Humanoide, Roboter

Humanoide Roboter: China plant 10.000 Einheiten und 100 Einsatzszenarien

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

China plant über 100 Einsatzfelder und Kapazitäten für mehr als 10.000 humanoide Roboter, während Hersteller ihre Produktion deutlich ausweiten.

China treibt humanoide Roboter mit Großinitiative voran
Eine moderne, hochtechnisierte Fertigungshalle in China mit präzisen Robotik-Komponenten an einer Montagelinie. Illustration mit AI erstellt.

Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hat gemeinsam mit der Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen (SASAC) eine großangelegte Initiative zur Förderung humanoider Roboter gestartet.

Wie aus Branchenberichten von Anfang September hervorgeht, zielt die bereits im Juni 2026 begonnene Aktion darauf ab, bis Ende 2026 repräsentative Einsatzszenarien in einer sogenannten „Arbeitsweise“ zu etablieren. Das Programm sieht die Erschließung von mehr als 100 Anwendungsszenarien und den Aufbau von Kapazitäten für die Produktion von über 10.000 Robotern vor.

Skalierung und Kosteneffizienz in der Produktion

Im Zentrum der staatlichen Initiative steht unter anderem das Modell TianGong 3.0, dessen Massenproduktion für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen ist. Durch technologische Optimierungen sollen die Produktionskosten für dieses Modell um 50 % gesenkt werden.

Diese Entwicklung spiegelt einen allgemeinen Trend in der chinesischen Robotikbranche wider: So sank der durchschnittliche Verkaufspreis beim Hersteller Unitree bereits im Jahr 2024 um 56 % und im Jahr 2025 um weitere 36 %, während die Bruttomarge im Jahr 2025 auf 60,3 % stieg.

Auch andere Marktteilnehmer verzeichnen ein signifikantes Wachstum. UBTECH meldete für das erste Halbjahr 2026 eine Steigerung des Umsatzes im Bereich humanoider Roboter um das 15,4-Fache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

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Die Anzahl der verkauften Einheiten erhöhte sich um das 20-Fache, wobei die Bruttomarge in diesem Segment bei 66,8 % lag. Trotz des starken Wachstums verzeichnete das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von 339 Millionen Yuan, was jedoch einer Verbesserung von 23 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Technologische Durchbrüche und industrielle Anwendung

Die Integration der Roboter in die industrielle Fertigung macht laut aktuellen Berichten deutliche Fortschritte. In einer Fabrik in Shenzhen konnte durch den Einsatz von Robotern, die mittels Infrarot und Laser in einer sogenannten „Black-Light-Factory“ ohne sichtbares Licht arbeiten, die Fehlerquote von 98,5 % auf 99,97 % verbessert werden. Zudem reduzierte sich die Rüstzeit von 48 Stunden auf 15 Minuten.

Xiaomi präsentierte auf der IFA 2026 Fortschritte seines CyberOne-Modells, dessen Erfolgsrate bei Montageaufgaben in einer Elektrofahrzeug-Fabrik innerhalb von vier Monaten von etwa 90 % auf 98 % gesteigert wurde. Das Unternehmen plant, zwischen 2026 und 2030 über 200 Milliarden Yuan (etwa 29,8 Milliarden US-Dollar) in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Zusätzliche Impulse kommen aus der Softwareentwicklung. Das Unternehmen Zibianliang Robot veröffentlichte Ende August das Weltmodell WALL-SS, das Durchbrüche bei der Langzeitstabilität und der Vorhersage von Aktionen erzielen soll. Es wird bereits in der Paketsortierung eingesetzt.

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Parallel dazu stellte das Unternehmen Leju in Kooperation mit Heiman eine Lösung vor, die eine humanoide Plattform mit einer vierfingrigen Universalhand kombiniert, die Lasten von mindestens 24 Kilogramm bewältigen kann.

Globale Marktpräsenz und regulatorische Herausforderungen

Chinesische Hersteller dominieren zunehmend den weltweiten Markt. Im ersten Halbjahr 2026 überstiegen die globalen Auslieferungen humanoider Roboter 22.000 Einheiten, was einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die fünf größten chinesischen Unternehmen hielten dabei einen Marktanteil von 86 %. AgiBot führte den Markt im Jahr 2025 mit einem Anteil von 32 % an, gefolgt von Unitree mit 27 %.

Die internationale Expansion zeigt sich auch auf Fachmessen wie der LEAP 2026 in Riad, wo chinesische Roboter als Publikumslieblinge galten. Dennoch sieht sich die Branche mit politischen Hürden konfrontiert. Anfang Juni führte die US-Regierung den „Guard Act“ ein, um den Einsatz chinesischer Roboter zu beschränken; das Modell Unitree G1 wurde dabei explizit auf eine Verbotsliste gesetzt.

Trotz dieser Hindernisse bleibt die Dynamik hoch. Während der Weltroboterkonferenz 2026 zeigten 373 Unternehmen über 3.000 Produkte. Branchenexperten wie der Gründer von Unitree, Wang Xingxing, weisen jedoch darauf hin, dass ein technologischer Wendepunkt für die allgemeine künstliche Intelligenz in der Robotik – vergleichbar mit einem „ChatGPT-Moment“ – noch zwei bis zehn Jahre in der Zukunft liegen könnte.

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