Hyperakusis, Dezibel

Hyperakusis: Schon 40 bis 50 Dezibel können starke Schmerzen auslösen

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schrittweise Desensibilisierung soll die Geräuschtoleranz verbessern; Hyperakusis tritt häufig zusammen mit Tinnitus, ADHS oder Autismus auf.

Hyperakusis in der Schweiz: Wenn Alltagsgeräusche zur Belastung werden
Ein ruhig eingerichtetes, schallisoliertes Wohnzimmer mit dicken Vorhängen und einem leeren Sessel. Illustration mit AI erstellt.

Die Geräuschkulisse des täglichen Lebens stellt für einen beachtlichen Teil der Bevölkerung eine immense gesundheitliche und soziale Herausforderung dar. Schätzungen zufolge leiden in der Schweiz etwa 8 bis 12 % der Menschen unter Hyperakusis.

Diese Form der krankhaften Überempfindlichkeit gegenüber Schallereignissen führt dazu, dass Betroffene bereits normale Umgebungsgeräusche als unangenehm oder gar schmerzhaft empfinden. Wie aus einem Bericht vom 27. September 2026 hervorgeht, hat dies weitreichende Konsequenzen für die Lebensqualität und die soziale Teilhabe der Betroffenen.

Physiologische Grenzen und soziale Folgen

Bei einer gesunden Hörverarbeitung liegt die Unbehaglichkeitsschwelle in einem Bereich, der weit über dem normalen Gesprächsniveau liegt. Bei Personen, die von Hyperakusis betroffen sind, ist diese Schwelle jedoch drastisch herabgesetzt.

Laut vorliegenden Daten setzt das Schmerzempfinden oder ein starkes Unbehagen oft bereits bei einer Lautstärke von 40 bis 50 Dezibel ein. Zum Vergleich: Dieser Wert entspricht etwa der Lautstärke eines leisen Gesprächs oder dem Summen eines modernen Kühlschranks.

Diese niedrige Toleranzgrenze führt dazu, dass alltägliche Situationen wie das Klappern von Geschirr, das Rascheln von Papier oder Hintergrundgespräche in öffentlichen Räumen als unerträglich wahrgenommen werden. In der Folge ziehen sich viele Betroffene aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.

Die drohende soziale Isolation ist eine der schwerwiegendsten Begleiterscheinungen der Hyperakusis, da Besuche in Restaurants, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen aufgrund der unkontrollierbaren Lärmbelastung oft nicht mehr möglich sind.

Zusammenhang mit neurologischen und auditiven Begleiterscheinungen

Hyperakusis tritt in der klinischen Praxis selten isoliert auf. Fachberichte weisen darauf hin, dass die Überempfindlichkeit häufig mit anderen Phänomenen oder neurologischen Besonderheiten korreliert. Besonders oft wird eine Kombination mit Tinnitus beobachtet, bei dem die Betroffenen unter dauerhaften Ohrgeräuschen leiden, die die auditive Belastung zusätzlich verstärken.

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Darüber hinaus besteht eine signifikante Häufung von Hyperakusis bei Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) oder Diagnosen aus dem Autismus-Spektrum.

In diesen Fällen scheint die Reizfilterung im Gehirn so verändert zu sein, dass akustische Signale nicht nur verstärkt wahrgenommen, sondern auch emotional und physisch intensiver verarbeitet werden. Die Identifikation dieser Zusammenhänge ist für die Diagnose und die anschließende Wahl der Unterstützungsmaßnahmen von zentraler Bedeutung.

Therapeutische Möglichkeiten zur Desensibilisierung

Trotz der erheblichen Einschränkungen gibt es Ansätze zur Behandlung der Hyperakusis, die darauf abzielen, die Toleranz gegenüber Schallereignissen wieder schrittweise zu erhöhen. Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie ist die psychotherapeutische Begleitung. Hierbei wird das Ziel verfolgt, die Betroffenen mittels kontrollierter Desensibilisierung wieder an Alltagsgeräusche zu gewöhnen.

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Im Rahmen dieser Therapieformen lernen Patienten, die mit der Lärmempfindlichkeit verbundenen Angstreaktionen abzubauen. Anstatt sich durch die Nutzung von Gehörschutz vollständig von der Außenwelt zu isolieren – was die Empfindlichkeit langfristig oft noch steigert –, wird eine dosierte Exposition gegenüber Geräuschen angestrebt.

Die schrittweise Gewöhnung soll das auditive System dabei unterstützen, die Unbehaglichkeitsschwelle wieder in Richtung eines normalen Niveaus zu verschieben und den Betroffenen so die Rückkehr in einen geregelten Alltag zu ermöglichen.

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