Identitätsdiebstahl: 27,3 Mrd. Dollar Schaden in den USA
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 11:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts einer zunehmenden Bedrohungslage durch digitale Betrugsmaschen haben Cybersecurity-Experten aktualisierte Leitfäden zur Sicherheitskonfiguration und Betrugsprävention herausgegeben. Die Empfehlungen richten sich insbesondere an neue Mobilgerätenutzer und zielen darauf ab, die Risiken durch psychologisch manipulierte Angriffe zu minimieren. Experten beobachten dabei, dass Kriminelle verstärkt auf Taktiken setzen, die Dringlichkeit, Angst oder besonders attraktive Angebote suggerieren, um ihre Opfer zu täuschen.
Handlungsempfehlungen für die täliche Gerätenutzung
Die veröffentlichten Leitfäden enthalten konkrete Verhaltensregeln zur Absicherung persönlicher Daten. Fachleute betonen, dass Einmalpasswörter (OTP) und PIN-Codes unter keinen Umständen mit Dritten geteilt werden dürfen. Zudem wird dringend dazu geraten, verdächtige Phishing-Links zu meiden und Applikationen ausschließlich über offizielle App-Stores zu beziehen.
Um finanzielle Verluste zu vermeiden, sollten Nutzer jede Zahlungsaufforderung sorgfältig verifizieren. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die technische Aktualität der Geräte; regelmäßige Sicherheitsupdates sind demnach essenziell. Für sensible Transaktionen empfehlen Experten zudem, auf die Nutzung öffentlicher WLAN-Netzwerke zu verzichten, da diese ein erhöhtes Risiko für das Abgreifen von Daten bergen.
Technische Schwachstellen und SIM-basierte Risiken
Parallel zu den Verhaltensrichtlinien weisen Forscher auf tiefgreifende technische Sicherheitslücken hin. Untersuchungen haben ergeben, dass manipulierte SIM-Karten über sogenannte „Proactive SIM“-Befehle (RUN AT) Anweisungen direkt an das Modem eines Geräts senden können. Dies ermöglicht potenziell die Ausführung von Schadcode, den Diebstahl von Dateien oder das Erzwingen eines Downgrades auf den unsicheren 2G-Standard.
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In Tests mit 18 Smartphones und acht IoT-Geräten zeigten zwei Mobiltelefone und sieben IoT-Einheiten eine exponierte AT-Schnittstelle. In diesem Zusammenhang wurden spezifische Schwachstellen identifiziert, darunter die Kennung CVE-2025-48618, die Geräte mit den Android-Versionen 13 bis 16 betraf und im Dezember 2025 behoben wurde, sowie GSMA CVD-2026-0122. Forscher raten zur vollständigen Abschaffung der RUN-AT-Funktion, um diese Angriffsvektoren zu schließen.
Wirtschaftliches Ausmaß und globale Trends
Daten von Javelin Strategy & Research verdeutlichen die wirtschaftliche Dimension der Problematik: Allein in den USA verloren Verbraucher im Jahr 2025 rund 27,3 Milliarden US-Dollar durch Identitätsdiebstahl. Laut ITRC erhielten zudem 80 Prozent der US-Verbraucher im vergangenen Jahr Benachrichtigungen über Datenverletzungen. Die US-Handelsbehörde FTC verzeichnete in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 bereits mehr Beschwerden als im gesamten vorangegangenen Jahr 2024.
International ist das Bild ähnlich besorgniserregend. Der „Global State of Scams 2025“ berichtet, dass 57 Prozent der Erwachsenen weltweit innerhalb von zwölf Monaten Opfer eines Betrugsversuchs wurden. Die Polizeibehörde Interpol warnt zudem davor, dass Betrugsoperationen zunehmend „polykriminell“ agieren, also in verschiedene kriminelle Geschäftsfelder gleichzeitig verwickelt sind.
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Strategien zur Prävention und Governance
Zur effektiven Abwehr identitätsbasierter Angriffe verweist das Sicherheitsunternehmen Bitdefender auf die Wirksamkeit der mehrstufigen Authentifizierung (MFA), die laut Unternehmensangaben über 99 Prozent solcher Angriffe blockieren kann. Weitere empfohlene Schutzmaßnahmen umfassen die Nutzung von Passwort-Managern, das Schreddern physischer Dokumente und eine restriktive Weitergabe sensibler Daten wie Sozialversicherungsnummern.
Auf politischer Ebene veröffentlichte die Denkfabrik RUSI ein 73-seitiges Toolkit mit dem Titel „Authorised Payment Fraud: Approaches to Policy and Governance“. Das Dokument enthält 15 konkrete Interventionsvorschläge und Überlegungen für politische Entscheidungsträger, um den Betrug bei autorisierten Zahlungen einzudämmen.
Zusätzlich zu den allgemeinen Mobilgerätenutzern rücken auch Krypto-Anleger in den Fokus. Elliptic veröffentlichte einen Leitfaden zu sogenannten „Address-Poisoning-Scams“. Bei dieser Methode nutzen Betrüger täuschend ähnlich aussehende Wallet-Adressen in den Transaktionsverläufen der Opfer. Nutzer werden dazu angehalten, Zieladressen vor jeder Transaktion vollständig und Zeichen für Zeichen zu prüfen.
