Hybrid-DRGs: Kassensystem leidet unter 640-Millionen-Mehrausgaben
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 16:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Ambulantisierung stationärer Leistungen gilt als zentraler Baustein zur Modernisierung des deutschen Gesundheitssystems. Durch sektorengleiche Vergütungspauschalen – sogenannte Hybrid-DRGs – sollen Eingriffe, die bisher oft stationär im Krankenhaus erbracht wurden, vermehrt tagesklinisch oder in Praxen stattfinden.
Eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt jedoch, dass die Umstellung mit spürbaren finanziellen Mehraufwendungen für die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) einhergeht. Im Jahr 2025 verursachten die Hybrid-DRGs Mehrausgaben von rund 360 Mio. Euro.
Deutliches Wachstum bei Fallzahlen und Ausgaben
Der Leistungskatalog umfasst mittlerweile 69 Hybrid-DRGs. Die Inanspruchnahme stieg im Zuge der Einführung kräftig an: Laut der WIdO-Analyse legten die Fallzahlen im Bereich der Hybrid-DRGs im Jahr 2025 um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Parallel dazu erhöhten sich die inflationsbereinigten Ausgaben der GKV um 14 Prozent.
Die Dynamik verteilte sich dabei ungleich auf den ambulanten und den stationären Sektor. Eine besonders kräftige Zunahme verzeichneten die niedergelassenen Vertragsärzte. Bei ihnen stieg die Fallzahl von 2024 auf 2025 um 65 Prozent von rund 219.000 auf rund 363.000 Fälle.
In den Krankenhäusern fiel der Zuwachs moderater aus: Dort wuchs die Zahl der Fälle im selben Zeitraum um 6 Prozent von rund 932.000 auf rund 986.000.
Weiterer Kostenschub im laufenden Jahr
Die Umstellung auf Hybrid-DRGs verlagert Leistungen schneller als geplant: Die Fallzahlen bei Vertragsärzten stiegen 2024 auf 2025 um 65 Prozent, in den Krankenhäusern um 6 Prozent — bei bis zu 640 Mio. Euro prognostizierten Mehrausgaben der GKV im Jahr 2026. Wer die Erlösverlagerung früh quantifiziert, kann gegensteuern, bevor die Budgetplanung sie einholt. Kostenlosen Controlling-Leitfaden zu Hybrid-DRGs anfordern
Der Trend zu steigenden Aufwendungen setzte sich zu Beginn des Folgejahres fort. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Fallzahlen um weitere 5 Prozent, während die Ausgaben um 7 Prozent zulegten, was einem Plus von 160 Mio. Euro entsprach. Für das Gesamtjahr 2026 geht die Prognose von Mehrausgaben in Höhe von bis zu 640 Mio. Euro aus. Damit belasten die neuen Abrechnungsstrukturen die Kassenfinanzen kurzfristig stärker als ursprünglich erhofft.
Wirtschaftlicher Druck auf Kliniken wächst
Während die Kosten für die Kostenträger ansteigen, geraten viele Krankenhäuser durch die Verlagerung von Behandlungen wirtschaftlich unter Druck. DKG-Chef Gaß wies am 13. September 2026 auf einen möglichen Erlösverlust von 8 Prozent bis 2027 hin und betonte, dass jeder zehnte Arbeitsplatz gefährdet sei.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnte zudem unter Verweis auf eine Studie davor, dass im Jahr 2030 rund 49 Prozent aller Krankenhausstandorte eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit aufweisen könnten.
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