Hundertjährige, Gene

Hundertjährige: Gene machen nur 20%, Lebensstil 80% aus

02.07.2026 - 13:23:35 | boerse-global.de

Studien belegen: Nur 20 Prozent der Lebensspanne sind genetisch bedingt. Bewegung, Ernährung und soziale Bindungen sind entscheidend für ein hohes Alter.

Langlebigkeit: Lebensstil entscheidet mehr als Gene
Hundertjährige - Eine vitale ältere Person mit ruhigem Ausdruck, umgeben von üppiger grüner Natur in einer sonnigen Landschaft. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Viel wichtiger ist, was wir täglich tun.

Untersuchungen in sogenannten Blauen Zonen – Regionen mit besonders vielen Hundertjährigen – belegen: Die Genetik macht gerade mal 20 Prozent der Lebensspanne aus. Die restlichen 80 Prozent sind Lebensstil. Das erforschte der Wissenschaftler Dan Buettner unter anderem auf Okinawa.

Dort gilt die „Hara Hachi Bu“-Regel. Ernährungswissenschaftlerin Petra Orzech erklärt sie so: Man hört auf zu essen, sobald man zu 80 Prozent satt ist. Die Folge: In Okinawa leben dreimal mehr Hundertjährige als in den USA. Die Nahrung besteht zu 90 bis 98 Prozent aus pflanzlicher Vollwertkost. Fleisch gibt es durchschnittlich nur fünfmal im Monat – etwa 4,5 bis 5 Kilo pro Jahr. Zum Vergleich: In den USA sind es rund 100 Kilo.

Warum Krafttraining lebensverlängernd wirkt

Der deutsche Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst rasant – geschätzte vier Milliarden Euro Umsatz. Doch Experten betonen: Die Langlebigsten setzen auf natürliche Ernährung, nicht auf Pillen.

Eine Studie von Chris Macdonald (University of Cambridge), veröffentlicht im Juni 2026 im Fachjournal Frontiers in Nutrition, zeigt: Die bisherigen Proteinempfehlungen sind zu niedrig. Besonders für Ältere empfiehlt Macdonald eine Verdopplung der Mindestmenge. Der Grund: Muskelschwund (Sarkopenie) erhöht das Sturzrisiko um 60 Prozent, das Frakturrisiko sogar um 80 Prozent. Für aktive Menschen empfiehlt die Studie 0,6 bis 1,6 Gramm Protein pro Pfund Körpergewicht täglich.

Die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining senkt das Sterberisiko laut der Cambridge-Studie um 40 Prozent. Wer wenig Muskelkraft hat, stirbt dreimal häufiger. Eine niedrige Herz-Kreislauf-Fitness verfünffacht das Risiko sogar.

Eine weitere Studie im Journal of the American College of Cardiology (JACC) untersuchte über 14,5 Jahre 117.025 Frauen. Ergebnis: Bereits zwei Stunden Krafttraining pro Woche senken das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 20 Prozent, das Herzinfarktrisiko sogar um 44 Prozent.

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Was Hundertjährige sonst noch richtig machen

Doch es geht nicht nur um Muskeln und Proteine. Psychosoziale Faktoren sind genauso entscheidend. Drei brasilianische Schwestern im Alter von 103, 104 und 109 Jahren führen ihr hohes Alter auf starke familiäre Bindungen und eine Gemeinschaft ohne Extreme zurück. Eine Hundertjährige von der Isle of Man besucht seit zwei Jahrzehnten wöchentlich Bewegungsklassen – der soziale Austausch ist ihr genauso wichtig wie die Bewegung.

Die Forschung in den Blauen Zonen identifizierte weitere Gewohnheiten:

  • Ein ausgeprägter Lebenssinn korreliert mit längerer Lebensdauer.
  • Tägliche natürliche Bewegung: etwa 20 Minuten oder 4.000 bis 5.000 Schritte.
  • Optimierter Schlaf: acht Stunden, 20 Grad Raumtemperatur, abgedunkelt, ohne Elektronik.

Forschung an Schutzgenen und entzündungsarmer Ernährung

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Die genetische Komponente bleibt spannend. Die Universität São Paulo plant unter Leitung von Dr. Mayana Zatz eine DNA-Analyse bei 500 Hundertjährigen. Ziel: spezifische Schutzgene identifizieren.

Auch die Prävention macht Fortschritte. Eine schwedische Langzeitstudie mit 1.865 Personen über bis zu 15 Jahre zeigt: Eine entzündungsarme Ernährung senkt das Demenzrisiko um bis zu 29 Prozent – besonders bei bestimmten Biomarkern. Ernährungsberater empfehlen zudem mehr Ballaststoffe: Obst mit Schale essen, Trockenfrüchte und Nüsse snacken. Kleine Veränderungen mit großer Wirkung.

de | wissenschaft | 69672407 |