Humanoide Roboter: China erlässt sechs Standards, gültig ab April 2027
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie chinesische Marktaufsichtsbehörde SAMR hat am 28. September 2026 die ersten sechs nationalen Standards für humanoide Roboter erlassen. Wie Mitte Oktober über staatliche Medien bekannt wurde, treten die neuen Vorgaben zum 1. April 2027 offiziell in Kraft. Sie formulieren erstmals einheitliche technische Anforderungen und Spezifikationen für die Bewertung und Prüfung entsprechender Systeme.
Technische Spezifikationen und konkrete Leistungskriterien
Das Regelwerk gliedert sich in die Normenreihe GB/T 48317.1 bis .5 sowie die Spezifikation GB/T 48316. Während Letztere eine einheitliche Architektur für Simulations-Testplattformen festlegt, um reproduzierbare Bewertungen zu ermöglichen, definieren die Teile der Reihe 48317 die technischen Anforderungen.
Die Schwerpunkte liegen auf Körperaufbau, Systemarchitektur, Umgebungswahrnehmung, intelligenter Entscheidungsfindung, Bewegungssteuerung und Aufgabenausführung.
An der Ausarbeitung des ersten Teils beteiligten sich insgesamt 52 Organisationen, darunter Technologieunternehmen wie Unitree, UBTECH, XPENG, Xiaomi, Deep Robotics, EngineAI, ZTE und Hisense.
Laut den Vorgaben muss die Entscheidungsfindung eine Befehlsgenauigkeit von mehr als 95 Prozent erreichen und Einzelaktionen in unter einer Sekunde anweisen. Für die Bewegungssteuerung gilt, dass ein Roboter nach einem Kraftstoß innerhalb von weniger als einer Sekunde einen stabilen Zustand wiederherstellen können muss.
Für die praktische Ausführung verlangen die Richtlinien eine Greiferfolgsquote von über 90 Prozent bei starren Objekten sowie über 85 Prozent bei verformbaren oder fragilen Gegenständen. Kraftoperationen müssen für Lasten von mehr als 15 Kilogramm ausgelegt sein.
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Empfehlungsstatus und weitere Standardisierungsschritte
Die neu erlassenen Richtlinien sind als empfohlene GB/T-Normen konzipiert und besitzen keine verpflichtende Rechtskraft. Ein verbindlicher Sicherheitsstandard befindet sich derzeit lediglich unter der Planungsnummer 20261658-T-604 in Vorbereitung; ein Zieldatum dafür steht noch nicht fest.
Die Veröffentlichung ergänzt parallel laufende Normierungsinitiativen im Land. Bereits am 13. August 2026 eröffnete der Nationale Robotik-Normenausschuss im Technologiezentrum Guanggu eine Konferenz zur Erarbeitung von sieben Testmethoden-Standards für humanoide Roboter, an der über 300 Vertreter aus Wirtschaft und Forschung teilnahmen.
Liu Xin, Generalsekretär des Unterausschusses für humanoide Roboter, verglich diese Prüfverfahren mit einer verbindlichen Prüfungsordnung für die Industrie.
Die Region Hubei verzeichnet im Sektor der verkörperten Intelligenz eine Branchenleistung von über 40 Milliarden Yuan bei mehr als 140 beteiligten Unternehmen, von denen über 60 Prozent in Guanggu ansässig sind. Dort werden derzeit 23 Robotermodelle gefertigt.
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Wachsender Regulierungsdruck im globalen Umfeld
Chinas Schritt fügt sich in internationale Bestrebungen ein, betriebliche Rahmenbedingungen für humanoide Robotik zu formulieren. Das Institut für Künstliche Intelligenz der CAICT stellte am 16. Oktober 2026 gemeinsam mit Partnern einen Entwicklungsbericht vor, der den strategischen Übergang von reinen Leistungsparametern hin zur praktischen industriellen Anwendung und internationalen Standardisierung betont.
Gleichzeitig verzeichnete ein Whitepaper der Standardisierungsorganisation ASTM Mitte Oktober erhebliche Lücken in weltweiten Normenwerken, insbesondere in Bereichen wie KI-Sicherheit, Datengovernance, Zertifizierung und Arbeitssicherheit.
Auch andere asiatische Märkte passen ihre Richtlinien an: Südkoreas Regulierungsbehörden genehmigten am 13. Oktober 2026 Feldtests für mobile humanoide Roboter ohne Schutzzäune in industriellen Produktionsstätten, während das indische Elektronik- und IT-Ministerium MeitY jüngst einen Entwurf für verbindliche Drittzertifizierungen in Industriezonen zur Konsultation vorlegte.
