- und klassischen Wegs unterstreicht.
Auch genetische Profile liefern Hinweise auf den Krankheitsverlauf: Eine genomweite Assoziationsstudie der Universität Peking unter Beteiligung von 260 Patienten der TESTING-China-Kohorte und 211 Patienten der Pekinger Universitätsklinik untersuchte rund 4,91 Millionen Einzelnukleotid-Polymorphismen. Dabei zeigte sich für die Variante rs477155 im CDA-Gen, dass Träger des GG-Genotyps eine rund 2,5-fach höhere Rate an kompletter Proteinurie-Remission nach sechs Monaten erreichten.
Da rund 30 bis 40 Prozent der Patienten nicht auf Hormontherapien ansprechen, könnten solche genetischen Signaturen künftig Therapieentscheidungen erleichtern.
Zielgerichtete Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung
Parallel zur Identifikation neuer Biomarker differenziert sich die therapeutische Pipeline aus. Für den oralen Komplement-B-Faktor-Inhibitor Iptacopan zeigten 24-Monats-Daten der APPLAUSE-IgAN-Studie eine Verlangsamung des eGFR-Verlusts auf -3,10 ml/min/1,73 m² pro Jahr gegenüber -6,12 ml/min/1,73 m² in der Placebogruppe sowie eine Hazard Ratio für Nierenversagen von 0,57. Nach einer beschleunigten US-Zulassung im Jahr 2024 erfolgte für das Präparat im Jahr 2026 die reguläre Vollzulassung.
In Phase-2-Untersuchungen senkte Sefaxersen die Proteinurie um 43 Prozent, während Cemdisiran eine placebo-adjustierte Reduktion von 37,4 Prozent erzielte und Ravulizumab nach 26 Wochen ein Minus von 30,1 Prozent gegenüber Placebo erreichte.
Dagegen scheiterte der MASP-2-Inhibitor Narsoplimab in Phase 3. Weitere Ansätze befinden sich in der Prüfung: Jasper Therapeutics schloss die Rekrutierung für die Phase-2-Studie des Fusionsproteins KP104 (Vensobafusp alfa) ab, und Vertex Pharmaceuticals bereitet nach Phase-2-Daten zu Povetacicept, das die Proteinurie um 64 Prozent reduzierte, die regulatorischen Schritte für eine Zulassung vor.
