Hundehaltung im Alter: Langzeitstudie findet 48 Prozent weniger Demenzrisiko
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 14:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitstudie des japanischen National Institute for Environmental Studies bringt neue Belege dafür, dass die Haltung eines Hundes das Demenzrisiko bei älteren Menschen deutlich senken könnte.
Die im International Journal of Environmental Research and Public Health veröffentlichte Untersuchung wurde nach einem Bericht der italienischen Zeitung La Stampa breit rezipiert; auch die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News berichtete über die Ergebnisse.
Demnach hatten aktuelle Hundehalter im Vergleich zu Personen, die nie einen Hund besessen hatten, ein um 48 Prozent geringeres Risiko, an einer pflegebedürftigen Demenz zu erkranken.
Datenbasis aus dem Ota Genki Senior Project
Grundlage der Analyse sind Daten aus dem 2016 gestarteten Ota Genki Senior Project, für das das National Institute for Environmental Studies über sieben Jahre und sechs Monate insgesamt 11.224 Einwohner Tokios im Alter zwischen 65 und 84 Jahren beobachtete.
Unter den Teilnehmenden befanden sich 963 aktuelle Hundehalter, 2.539 frühere Hundehalter sowie 7.722 Personen, die zu keinem Zeitpunkt einen Hund besessen hatten.
Im Beobachtungszeitraum entwickelten insgesamt 1.989 Teilnehmende – 17,7 Prozent der Gesamtgruppe – eine pflegebedürftige Demenz. Aufgeschlüsselt nach Halterstatus lag die Quote bei aktuellen Hundehaltern bei 12,8 Prozent, bei früheren Haltern bei 18,5 Prozent und bei Personen ohne Hundehaltung bei 18,1 Prozent.
Die statistische Auswertung ergab für aktuelle Hundehalter eine Odds Ratio von 0,52 gegenüber Nie-Haltern – rechnerisch die genannte um 48 Prozent geringere Erkrankungswahrscheinlichkeit. Auch für frühere Hundehalter zeichnete sich laut einem Bericht von Kyodo News vom 25. September 2026 im Vergleich zu Nie-Haltern ein möglicherweise um etwa 25 Prozent geringeres Erkrankungsrisiko ab.
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Mögliche Erklärungen und Grenzen der Aussagekraft
Die Studienautoren betonen ausdrücklich, dass es sich um einen potenziellen Schutzeffekt handle, nicht um einen definitiven Kausalnachweis. Als Erklärungsansätze werden ein regelmäßiger Tagesablauf, erhöhte körperliche Aktivität durch das Gassigehen sowie stärkere soziale Teilhabe diskutiert.
Yukari Taniguchi, Leiterin der Abteilung für Umweltepidemiologie am National Institute for Environmental Studies, führte gegenüber Kyodo News aus, dass das Gassigehen mit Hunden körperliche Aktivität und zwischenmenschlichen Austausch fördern, einen regelmäßigen Lebensrhythmus stützen und auf psychischer Ebene heilend wirken könne.
Ökonomische Dimension und gesellschaftliche Kosten
Neben der gesundheitlichen Einordnung liefert die Studie auch eine ökonomische Modellrechnung. Steigt der Anteil der Hundehalter unter Senioren von rund 8,6 Prozent im Jahr 2016 auf 13,4 Prozent, ließe sich den Berechnungen zufolge über vier Jahre eine Reduktion der öffentlichen Medizin- und Pflegekosten um rund 592 Milliarden Yen erzielen.
Dem stehen laut der Studie geschätzte zusätzliche gesellschaftliche Kosten von rund 4,63 Billionen Yen über denselben Vier-Jahres-Zeitraum gegenüber – ein Hinweis darauf, dass eine höhere Verbreitung der Hundehaltung zwar Pflegekosten senken, gleichzeitig aber selbst mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden wäre.
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Praktische Hürden bei der Haltung im Alter
Trotz der beschriebenen potenziellen Vorteile stehen ältere Menschen in der Praxis oft vor Hindernissen: Krankheit, Krankenhausaufenthalte oder der Tod des Halters führen laut dem National Institute for Environmental Studies häufig dazu, dass Haustiere nicht mehr gehalten werden können.
Diesem Problem begegnet in Japan unter anderem die allgemeine Körperschaft H?katsu Anshin Ky?kai unter Präsidentin Yasuko Yamato mit einem sogenannten Pet-Support-Service: Über einen Vertrag zur Beauftragung von Angelegenheiten nach dem Tod des Halters wird in Zusammenarbeit mit verbundenen Tierschutzorganisationen ein neues Zuhause für das Tier gesucht.
Der Service richtet sich landesweit vor allem an Hunde, während er bei Katzen bislang auf eine Hauptstadtregion mit drei Präfekturen beschränkt ist. Da ältere Menschen nur selten als Adoptiveltern für Schutz- oder Streunertiere infrage kommen, wurde zusätzlich ein system aufgebaut, das bei Erfüllung bestimmter Bedingungen dennoch eine Vermittlung ermöglicht.
