Humanoide Roboter: NVIDIA, Unitree und Figure starten Massenproduktion
03.06.2026 - 17:48:44 | boerse-global.de
Der Markt für humanoide Roboter hat diese Woche einen entscheidenden Schritt gemacht: Weg von experimentellen Prototypen, hin zur kommerziellen Infrastruktur. Gleich mehrere Großankündigungen signalisieren den Beginn einer neuen Ära.
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NVIDIA setzt den Standard
Am 1. Juni 2026 präsentierte NVIDIA auf der GTC Taipei Konferenz den Isaac GR00T Reference Humanoid Robot. Das Referenzdesign soll als standardisierte Plattform für Industrie und Forschung dienen. Entwickelt wurde es gemeinsam mit Sharpa und Unitree.
Das Herzstück: das Jetson AGX Thor T5000 Compute-Modul mit beeindruckenden 2.070 FP4 TFLOPS Rechenleistung. Das Chassis stammt vom Unitree H2 Plus und verfügt über 31 Freiheitsgrade. Die Sharpa Wave Hände kommen auf 22 Freiheitsgrade pro Hand – das ermöglicht feinmotorische Aufgaben.
Stanford, ETH Zürich und UC San Diego gehören zu den ersten Forschungseinrichtungen, die das System nutzen. Noch in diesem Jahr soll es über Unitree kommerziell verfügbar sein.
Börsengang in China: Unitree sammelt Milliarden ein
Parallel dazu bewegt sich auf dem chinesischen Markt viel Geld. Ebenfalls am 1. Juni 2026 erhielt Unitree die Zulassung für einen Börsengang am STAR Market. Das Unternehmen will umgerechnet rund 621 Millionen Euro einsammeln – bei einer Bewertung von etwa 6,2 Milliarden Euro.
Die Zahlen sind gemischt: Im ersten Quartal 2026 stiegen die Umsätze um 68 Prozent auf umgerechnet rund 57 Millionen Euro. Die Gewinne brachen jedoch um 52 Prozent ein. Das dürfte an den hohen Investitionen in Forschung und Produktion liegen.
Der Konkurrent AGIBOT meldete bereits im März 2026 die Produktion des 10.000sten humanoiden Roboters. Der Wettlauf um die Marktführerschaft läuft auf Hochtouren.
Figure 03 im Logistik-Einsatz
Catalyst Brands, der Mutterkonzern von Brooks Brothers und Nautica, setzt jetzt auf humanoide Roboter. Am Logistikzentrum in Reno, Nevada, übernehmen Figure 03 Roboter die Sortier- und Verpackungsarbeiten. Das 158.000 Quadratmeter große Zentrum wurde erst 2024 für 40 Millionen Euro modernisiert.
Die Leistungsdaten des Figure 03 können sich sehen lassen: Während eines 200-stündigen autonomen Livestreams verarbeitete der Roboter 250.000 Pakete – ohne einen einzigen Hardware-Ausfall. Taktile Sensoren erkennen dabei bereits einen Druck von 3 Gramm. Das ist präzise genug für empfindliche Waren.
Es ist der erste Vertrag zwischen Figure AI und dem Brookfield-Portfolio. Weitere Deals dürften folgen.
UWORLD: Humanoide für den Privathaushalt
Am 2. Juni 2026 startete UBTECH den Vorverkauf seiner UWORLD-Roboter auf der chinesischen Plattform JD.com. Die Modelle gibt es in zwei Größen: 183 und 168 Zentimeter. Die Anzahlung beträgt umgerechnet rund 380 Euro. Ausgeliefert wird ab September 2026.
Die Nachfrage scheint enorm: UBTECHs humanoide Sparte verzeichnete 2025 ein Umsatzwachstum von über 2.000 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Markt für persönliche Assistenzroboten nimmt langsam Fahrt auf.
Autobauer als Testfeld
Die Automobilindustrie bleibt der wichtigste Prüfstand für humanoide Roboter. BMW testet Figure-Roboter in den Werken Spartanburg und Leipzig für die Blechverarbeitung. Der Logistikkonzern GXO pilotiert die Modelle Agility Digit und Apptronik Apollo.
In Indien startete das Startup Agni Robotics vor wenigen Tagen einen Pilotversuch in einem Automobilwerk in Chennai. Die Agni X1-Roboter übernehmen Qualitätskontrollen und Teiletransport. Ziel: eine Senkung der Betriebskosten um 40 Prozent innerhalb von sechs Monaten.
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XPENG treibt Massenproduktion voran
Auch der chinesische E-Auto-Hersteller XPENG Robotics macht ernst. Am 27. Mai 2026 fand ein Meilenstein-Meeting zur Serienproduktion statt. Noch in diesem Jahr sollen die ersten humanoiden Roboter vom Band laufen. Ab dem ersten Quartal 2027 sollen sie als Shopping-Guides in XPENG-Filialen zum Einsatz kommen.
Die Produktionsstätte in Guangzhou erstreckt sich über 110.000 Quadratmeter. Der Bau läuft seit Februar 2026.
Branche konsolidiert sich rasant
Seit der zweiten Jahreshälfte 2025 übernehmen große Technologiekonzerne gezielt Robotics-Startups. Die Übernahmen lesen sich wie ein Who-is-Who der Branche: Meta kaufte ARI, Amazon sicherte sich Rivr und Fauna Robotics, Mobileye übernahm Mentee Robotics.
Die Preise für humanoide Roboter liegen derzeit zwischen 50.000 und 200.000 Euro pro Einheit. Die Hersteller peilen langfristig einen Preis unter 30.000 Euro an. Das wäre der Durchbruch für den Massenmarkt.
Software bleibt die größte Hürde
Trotz aller Fortschritte bei der Hardware: Die Software für generalisierte, unskriptete Aufgaben bleibt die Achillesferse. Roboter können heute präzise greifen und laufen – aber spontan auf unbekannte Situationen reagieren? Das klappt nur bedingt.
OpenAI reagiert auf diese Herausforderung. Am 31. Mai 2026 kündigte das Unternehmen die Gründung einer neuen Robotik-Sparte an. Geleitet wird sie vom Entwickler des Sora-Modells. Der Fokus: Roboter für Infrastruktur und professionelle Assistenz. Künstliche Intelligenz und humanoide Hardware wachsen endgültig zusammen.
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