Humanoide, Roboter

Humanoide Roboter: Lieferungen vervierfachen sich 2026 auf 19.100

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Weltweite Lieferungen humanoider Roboter vervierfachen sich im ersten Halbjahr 2026. Asien dominiert mit 65 Prozent Marktanteil, Europa fällt zurück.

VDMA fordert mehr Tempo bei humanoider Robotik und Physical AI
Ein fortschrittlicher humanoider Roboter in einer modernen europäischen Industriehalle während der Montage. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Branchenverband VDMA hat die Politik in Deutschland und Europa aufgefordert, die Entwicklung humanoider Robotik und sogenannter Physical AI verstärkt auf die Agenda zu setzen. Angesichts einer massiven Marktexpansion und der dominance asiatischer Hersteller seien die Skalierung der Produktion sowie der Aufbau heimischer Lieferketten für kritische Komponenten entscheidend für die künftige Wettbewerbsfähigkeit.

Die Dringlichkeit des Vorstoßes wird durch aktuelle Marktdaten unterstrichen. Im ersten Halbjahr 2026 haben sich die weltweiten Lieferungen humanoider Roboter im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beinahe vervierfacht und erreichten eine Stückzahl von 19.100 Einheiten. Dabei wird das Marktgeschehen maßgeblich von chinesischen Unternehmen geprägt. Aktuell hält Asien einen Marktanteil von 65 Prozent, während Europa auf 20 Prozent und Nordamerika auf 15 Prozent kommen.

Wachsende Kluft in Forschung und Entwicklung

Ein Blick auf die Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) verdeutlicht die unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten. Im Zeitraum von 2022 bis 2024 verzeichnete Asien ein Plus von 35 Prozent bei den F&E-Ausgaben im Bereich der Robotik. Europa wuchs im selben Zeitraum lediglich um 12 Prozent, während Nordamerika ein Wachstum von 15 Prozent verbuchte.

Diese Dynamik schlägt sich auch in der Kapitalmarktbewertung asiatischer Branchenführer nieder. Ein prominentes Beispiel ist der chinesische Hersteller Unitree. Beim jüngsten Börsendebüt in Shanghai verzeichnete das Unternehmen eine 8300-fache Überzeichnung.

Die Aktie stieg am ersten Handelstag um zeitweise 629 Prozent auf 1100 Yuan und schloss bei 845 Yuan – ein deutliches Plus gegenüber dem Emissionspreis von 150,80 Yuan. Mit einem Emissionserlös von 6,1 Milliarden Yuan (rund 780 Millionen Euro) wird Unitree nun mit etwa 57 Milliarden Euro bewertet.

Das Unternehmen konnte seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 48,5 Prozent auf 1,15 Milliarden Yuan steigern, nachdem im Jahr 2025 bereits 5.500 humanoide Roboter verkauft worden waren.

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Kooperationen in der europäischen Industrie

Trotz des asiatischen Vorsprungs intensivieren europäische Industrieunternehmen ihre Aktivitäten. Schaeffler Technologies treibt die Integration humanoider Systeme voran und kooperiert dazu mit dem britischen Start-up Humanoid. Schaeffler fungiert hierbei nicht nur als Anwender von KI-Modellen in den eigenen Fabriken, sondern tritt auch als Zulieferer für Aktuatoren, mechanische Gelenke und Motoren auf.

In Zusammenarbeit mit Hexagon Robotics plant Schaeffler zudem den Einsatz des Modells AEON. Die Roboter werden in einem speziellen „Humanoid Gym“ trainiert und validiert, bevor sie in der Fertigung eingesetzt werden. Insgesamt ist die Ausbringung von mindestens 1.000 AEON-Humanoiden in der Schaeffler-Produktion geplant.

Finanzierungsumfeld für europäische Start-ups

Dass auch in Europa signifikantes Kapital für die Technologie bereitsteht, zeigen mehrere Finanzierungsrunden in den letzten Monaten. Im März 2026 sicherte sich das Pariser Unternehmen Advanced Machine Intelligence 890 Millionen Euro bei einer Bewertung von 3 Milliarden Euro. Das britische Start-up Cambridge Aerospace schloss im August eine Serie-C-Runde über 630 Millionen US-Dollar ab.

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Weitere Investitionen flossen Anfang des Jahres an Harmattan AI (209,2 Millionen Euro) sowie im Juli an das Unternehmen Humanoid, das in einer Serie-A-Runde 133 Millionen Euro einsammelte und nun mit 1,1 Milliarden Euro bewertet wird.

Hürden bei Standards und Regulierung

Der VDMA sieht Europa in einer Position, bei der Definition von Sicherheitsstandards eine führende Rolle zu übernehmen. Gleichzeitig warnt der Verband vor Überregulierung. Zu den größten technologischen Hürden zählen derzeit noch zu langsame Trainingszeiten für die KI-Systeme.

Um den Anschluss nicht zu verlieren, betonte der Verband die Notwendigkeit von verstärkten Kooperationen sowie gezielten Förderprogrammen, um die Transformation zur Physical AI – der Verbindung von künstlicher Intelligenz mit physischen Maschinensystemen – erfolgreich zu gestalten.

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