Humanoide Roboter: Deutschland und China setzen Bewertungsstandards
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 22:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutschland und China setzen zeitgleich neue Maßstäbe für die Prüfung und Zulassung humanoider Roboter in der Industrie. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) hat am heutigen Donnerstag einen standardisierten Bewertungskatalog für menschenähnliche Maschinen vorgestellt – pünktlich zur wachsenden Nachfrage nach flexiblen Fertigungshelfern.
Sechs Kriterien für den Industrieeinsatz
Der neue Prüfrahmen umfasst sechs zentrale Bewertungskategorien: Kerntechnologien, komplexe Fähigkeiten, Energieeffizienz, funktionale Sicherheit, Cybersicherheit sowie die Reinraumtauglichkeit nach ISO 14644-14. Das Institut testete den Katalog erstmals am Modell Unitree G1 EDU-4. Ergebnis: Der Roboter ist für Reinräume der Klasse 5 geeignet, zeigte aber Kollisionskräfte von über 500 Newton und eine inzwischen behobene Bluetooth-Sicherheitslücke. Die Energieeffizienz fiel moderat aus – rund zwei Stunden und 49 Minuten Standzeit oder eine Stunde und 49 Minuten im Mischbetrieb sind möglich. Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium förderte das Projekt.
Parallel dazu verabschiedete China am Mittwoch einen nationalen Standard zur Qualitätsbewertung von Datensätzen für humanoide Roboter. Unter Federführung des Pekinger Instituts für Maschinenbau-Automation und des Herstellers UBTECH geht es um Datenzuverlässigkeit, multimodale Ausrichtung und Aufgabenabdeckung. Rund 120 Institutionen waren an dem Regelwerk beteiligt, das auch physische KI, gehirnähnliche KI und Sicherheitsethik abdeckt.
BMW und Tesla setzen auf physische KI
Die Automobilindustrie treibt die Entwicklung massiv voran. Der BMW-Konzern gab heute den Ausbau seiner Aktivitäten im Bereich physischer KI am Standort Landshut bekannt. Gemeinsam mit Athenyx Robotics und der Hochschule Landshut arbeitet der Autobauer an offenen Softwareplattformen und sogenannten Vision-Language-Action-Modellen (VLA). Ziel: Roboter sollen flexible Feinarbeiten in der Komponentenfertigung übernehmen.
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Auch Tesla nutzt seine deutschen Standorte für den Robotik-Vorstoß. Berichten zufolge trainieren Mitarbeiter in Deutschland den humanoiden Roboter Optimus mit Bewegungsdaten aus der Fabrikumgebung. Die direkte Datenerfassung soll die Maschinen schneller an reale Produktionsbedingungen anpassen.
Neura Gym: Trainingszentrum für Roboter in Aachen
Die Neura Robotics eröffnete am Mittwoch auf dem Gelände der RWTH Aachen ein 3.000 Quadratmeter großes Trainingszentrum. Die „Neura Gym" getaufte Einrichtung ist der erste von zehn geplanten Standorten in Europa, den USA und China. Mehrere Forschungseinheiten arbeiten dort an physikbasierten Grundlagenmodellen und der Mensch-Roboter-Interaktion. Das Unternehmen, das in einer Series-C-Runde 1,4 Milliarden Euro einsammelte, will bis Ende 2026 fünf solcher Gyms in Betrieb nehmen.
Neue Modelle mit Spezialhardware
Der italienische Hersteller Generative Bionics enthüllte am Mittwoch den humanoiden Roboter Gene.01. Das Besondere: eine vollflächige taktile Haut, die Berührung, Kraft und Temperatur erfasst. Das Unternehmen, das 2024 aus dem Italienischen Technologieinstitut ausgegründet wurde und Ende 2025 rund 70 Millionen Euro einsammelte, setzt den Roboter erstmals auf einer Werft von Fincantieri zum Schweißen ein.
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Foundation Robotics gab heute eine Partnerschaft mit dem Chip-Hersteller AMD bekannt. Die kommende MK-2-Version der Phantom-Serie nutzt eingebettete KI-Prozessoren und FPGAs für Hände mit 23 Freiheitsgraden. Mit IP67-Schutzklasse und 100G-Schockresistenz ist der Roboter für extreme Umgebungen ausgelegt.
Milliarden-Markt in Sicht
Die Finanzierung boomt: Das Startup Humanoid sicherte sich heute 152 Millionen Euro in einer Series-A-Runde unter Führung von Prime Movers Lab. Beteiligt sind auch Bosch und Schaeffler. Die Bewertung des Unternehmens steigt damit auf 1,35 Milliarden Euro. Das Geld fließt in die Produktion des HMND 01, eines rollenden Humanoiden für Logistik und Einzelhandel. Erste Beta-Einsätze sind für das vierte Quartal 2026 geplant, Bosch unterstützt bei der Fertigung.
In Japan kündigten Mitsubishi Motors und Highlanders Pläne an, bis 2027 eine monatliche Produktionskapazität von 1.000 Einheiten zu erreichen. Das japanische Wirtschaftsministerium peilt bis 2040 einen globalen Marktanteil von 30 Prozent an.
Die Analysten von Interact Analysis prognostizieren, dass die weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter bis 2032 die Marke von 700.000 Einheiten überschreiten werden. Treiber sind die Nachfrage nach softwaredefinierter Automatisierung und der wachsende Bedarf in der Rüstungsindustrie.
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