Hundertjährige weltweit: Genetik schlägt Diät-Ideale
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 04:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Lebensgewohnheiten von Menschen, die ein Alter von 100 Jahren oder mehr erreichen, stehen immer wieder im Fokus der Altersforschung und der öffentlichen Aufmerksamkeit. Ein aktuelles Beispiel aus Südkalifornien verdeutlicht, dass die individuellen Wege zur Langlebigkeit oft von gängigen Gesundheitsidealen abweichen können.
Die US-Amerikanerin Frida, die kürzlich ihren 100. Geburtstag feierte, führt ihr hohes Alter unter anderem auf den täglichen Konsum eines Hot Dogs mit Senf und Zwiebeln sowie einer Diät-Cola zurück.
Ein Video ihrer Tochter, die in Berichten als Quinn oder Queen bezeichnet wird, erreichte in sozialen Netzwerken ein Millionenpublikum. Auf die Frage nach ihrem Rat für ein langes Leben gab die Hundertjährige an, man solle einfach weiteratmen.
Individuelle Ernährungsmuster und Genuss im Alter
Frida ist kein Einzelfall für ungewöhnliche Ernährungsgewohnheiten im hohen Alter. Weltweit zeigen Berichte über Hundertjährige eine große Bandbreite an Lebensstilen.
Die 106-jährige ehemalige Pianistin Licia Maria Baroni, geboren im Jahr 1920, pflegt beispielsweise den Genuss von Spumante und Sambuca. Sie bleibe abends lange wach, um Fernsehsendungen zu verfolgen, und stehe erst am späten Vormittag auf.
Ihr persönlicher Rat für ein langes Leben beziehe sich jedoch weniger auf die Ernährung als auf die Wahl der Lebenspartner; man solle nie beim ersten Ehemann stehen bleiben.
In Taiwan nutzt die 103-jährige Mutter von Yu Kwang-liang, dem CEO des Pingtung Christian Hospital (??), ein Rezept aus tausendjährigen Eiern mit weißem Zucker als Nachmittagssnack, ergänzt durch Marigold-Tee. Ihr Sohn, der für seine medizinischen Missionen in Hongkong und Afrika ausgezeichnet wurde, unterstreicht damit die kulturelle Vielfalt der Altersdiäten.
Der 100-jährige Ali Gül aus der Türkei hingegen setzt auf täglichen Joghurtkonsum und Bewegung bei der Weinlese. Abgesehen von einem Krankenhausaufenthalt nach einem Hüftbruch habe er zeit seines Lebens keinen Arzt aufsuchen müssen.
Biologische Marker und die Rolle der Genetik
Die Wissenschaft sucht hinter diesen Einzelschicksalen nach biologischen Mustern. Ein prominentes Beispiel ist Maria Branyas Morera, die im August 2024 im Alter von 117 Jahren und 168 Tagen in Katalonien verstarb und als älteste verifizierte Person galt.
Untersuchungen zeigten bei ihr zwar sehr kurze Telomere, doch ihre epigenetische Uhr wurde rund 23 Jahre jünger getestet als ihr tatsächliches Alter. Forscher identifizierten zudem das Langlebigkeitsgen LAV-BPIFB4, das ihr Herz geschützt haben soll.
Wer sich mit den biologischen Faktoren eines langen Lebens befasst, sollte auch die eigenen Vitalwerte im Blick behalten. In diesem kostenlosen Report erfahren Sie, wie Sie Ihre Blutwerte selbst richtig deuten und Mängel frühzeitig erkennen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt herunterladen
Auch bei ihr spielte die Ernährung eine Rolle: In ihrem Darm wurde ein hohes Aufkommen an Bifidobakterien festgestellt, was auf ihren täglichen Konsum von drei Joghurts zurückgeführt wird.
Altersforscher betonen, dass neben der Genetik eine hohe Resilienz zentral für Hundertjährige in Deutschland, den USA und der Schweiz sei. Studien der Universität Lausanne deuten darauf hin, dass viele Hochbetagte nie gezielt Sport trieben, aber über viel Alltagsbewegung verfügten. Ihre Ernährung sei oft durch moderate Kalorienzufuhr und wenig Fleisch geprägt. Experten raten dazu, alles im Maß zu tun und nicht zu übertreiben.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Zucker und Fast Food
Die langfristigen Auswirkungen der Ernährung zeigen sich bereits in der frühen Kindheit. Eine in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichte Studie zur britischen Zuckerrationierung, die bis 1953 andauerte, untersuchte Daten von über 64.000 Personen.
Eine bewusste Ernährung ist die Basis für Vitalität bis ins hohe Alter, doch oft lauern versteckte Risiken im Alltag. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie die größten Zuckerfallen im Supermarkt erkennen und so mehr Energie für den Alltag gewinnen. Gratis-Ratgeber für ein zuckerfreies Leben sichern
Eine längere Rationierung in den ersten 1.000 Lebenstagen korrelierte demnach mit einer um 69 % niedrigeren Leberkrebsrate und einer um 36 % geringeren Brustkrebsrate im späteren Leben. Zudem verlangsamte sich die biologische Alterung um etwa 2,2 Jahre.
Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt bezifferte den Zuckerverbrauch in Deutschland für das Jahr 2023 auf 41,2 Kilogramm pro Person, während der weltweite Durchschnitt bei 26,2 Kilogramm lag.
Demgegenüber stehen die Risiken einer modernen westlichen Ernährung. Studien mit über 18.000 Erwachsenen belegen, dass an Fast-Food-Tagen die Kalorienzufuhr um 190 kcal und die Salzaufnahme um 300 mg steigt. Langzeituntersuchungen wie die CARDIA-Studie zeigen, dass ein mehr als zweimal wöchentlicher Konsum von Fast Food über 15 Jahre hinweg zu einer Gewichtszunahme von durchschnittlich 4,5 Kilogramm und einer erhöhten Insulinresistenz führt.
Empfehlungen für eine gesundheitsfördernde Lebensweise
Um die Langlebigkeit zu fördern, raten Ernährungsexperten zu gezielten Anpassungen. Haferflocken spielen dabei eine wichtige Rolle: Eine Metaanalyse aus 28 randomisierten Studien bestätigt, dass die Zufuhr von mindestens 3 Gramm Beta-Glucan aus Hafer täglich das LDL-Cholesterin um 0,25 mmol/L senken kann.
Fachleute empfehlen zudem „Overnight Oats“ gegenüber klassischem Porridge, da der Kaltansatz den glykämischen Index senke und den Abbau von Phytat fördere.
Genetiker der Harvard University stellen zudem traditionelle Mahlzeitenstrukturen infrage und halten das Frühstück für verzichtbar. Empfohlen wird ein Intervallfasten von 14 bis 16 Stunden sowie eine pflanzenbasierte Ernährung mit wenig raffinierten Kohlenhydraten.
Auch beim Kaffeekonsum gibt es klare Hinweise: Schwarzer Kaffee sei reich an Antioxidantien, während Milchproteine wie Kasein diese Wirkstoffe binden und ihre Bioverfügbarkeit senken können. Eine Obergrenze von etwa vier Tassen täglich gilt für gesunde Erwachsene als unbedenklich.
