Hyundai-Streik, Arbeiter

Hyundai-Streik: 34.000 Arbeiter protestieren gegen Atlas-Roboter

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 05:06 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Erstmals legen Gewerkschaftsmitglieder bei Hyundai wegen des Einsatzes humanoider Roboter die Arbeit nieder. Die Tarifverhandlungen sind gescheitert.

Hyundai-Streik gegen Roboter-Einsatz: 34.000 Arbeiter legen Produktion lahm
Ein humanoider Roboter steht auf einer Fabrikhalle, mit verschwommenen Industrieanlagen und einem leichten Hinweis auf Arbeiter im Hintergrund, was einen Streik symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Einsatz von menschenähnlichen Robotern in der Autoindustrie hat in Südkorea zu massiven Arbeitsniederlegungen geführt. Im Hyundai-Werk Ulsan legten Gewerkschaftsmitglieder die Produktion teilweise lahm – ein weltweit beispielloser Vorgang.

Drei Tage Ausstand im Stammwerk

Rund 34.000 der 40.000 Gewerkschaftsmitglieder beteiligten sich vom 13. bis 15. Juli an einem dreitägigen Teilstreik. Täglich verweigerten sie etwa vier Stunden die Arbeit, Schichten endeten bis zu zwei Stunden früher. Branchenexperten schätzen, dass die Produktion von rund 5.000 Fahrzeugen gestört wurde. Der finanzielle Schaden liegt demnach bei umgerechnet über 130 Millionen Euro.

Hintergrund des Arbeitskampfes sind gescheiterte Tarifverhandlungen. Das Management bot eine monatliche Erhöhung von umgerechnet rund 60 Euro, eine Leistungsprämie von 350 Prozent sowie 10 Millionen Won (etwa 6.700 Euro) in bar und 15 Firmenaktien. Die Gewerkschaft fordert dagegen eine monatliche Steigerung von umgerechnet rund 100 Euro und eine deutlich höhere gewinnabhängige Prämie.

Der Auslöser: Bostons Atlas-Roboter

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der humanoide Roboter Atlas von Boston Dynamics – einer Hyundai-Tochter. Die neueste Version, vorgestellt im Januar 2026, ist 1,90 Meter groß, wiegt 90 Kilogramm und verfügt über 360-Grad-Gelenke für komplexe Industriearbeiten wie die Teilebereitstellung.

Hyundai plant den Einsatz von rund 25.000 Atlas-Einheiten in seinen Werken der Marken Hyundai und Kia. Der erste Einsatz ist für 2028 im US-Werk Metaplant in Georgia vorgesehen. Jeder Roboter kostet umgerechnet etwa 120.000 Euro – eine Investition, die sich laut Unternehmen innerhalb von zwei Jahren amortisieren soll.

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Das Management betont, die Roboter seien als Kollaborateure und nicht als Ersatz für Menschen gedacht. Die Gewerkschaft verlangt jedoch eine formelle Vereinbarung vor dem Einsatz. Die Sorge der Arbeiter ist nachvollziehbar: Südkorea hat mit 1.220 Industrierobotern pro 10.000 Beschäftigte bereits die höchste Roboterdichte weltweit.

Forderungen über den Lohn hinaus

Die Gewerkschaft will nicht nur mehr Geld, sondern auch strukturelle Anpassungen an das Zeitalter der Automatisierung:

  • Umstellung vom Stundenlohn auf ein festes Monatsgehalt
  • Anhebung der gesetzlichen Rentengrenze von 60 auf 65 Jahre
  • verbindliche Job- und Einkommensgarantien bei Einführung von KI und humanoiden Robotern

Der Konflikt weitet sich aus. Auch bei der Hyundai-Schwester Kia erklärte die Gewerkschaft am 15. Juli die Tarifgespräche für gescheitert und stimmt nun über einen Streik ab. Im Kia-Werk Hwaseong 1 wurde die Produktion bereits für drei Stunden pro Schicht unterbrochen. Zudem legte der Zulieferer Motras die Arbeit nieder.

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Nächste Eskalationsstufe angekündigt

Die Hyundai-Gewerkschaft kündigte weitere Teilstreiks vom 20. bis 22. Juli an. Auch dann sollen pro Schicht vier Stunden die Bänder stillstehen. Ziel ist es, das Management zu einem verbesserten Angebot zu bewegen – eines, das sowohl die finanziellen Forderungen als auch die Zukunft der menschlichen Arbeit neben humanoiden Robotern adressiert.

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