Humanoide Roboter: China verdoppelt Absatzprognose auf 50.000 Einheiten
26.06.2026 - 04:14:45 | boerse-global.de
Der chinesische Hersteller ZUOWEI Technology hat seine neuesten humanoiden Pflegeroboter Tianshu und Tianji vorgestellt. Die Präsentation fand am Donnerstag im chinesischen Guilin statt und unterstreicht einen wachsenden Trend in Asien: Immer mehr Länder setzen auf menschenähnliche Roboter, um schrumpfende Erwerbsbevölkerungen zu kompensieren und die Versorgung alternder Gesellschaften zu sichern.
Markt für humanoide Roboter boomt
Die Branche erlebt einen regelrechten Boom. Der Finanzriese Morgan Stanley hat seine Prognose für den Absatz humanoider Roboter in China im Juni 2026 auf 50.000 Einheiten für das laufende Jahr verdoppelt – ein sprunghafter Anstieg gegenüber den 14.000 Einheiten, die noch im Januar erwartet wurden. Der Marktwert soll bis Ende 2026 auf zwei Milliarden Euro klettern, mit einem prognostizierten Volumen von 15 Milliarden Euro bis 2030.
Getragen wird dieses Wachstum von massiven Investitionen. Foxconn Industrial Internet kündigte kürzlich eine Fusion im Wert von 1,5 Milliarden Euro an, um einen Hersteller humanoider Roboter zu übernehmen. Hinzu kommen 500 Millionen Euro aus privaten Investments. Das Unternehmen will die Roboter in seiner Logistik für Schwerlastaufgaben, Palettenstapeln und Inspektionen einsetzen.
Industrie setzt auf vielseitige Helfer
Die industrielle Nutzung entwickelt sich weiter. Statt einfacher, fest programmierter Abläufe übernehmen die Maschinen zunehmend komplexe, sich wiederholende Tätigkeiten – das sogenannte „messy middle" der Fertigung.
LG plant, seine humanoiden Roboter vom Typ CLOi D bis Ende 2026 in Fabriken für Logistikaufgaben einzusetzen. Bereits im Juli startet der südkoreanische Konzern mit 100 Einheiten auf seinem Yangjae-Forschungscampus, der zu einer speziellen Roboter-Datenfabrik umgebaut wurde. LG will die Flotte auf mehrere Hundert Einheiten ausweiten und setzt dabei auf seine Produktionskapazität von 45 Millionen Elektromotoren pro Jahr, um die Kosten für die Roboterantriebe niedrig zu halten.
Im Bereich der Batteriefertigung hat CATL den humanoiden Roboter Galbot S1 in seine Produktionslinien integriert. Das Modell kann mit beiden Armen Lasten von bis zu 50 Kilogramm heben und nutzt rein visuelle Positionsbestimmung für Materialtransporte. Auch Sany Truck hat seine Endmontage mit humanoiden Einheiten automatisiert.
Demografischer Wandel als Treiber
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Die treibende Kraft hinter der Roboteroffensive ist die Demografie. Die UN prognostiziert, dass Chinas erwerbsfähige Bevölkerung von ihrem Höchststand von einer Milliarde auf rund 300 Millionen bis zum Jahr 2100 sinken wird. In Japan ist die Lage noch dramatischer: Auf jede Bewerbung im Pflegesektor kommen 4,25 offene Stellen.
Die neuen Roboter von ZUOWEI sind für die physische Unterstützung und rund um die Uhr Überwachung der schätzungsweise 50 Millionen Menschen in China konzipiert, die auf Hilfe angewiesen sind. Erste Tests laufen bereits:
- Luftfahrt: Chinesische Roboter werden am Tokioter Flughafen Haneda für Gepäckaufgaben getestet
- Hotellerie: Die Hotelkette Huazhu hat Roboter so stark integriert, dass das Personal-Zimmer-Verhältnis auf 0,1 gesunken ist
- Forschung: Die Waseda-Universität entwickelt den Pflegeroboter AIREC, ein 150 Kilogramm schweres Modell, das bis 2030 einsatzbereit sein soll – voraussichtlicher Preis: rund 70.000 Euro
Technologischer Fortschritt und sinkende Kosten
Die Verbreitung humanoider Roboter wird durch fallende Preise beschleunigt. Einstiegsmodelle sind mittlerweile für weniger als 5.000 Euro erhältlich – möglich gemacht durch Lieferketten aus der Smartphone- und Elektroautoindustrie.
Auf der Softwareseite arbeiten Startups an universeller Roboterintelligenz. Das Unternehmen MindOn hat kürzlich sein System Mind-0 vorgestellt. Es nutzt ein einziges KI-Modell, um verschiedene Robotertypen zu steuern – von Humanoiden bis zu Zweiarm-Maschinen. Menschliche Bewegungsdaten helfen dabei, die Lücke zwischen digitalen Simulationen und realen Abläufen zu schließen.
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Schattenseiten des Roboterbooms
Die rasche Automatisierung wirft jedoch Fragen auf. Der Gründer von JD.com warnte, dass Roboter langfristig 700.000 Zustellerarbeitsplätze ersetzen könnten. In Shenzhen haben Pläne für autonome Taxis bereits Proteste lokaler Fahrer ausgelöst. Wissenschaftler schlagen daher eine Robotersteuer und erweiterte Umschulungsprogramme vor, um den Wandel sozialverträglich zu gestalten.
