Humanoide Roboter: Zwei chinesische Hersteller drängen an die Börse
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die globale Industrie für humanoide Roboter erreicht im Juli 2026 gleich mehrere kommerzielle Meilensteine. Hochdotierte Finanzierungsrunden, Börsengänge chinesischer Hersteller und der Anlauf der Serienfertigung markieren den Übergang vom Prototypenstadium zur industriellen Nutzung. Für deutsche Unternehmen wie Bosch und Schaeffler wird der Markt zunehmend strategisch relevant.
Rekord-Finanzierung für britischen Hersteller
Das britische Unternehmen Humanoid schloss am heutigen Montag eine Series-A-Finanzierung in Höhe von 152 Millionen Euro ab. Damit steigt die Gesamtbewertung auf 1,35 Milliarden Euro. Angeführt wurde die Runde von Prime Movers Lab, beteiligt sind unter anderem Schaeffler, Bosch, Fubon Financial und Aglaé Ventures. Das Kapital soll in die nächste Robotergeneration und die Skalierung der Produktion von Radrobotern fließen. Humanoid hat bereits einen Großauftrag von Schaeffler über mehrere tausend Einheiten erhalten – der Beta-Rollout ist für das vierte Quartal 2026 geplant.
Parallel dazu sammelte das südkoreanische Unternehmen Holiday Robotics 105 Millionen Euro ein. Sein Radroboter „FRIDAY" ist mit wechselbaren Akkus und 360-Grad-Kameras speziell für Lagerhäuser ausgelegt.
Chinesische Hersteller drängen an die Börse
Gleich zwei chinesische Hersteller bereiten Börsengänge vor. Unitree erhielt die Zulassung für die Shanghai Star Market und wird auf umgerechnet rund 5,4 Milliarden Euro taxiert. Das Unternehmen lieferte 2025 bereits 5.500 Einheiten aus und hält damit einen globalen Marktanteil von über 25 Prozent. Aizhibot plant einen Börsengang in Hongkong mit einer Zielbewertung von bis zu 6,4 Milliarden Euro. Der Hersteller feierte im Juni die Auslieferung des 15.000 Roboters und überschritt die Milliarden-Umsatzmarke innerhalb der ersten drei Geschäftsjahre.
Produktion läuft an – auch für BMW
Die Serienfertigung nimmt Fahrt auf. Figure meldete am 23. Juli die Produktion des 1.000 Roboters vom Typ Figure 03 in seinem BotQ-Werk. Die aktuelle Taktung liegt bei einem Roboter pro Stunde, das langfristige Ziel sind 50.000 Einheiten jährlich. Die Maschinen werden bereits in der Montagelogistik bei BMW in Spartanburg eingesetzt.
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Im chinesischen Zhengzhou lief am 24. Juli die erste Charge der EngineAI T800-Roboter vom Band. Das Werk produziert einen Roboter alle 15 Minuten und liefert nach Nordamerika, Europa und Südostasien.
Textilindustrie setzt auf Robotik
Einen ungewöhnlichen Großauftrag vermeldet die Textilbranche: Jack Technology bestellte 2.000 humanoide Roboter für die Bekleidungsfertigung. Das Ziel: eine Effizienzsteigerung um 30 Prozent. In Testläufen in der Provinz Zhejiang erreichten die Roboter eine Erfolgsquote von 97 Prozent bei der Stofftrennung. China hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2026 insgesamt 10.000 humanoide Roboter in Fabriken zu betreiben.
Samsung und LG stellen sich neu auf
Die großen Elektronikkonzerne richten ihre Konzernstrukturen auf das Robotik-Zeitalter aus. Samsung gründete am 21. Juli ein eigenes „RX Business Promotion Office", das direkt dem CEO untersteht. Das Unternehmen investiert umgerechnet 14 Milliarden Euro in eine Produktionsstätte in Gumi – Teil eines 45 Milliarden Euro schweren Gesamtinvestitionspakets. LG zog am heutigen Montag nach und etablierte ein eigenes Robotik-Geschäftszentrum. Hyundai hatte bereits Anfang Juli sein Robotiklabor in die Sparte Future Aerospace Mobility eingegliedert.
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Neue Modelle für unterschiedliche Märkte
Der indische Hersteller Vayu Robotics präsentierte am 26. Juli den V1-Roboter, der mit einem Preis von umgerechnet 28.000 Euro speziell für kleine und mittlere Unternehmen in Indien gedacht ist. Im Premium-Segment bietet Ubtech die U1-Serie an: Halb- und Ganzkörper-Modelle mit Silikonhaut und Emotions-KI. Die Preise liegen zwischen 15.000 und 125.000 Euro.
Profitabilität bleibt Herausforderung
Während kommerzielle Serviceroboter für einige Hersteller bereits profitabel sind – Pudu Robotics hat 130.000 Einheiten ausgeliefert –, bleibt die Forschung an zweibeinigen Humanoiden teuer. Viele Hersteller schreiben noch rote Zahlen. Dennoch schätzt das Marktforschungsinstitut TrendForce, dass allein der Markt für humanoide Begleitroboter bis 2030 ein Volumen von 1,1 Milliarden Euro erreichen könnte. Treiber sind der Fachkräftemangel und die alternde Gesellschaft.
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