Humanoide Roboter: China visiert 10.000 Einheiten bis Jahresende
17.06.2026 - 22:30:29 | boerse-global.de
Gleich mehrere Unternehmen – von Autobauern über Technologiekonzerne bis hin zu Start-ups – stellten am Mittwoch serienreife Modelle und Entwicklungsplattformen vor. Die Systeme sollen Künstliche Intelligenz mit physischer Automatisierung in Industrie und Gewerbe verbinden.
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Autobauer setzen auf menschenähnliche Roboter
Die Automobilindustrie treibt die Entwicklung besonders voran. Der chinesische Hersteller Seres präsentierte „Xiaosai" – einen humanoiden Roboter für Fahrzeuginspektion und Produktionsaufgaben. Das System verfügt über fortschrittliche Bilderkennung und kann eigenständig interagieren. Die Entwicklung folgt auf eine Kooperation zwischen Seres und der ByteDance-Tochter Volcengine aus dem Oktober 2024. In den Seres-Werken arbeiten bereits mehr als 3.000 Industrieroboter und 1.600 intelligente Geräte.
Auch andere Autobauer ziehen nach. Der CEO von Xpeng leitet eine Robotik-Einheit, die noch 2026 die Massenproduktion des Modells „IRON" anstreben soll. Der Verkauf an Privatkunden ist für das erste Quartal 2027 geplant. BYD entwickelt humanoide Systeme intern, während die Chery-Tochter Aimoga bereits Modelle auf den Markt gebracht hat – zu einem Preis von umgerechnet rund 285.800 Yuan (etwa 36.500 Euro).
Faraday Future erweiterte ebenfalls sein Engagement. Das Unternehmen stellte sein „EAI Robot World"-Ökosystem vor, zu dem der „All-New Futurist" gehört – ein 1,73 Meter großer Roboter mit 31 Freiheitsgraden und einer Akkulaufzeit von sechs Stunden.
Software-Plattformen und Open-Source-Bewegung
Die Technologieanbieter setzen zunehmend auf Plattformstrategien statt reine Hardware-Produktion. Auf der GTC Taiwan präsentierte NVIDIA eine Referenzarchitektur für humanoide Roboter. Der Chipkonzern stellt einen KI-Software-Stack bereit, kooperiert mit Unitree für die Roboter-Körper und mit Sharpa Robotics für spezialisierte Hände – eigene Roboter fertigt NVIDIA nicht.
Alibaba führte am Dienstag sein „Qwen Robot Suite" ein. Das Paket enthält spezialisierte KI-Modelle für Navigation, Umgebungsmodellierung und Manipulation. Ein autonomer Agent erreicht eine Betriebsdauer von 35 Stunden.
Die Open-Source-Community macht ebenfalls Fortschritte. Der Roboter „AI Sapiens" von ROBOTIS erlernte komplexe Bewegungen wie Gehen und Tanzen innerhalb von sieben Tagen – mithilfe von Reinforcement Learning und NVIDIAs Isaac-Sim-Plattform. Die Hardware-Entwürfe und der Software-Stack sind öffentlich zugänglich. Kommerzielle Aktuatoren für das System sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 auf den Markt kommen.
Alternative Designs und regionale Expansion
Nicht alle setzen auf zweibeinige Roboter. Genesis AI enthüllte am Dienstag „Eno" – einen rollenden Mehrzweck-Roboter. Das Start-up, das 105 Millionen US-Dollar (rund 98 Millionen Euro) Seed-Finanzierung von Investoren wie Eric Schmidt erhielt, argumentiert, dass rollende Designs kosteneffizienter für Logistik, Krankenhäuser und Fertigung seien. Erste Kundenauslieferungen sind für Ende 2026 geplant.
Die geografische Diversifizierung nimmt zu. AstraBots präsentierte am Mittwoch Indiens ersten eigenentwickelten humanoiden Roboter: „Astra-1". Das Modell kostet 15 Lakhs (etwa 16.500 Euro) und soll innerhalb der nächsten sechs Monate in Pilotprojekten in Chennai und Pune zum Einsatz kommen.
Das in Shenzhen ansässige Unternehmen LimX Dynamics sondiert Kooperationen in den USA und visiert den Nahen Osten für seine ersten Lieferungen an – nachdem es im Juli 2025 umgerechnet rund 65 Millionen Euro eingesammelt hatte.
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Regulierung und Marktprognosen
China treibt die Formalisierung der Branche voran. Im Februar 2026 veröffentlichte das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) den ersten Standard für humanoide Roboter. Ein 29-stelliges Identifikationssystem soll die Roboter von der Produktion bis zum Recycling verfolgen.
Die nationalen Ziele Chinas sehen 10.000 eingesetzte humanoide Roboter bis Ende 2026 vor. Branchenanalysten schätzen, dass chinesische Hersteller in diesem Jahr zwischen 100.000 und 200.000 Einheiten produzieren könnten. Morgan Stanley hat seine Verkaufsprognose für den chinesischen Markt auf 28.000 Einheiten verdoppelt.
Die Massenproduktion drückt bereits die Preise. Einsteigermodelle wie „Bumi" von Noetix Robotics kosten weniger als 10.000 Yuan (rund 1.280 Euro). Der R1 von Unitree liegt bei etwa 39.999 Yuan (rund 5.100 Euro). Im High-End-Segment startete Tesla im Mai 2026 die Massenproduktion des Optimus Gen-3. Der öffentliche Verkauf wird für Ende 2027 erwartet.
