Humanoide Roboter: Chinesischer Q1 ist weltweit der kleinste
03.06.2026 - 12:39:30 | boerse-global.deWeg von starren Einheitsmodellen, hin zu offenen Plattformen und individuell anpassbaren Designs. Gleich mehrere Entwicklungen Anfang Juni 2026 zeigen: Die Zukunft der Roboter ist persönlich.
Chinesische Forscher präsentieren den kleinsten Humanoiden der Welt
Am 1. Juni stellte ein chinesisches Forschungsteam den Qiyuan Q1 vor – den weltweit kleinsten vollwertigen humanoiden Roboter. Das Besondere: Seine gesamte Architektur ist quelloffen. Sogar die Außenhüllen lassen sich per 3D-Druck selbst herstellen und anpassen.
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„Entwickler können das Aussehen und Gehäuse nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten“, so das Team. Das ist kein Spielerei: Die Bewegungsgenauigkeit des Q1 liegt 30 Prozent höher als bei Vorgängermodellen, die Flexibilität sogar 40 Prozent. Hinzu kommen eine vollständige Leistungssteuerung und dynamische Koordination.
Open Source als Baukastenprinzip
Auch LUMOS Robotics aus Suzhou setzt auf Offenheit. Mit dem Projekt „EDGE“ stellt das Unternehmen 100 NIX-Roboter für Universitäten und Labore bereit. Ein offenes SDK und modulare Hardware – darunter das nur 570 Gramm leichte P-60-Gelenkmodul – sollen die Entwicklung spezialisierter Bewegungen und Konfigurationen ermöglichen.
Das Baukastenprinzip macht es möglich: Statt teurer Eigenentwicklungen können Forscher auf standardisierte Komponenten zurückgreifen und diese nach Bedarf kombinieren.
Formverändernde Materialien für die nächste Generation
Ein Londoner Start-up geht noch einen Schritt weiter. Morph präsentierte am 2. Juni eine Plattform für „weiche Roboterzellen“. Diese nutzen formverändernde, adaptive Materialien für die Physical AI – also Roboter, die sich ihrer Umgebung physisch anpassen.
Gründer Dr. Jean Nehme sieht Anwendungen vor allem im Sport und in der Mobilität. „Roboter müssen ihre Form je nach Umgebung oder Nutzer verändern können“, erklärt er. Investoren wie 8VC und Pharrell Williams haben bereits eingestiegen.
Einen anderen Ansatz verfolgt AheadForm: Das Unternehmen brachte am 1. Juni eine Reihe KI-gestützter humanoider Roboter auf den Markt, die besonders auf ausdrucksstarke Mimik und natürliche Interaktion setzen.
NVIDIA treibt Standardisierung voran
Doch nicht nur Nischenplayer treiben den Trend. Auf der GTC Taipei am 1. Juni kündigte NVIDIA den Isaac GR00T-Referenzhumanoiden an. Die Plattform kombiniert das Unitree H2 Plus-Chassis mit Sharpa Wave-Händen, deren Fingerspitzen über 1.000 taktile Pixel verfügen.
Mit einer Größe von 1,80 Metern und 68 Kilogramm Gewicht bietet das System eine vollwertige menschliche Form – und das als offener Software- und Hardware-Stack. Forscher an der Stanford University, der ETH Zürich und dem MIT können die Plattform nach ihren Bedürfnissen modifizieren.
Industrielle Anwendungen: Modular und leistungsstark
Pudu Robotics setzt ebenfalls auf Modularität. Der am 1. Juni vorgestellte PUDU D7 ist ein semi-humanoider Roboter für die Industrie. Mit einer Nutzlast von 14 Kilogramm und einer Reichweite von zwei Metern ist er für den harten Einsatz konzipiert. Seine Dual-Arm-Konfiguration und modulare Sensorik machen ihn flexibel einsetzbar. Ab 2026 sollen die ersten Auslieferungen erfolgen – inklusive automatischem Batteriewechselsystem für den Dauerbetrieb.
Milliardenschwere Investitionen in die Robotik-Zukunft
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Der Trend zur Individualisierung kommt nicht von ungefähr. Die Branche verzeichnet gewaltige Investitionen. Qianxun Intelligence sammelte innerhalb von drei Monaten rund fünf Milliarden Yuan ein – umgerechnet etwa 640 Millionen Euro. Das Unternehmen arbeitet daran, bis Ende 2026 Millionen Stunden an realen Interaktionsdaten zu sammeln.
Unitree, dessen Chassis im NVIDIA-Referenzdesign steckt, steht kurz vor seinem Börsengang an der STAR Market. Der Emissionserlös wird auf 4,2 Milliarden Yuan geschätzt – rund 540 Millionen Euro.
Branchenbeobachter sehen einen entscheidenden Vorteil in den offenen Referenzdesigns: „China produziert zwar derzeit über 80 Prozent aller humanoiden Roboter weltweit“, so ein Analyst. „Doch die Fragmentierung des Marktes bremst die Entwicklung. Offene Plattformen wie Isaac GR00T könnten das ändern und die Physical AI massiv beschleunigen.“
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