Hypophosphatasie, HICKORY-Studie

Hypophosphatasie: HICKORY-Studie verfehlt primären Endpunkt im Gehtest

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Efzimfotase alfa verfehlte den primären Gehtest-Endpunkt; Ergebnisse zu Ermüdung und Krankheitsbeginn variierten zwischen Patientengruppen.

AstraZeneca: HICKORY-Studie verfehlt primäres Ziel, Subgruppen zeigen Unterschiede
Ein minimalistisch gestalteter, heller Flur in einer modernen Forschungseinrichtung mit klaren architektonischen Linien. Illustration mit AI erstellt.

Die klinische Erforschung von Therapien gegen seltene Knochen- und Stoffwechselerkrankungen verzeichnet differenzierte Entwicklungen. AstraZeneca und die Konzerntochter Alexion legten auf der Jahrestagung der American Society for Bone and Mineral Research (ASBMR) 2026 in Boston detaillierte Ergebnisse der Phase-III-Studie HICKORY vor.

Die Untersuchung prüfte den Wirkstoff Efzimfotase alfa (ALXN1850) an behandlungsnaiven Jugendlichen und Erwachsenen ab zwölf Jahren mit Hypophosphatasie (HPP). Im Zentrum der Analyse stehen dabei das Verfehlen des primären Endpunkts und die zugleich beobachteten Unterschiede zwischen einzelnen Patientengruppen.

Primärer Endpunkt und heterogene Subgruppenergebnisse

Die Studie HICKORY umfasste 124 Patienten aus 17 Ländern, die im Verhältnis 2:1 randomisiert wurden und über 24 Wochen hinweg alle zwei Wochen eine subkutane Dosis erhielten.

Den primären Endpunkt verfehlte die Prüfung: Im 6-Minuten-Gehtest (6MWT) lag die Differenz der kleinsten Quadrate (LS) im Mittelwert gegenüber Placebo in Woche 25 bei 17,05 m (Standardfehler SE 12,223; p=0,1675; n=84 gegenüber 40), womit keine statistische Signifikanz erreicht wurde.

AstraZeneca führte diesen Umstand vor allem auf unerwartet gute Placebo-Ergebnisse bei Patienten zurück, deren Erkrankung erst im Erwachsenenalter aufgetreten war.

In einer Post-hoc-Analyse erreichten 45,2 Prozent der Behandelten die minimale klinisch bedeutsame Differenz (MCID von 43 m bei Jugendlichen und 31,1 m bei Erwachsenen) im Vergleich zu 30,0 Prozent unter Placebo (Odds Ratio 2,50; 95%-Konfidenzintervall 1,06–5,91; nominal p=0,0363).

Zudem zeigten die Subgruppenanalysen deutliche Kontraste:
* Pädiatrischer Beginn (n=60): Beim 6MWT ergab sich eine Differenz von 35,6 m (SE 16,87; p=0,0386), beim 30-Sekunden-Sit-to-Stand-Test (30s-STS) ein Wert von 1,3 (p=0,0384), beim Schmerzindex BPI-SF -1,0 (p=0,0260), beim LEFS 3,7 (p=0,2645) sowie beim FACIT-Fatigue 3,5 (p=0,1876).
* Beginn im Erwachsenenalter (n=64): Hier betrug die Differenz im 6MWT -2,70 m (SE 17,32; p=0,8764), beim FACIT-Fatigue 7,41 (SE 2,29; p=0,0021), beim LEFS 3,5 (p=0,2376), beim 30s-STS -0,43 (p=0,4927) und beim BPI-SF -0,26 (p=0,5222).

Sekundäre Endpunkte, Langzeitdaten und Sicherheitsprofil

Unter den sekundären Endpunkten der Gesamtkohorte in Woche 25 zeigte sich beim Ermüdungsscore FACIT-Fatigue eine LS-Differenz von 5,74 (SE 1,733; p=0,0016). Beim 30s-STS lag der Wert bei 0,42 (SE 0,455; p=0,3581), beim LEFS bei 3,56 (SE 2,173; p=0,1055) und beim BPI-SF-Schmerzscore bei -0,60 (SE 0,300; p=0,0508).

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Die HICKORY-Studie hat ihren primären Endpunkt im 6-Minuten-Gehtest verfehlt — zugleich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Patienten mit pädiatrischem und adultem Krankheitsbeginn. Wer diese Daten für die eigene Therapieentscheidung einordnen will, braucht eine verständliche Aufbereitung statt Pressemeldungs-Kürzel. Kostenlosen HPP-Leitfaden anfordern

In der offenen Verlängerungsstudie (OLE) verbesserten sich fortgesetzte Behandlungen in Woche 49 um +61,9 m (Standardabweichung SD 78,4) gegenüber Woche 1, während Patienten nach dem Wechsel von Placebo ein Plus von +43,0 m (SD 71,0) gegenüber Woche 25 erzielten.

Hinsichtlich der Verträglichkeit erwies sich das Präparat über drei Phase-III-Studien hinweg als generell gut verträglich. Eine gepoolte Analyse der Studien MULBERRY und HICKORY zeigte für die ersten 24 Wochen eine Rate an Reaktionen an der Injektionsstelle (ISR), die fünfmal niedriger lag als unter dem Vorgängerpräparat Strensiq, bei einem Median von 98,8 Prozent ISR-freien Tagen.

Klinischer Kontext und wirtschaftliche Einordnung

Bei der Hypophosphatasie handelt es sich um eine genetische Stoffwechselstörung, die mit geschwächten Knochen, Erschöpfung und Muskelschwäche einhergeht. Kathryn Dahir, leitende Prüfärztin der HICKORY-Studie, hob hervor, dass die Belastung durch die Erkrankung sowohl die körperliche Funktion als auch das emotionale Wohlbefinden stark beeinträchtige.

Laut Angaben des Herstellers umfasst der adressierbare Markt in den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Japan und China rund 13.800 Patienten, von denen laut US-Prävalenzdaten rund 80 Prozent Erwachsene sind.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte für Efzimfotase alfa bereits ein vorrangiges Prüfverfahren (Priority Review) für HPP-Patienten ab zwei Jahren. Zwei weitere Phase-III-Studien mit Kindern bis zwölf Jahren erreichten ihre primären Ziele. Alexion-Chef Marc Dunoyer erklärte sich vor diesem Hintergrund sehr zuversichtlich bezüglich einer behördlichen Zulassung.

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Für das Präparat prognostizieren AstraZeneca und Alexion Spitzenumsätze zwischen 3 und 5 Milliarden US-Dollar, abhängig von der Breite der künftigen Zulassung. Das Vorgängerpräparat Strensiq erzielte im Vorjahr 1,7 Milliarden US-Dollar Umsatz.

An den Finanzmärkten schloss die AstraZeneca-Aktie am vorausgegangenen Freitag in London mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 12.024,00 Pence und in New York mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent bei 150,20 US-Dollar.

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