Humanoide Roboter: Fraunhofer IPA sieht Chance für deutsche Zulieferer
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 14:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschung des Fraunhofer IPA zeigt, dass deutsche Automobilzulieferer über spezialisierte Expertise bei Gelenken und Motoren verfügen, die auf dem weltweit expandierenden Markt für humanoide Robotik gefragt ist. Wie aus aktuellen Berichten hervorgeht, könnten hiesige Zulieferer von der Entwicklung profitieren, wobei insbesondere hochpräzise Gelenke und Hände als zentrale wirtschaftliche Chance für den Standort Deutschland hervorgehoben werden.
Starkes Marktwachstum treibt Komponentenbedarf
Der Markt für humanoide Systeme gewinnt rasant an Dynamik. Nach Erhebungen des Marktforschungsunternehmens IDC wurden im ersten Halbjahr 2026 weltweit knapp 25.000 humanoide Roboter ausgeliefert, was einem Zuwachs von 432,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Der weltweite Marktwert belief sich dabei auf über 740 Millionen US-Dollar und legte um 322,7 Prozent zu.
Zwar stammten laut IDC mehr als 95 Prozent der Auslieferungen von chinesischen Herstellern – darunter Agibot mit rund 8.600 Einheiten (etwa 35 Prozent Marktanteil) und Unitree mit rund 5.000 Einheiten –, doch die Nachfrage nach industrietauglichen Kernkomponenten steigt kontinuierlich.
Bis 2030 prognostiziert IDC ein weltweites Volumen von über 750.000 Auslieferungen. Zugleich sank der rechnerische Durchschnittspreis je Roboter im ersten Halbjahr 2026 auf rund 29.600 US-Dollar gegenüber rund 37.000 US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
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Auch Daten der International Federation of Robotics (IFR) unterstreichen den Aufwärtstrend: Laut dem Bericht World Robotics 2026 stiegen die weltweiten Lieferungen professioneller Serviceroboter im Jahr 2025 um 24 Prozent auf knapp 250.000 Einheiten, darunter rund 7.000 humanoide Einheiten mit einer Bauhöhe von über 140 Zentimetern.
Zulieferer bringen Antriebs- und Sensorkompetenz ein
Genau in diesem Skalierungsprozess liegt das Potenzial für etablierte Industrie- und Automobilzulieferer, deren Know-how aus der Großserienfertigung von Antrieben und Gelenken stammt. Nabtesco fertigt beispielsweise spielfreie Wellgetriebe in einem IATF-zertifizierten Werk in Deutschland und bietet kompakte Aktuatoren für Robotergelenke an, die Schultern, Ellbogen, Hüften und Beine bewegen.
Eine verkürzte Getriebevariante erzielt laut Angaben bei identischer Baugröße eine um 20 Prozent höhere Drehmomentkapazität sowie eine um 40 Prozent längere Lebensdauer im Vergleich zu Standardgetrieben. Integrierte Sensoren erfassen zudem Parameter wie Position, Drehmoment, Temperatur und Vibration.
Auch das Unternehmen Framo Morat forciert Getriebe- und Antriebslösungen für humanoide Roboter sowie Cobots. Auf dem Technologieforum „Accelerating Robotics – The Drive behind Human Robots“, das am 28. und 29. Oktober 2026 am Fraunhofer IWU in Chemnitz stattfindet, widmen sich Experten dem Übergang von Prototypen zu einer anpassbaren Großserienfertigung. Im Rahmen der Veranstaltung präsentieren Wolfgang Sühling und Janina Weil am 28. Oktober anwendungsspezifische Robotik-Getriebelösungen.
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Plattformen und Pilotprojekte in der Industrie
Neben Zulieferteilen wächst auch die Zahl industrieller Komplettsysteme und Partnerschaften. So stellte das Unternehmen igus den in Deutschland gebauten Serviceroboter Iggy Rob Home vor.
Die CE-konforme Plattform kombiniert einen humanoiden Oberkörper mit einer mobilen Basis, bietet bis zu 16 Freiheitsgrade sowie bis zu acht Stunden Betriebszeit und liegt preislich bei einem Einstiegswert von 55.000 Euro.
Aus Düsseldorf wiederum entwickelte Nova X Robotics das System Mason W-01 für wiederkehrende Aufgaben wie Materialhandling und Montage, gesteuert über eine Physical-AI-Plattform für Wahrnehmung und Bewegungsplanung.
Gleichzeitig erproben Energiekonzerne praktische Einsatzmöglichkeiten. Eni und Generative Bionics vereinbarten die Prüfung industrieller Einsätze des Modells GENE.01 für Inspektion und Fernunterstützung. Eni Next hatte bereits im Dezember 2025 in Generative Bionics investiert. Über Partnerunternehmen wie Versalis und Finproject soll nun unter anderem die Entwicklung leichterer und skalierbarer Fuß- und Schuhsysteme vorangetrieben werden.
