Hyperbare Sauerstofftherapie: 200.000 Euro für unsichere Long-Covid-Hilfe
04.06.2026 - 09:39:27 | boerse-global.de
Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT) erobert den Wellness-Markt – doch die medizinische Beweislage ist dünner als viele Anbieter glauben machen.
Was einst Schwerverletzten und Tauchern mit Dekompressionskrankheit vorbehalten war, wird heute als Wundermittel für gestresste Großstädter vermarktet. Die Technik ist simpel: Der Patient atmet in einer Druckkammer reinen Sauerstoff ein – mit dem Versprechen von mehr Energie, besserer Konzentration und schnellerer Regeneration.
Kompaktere Geräte für den Privatgebrauch
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Die Industrie reagiert auf die wachsende Nachfrage mit neuen, platzsparenden Modellen. Am 3. Juni 2026 brachte der Hersteller Dremenia die Dremenia Comfort auf den Markt. Anders als die klassischen Liegekammern ist das Gerät als Sitzvariante konzipiert – gedacht für Wohnungen, Fitnessstudios und professionelle Erholungszentren.
Parallel dazu sinken die Preise für unterstützende Technik. Hersteller wie VARON haben am heutigen Donnerstag deutliche Preisnachlässe auf Sauerstoffkonzentratoren angekündigt, darunter Heimgeräte und verschiedene tragbare Serien. Diese werden häufig in Kombination mit speziellen Atemprotokollen oder in Wellness-Einrichtungen genutzt.
Long-Covid: Hoffnungsträger mit schwankender Evidenz
Besonders viel Aufmerksamkeit erhält die HBOT als mögliche Behandlung für kognitive Beeinträchtigungen nach einer Covid-19-Erkrankung. Die klinische Forschung liefert jedoch widersprüchliche Ergebnisse.
Eine israelische Phase-2-Studie mit 73 Patienten zeigte vielversprechende Resultate: Nach 40 Sitzungen über zwei Monate berichteten die Teilnehmer von verbesserten Energie- und Schlafqualität sowie besserer kognitiver Leistungsfähigkeit. Die positiven Effekte hielten laut den Forschern über ein Jahr an. Ein 49-jähriger Patient kehrte nach 18 Monaten postviraler Beeinträchtigung nach achtwöchiger Behandlung zu normalen kognitiven Werten zurück.
Doch eine schwedische Studie mit 80 Teilnehmern kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Bei einem kürzeren Protokoll mit nur zehn Sitzungen zeigte sich kein signifikanter Vorteil gegenüber einer Placebogruppe.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat die HBOT bislang nicht als spezifische Behandlung für Long-Covid zugelassen. Hinzu kommen prohibitive Kosten: Eine einzelne Sitzung kann umgerechnet bis zu 5.000 Euro kosten, eine vollständige Behandlungsserie bis zu 200.000 Euro.
Der Wellness-Trend: Biohacking mit Sauerstoff
Die Begeisterung für Sauerstofftherapien ist Teil eines größeren Phänomens: dem datengetriebenen „Biohacking". Mitte Juni 2026 ist in der Robinson Landskron eine viertägige Veranstaltung zum Thema Langlebigkeit geplant, die Regenerationstechniken, Vitalitätsmessungen und funktionelles Training für eine kleine Teilnehmergruppe kombiniert.
Auch regionale Zentren erweitern ihr Angebot. Einrichtungen in Wien bieten mittlerweile QEEG-Hirnkartierung und Neurofeedback an – gegen Burnout, Schlafstörungen und für „Spitzenleistungen". In der Ukraine setzen Zentren in Kiew und Bila Zerkwa auf HBOT als primäres Werkzeug zur Rehabilitation nach Verletzungen.
Kritische Stimmen aus der Medizin
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Nicht alle Experten teilen die Euphorie. Professor Dominik Pförringer äußerte am 3. Juni 2026 deutliche Bedenken. Er warnt vor einer „gefährlichen Illusion" der künstlichen Lebensverlängerung und kritisiert den unkritischen Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln und diagnostischen Verfahren wie Ganzkörper-MRTs ohne klare medizinische Indikation.
Die medizinische Gemeinschaft bleibt gespalten. Auf der einen Seite stehen vielversprechende Ansätze wie die NeuroPain-Studie der Münchner LMU-Klinik, die im Juni 2026 startet. Auf der anderen Seite die Kommerzialisierung von Wellness-Therapien, deren versprochene Vorteile oft nicht durch robuste klinische Daten gestützt werden.
Für Patienten mit chronischen Beschwerden rücken zunehmend integrierte digitale Lösungen in den Fokus. Die Schmerztherapie-App HELP Mee hat kürzlich ein 90-Tage-Programm gestartet, das auf wissenschaftlich fundierten Modulen basiert.
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