Humanoide Roboter: 50.000–100.000 Einheiten bis Ende 2026 erwartet
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In den USA, Europa und China entstehen riesige Hallen, in denen KI-gesteuerte Roboter für den Einsatz in Fabriken, Lagern und öffentlichen Räumen fit gemacht werden.
Agility Robotics eröffnet Trainingszentrum in Kalifornien
Erst vor wenigen Tagen, am 17. Juli 2026, nahm Agility Robotics in Fremont, Kalifornien, eine 60.000 Quadratmeter große Trainingsanlage in Betrieb. Das Zentrum liegt in unmittelbarer Nähe zu bestehenden Automobilfertigungsstätten und ist auf den Roboter Digit v5 spezialisiert. Das Unternehmen vermeldet Aufträge im Wert von über 300 Millionen Euro – die Maschinen haben bereits mehr als 65.000 Betriebsstunden absolviert.
Zu den Kunden zählen Logistik- und Automobilkonzerne wie Amazon, GXO, Schaeffler und Toyota Motor Manufacturing Canada. CEO Peggy Johnson zufolge führt Agility Robotics derzeit Gespräche mit mehr als 30 weiteren Interessenten. Eine neue Version des Digit-Roboters mit verbesserter Personenerkennung soll im Herbst 2026 auf den Markt kommen. Um das Wachstum zu finanzieren, plant das Unternehmen den Börsengang über eine Fusion mit Churchill Capital Corp XI – der Wort des Konzerns wird auf rund 2,3 Milliarden Euro geschätzt.
Texas setzt auf den „Robot Park“
In Austin, Texas, hat Apptronik einen 90.000 Quadratmeter großen „Robot Park“ eröffnet. Im Fokus steht der humanoide Apollo 2 – knapp 1,80 Meter groß, hebefähig bis zu 25 Kilogramm, mit einer Akkulaufzeit von vier Stunden. Apptronik wird derzeit mit etwa fünf Milliarden Euro bewertet und hat rund 900 Millionen Euro eingesammelt, um die Maschinen in der Fertigung und im Einzelhandel einzusetzen.
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CEO Jeff Cardenas zieht einen historischen Vergleich: Die Entwicklung humanoider Roboter erinnere ihn an den Durchbruch des Personal Computers in den frühen 1980er Jahren. Entscheidend sei die kontinuierliche Lernschleife: Die Roboter sammeln während ihrer Arbeit Daten, die wiederum in die Verbesserung künftiger Einsätze einfließen. Diese Daten teilt Apptronik mit Google DeepMind, um die KI-Plattform Gemini Robotics weiterzuentwickeln – die Grundlage für den kommenden Apollo 3 mit noch leistungsfähigerer künstlicher Intelligenz.
Europas Antwort: „RoboGym“ am Münchner Flughafen
Auch Europa zieht nach. Neura Robotics und die Technische Universität München eröffnen Mitte 2026 das „RoboGym“ am Münchner Flughafen. Die 2.300 Quadratmeter große Anlage schlägt mit 17 Millionen Euro zu Buche – 11 Millionen davon trägt Neura. Das Zentrum ist auf physisches KI-Training spezialisiert und steht auch Start-ups und Industriepartnern offen. Ziel ist es, den eklatanten Mangel an realen Trainingsdaten für humanoide Systeme zu beheben.
China beschleunigt die Entwicklung
In Peking ist die dritte Ausbaustufe eines riesigen Trainingszentrums für humanoide Roboter im Stadtbezirk Shijingshan in Betrieb gegangen. Die Anlage kann mehr als 100 Roboter gleichzeitig trainieren – in simulierten Umgebungen wie Hotels, Supermärkten und Wohnungen. Das Projekt hat seit seiner ersten Phase im März 2025, die zunächst auf rollende Roboterarme fokussiert war, enorm an Fahrt aufgenommen. Die aktuelle Stufe umfasst Training für Bewegung, Sehen und Tastsinn. Künftige Erweiterungen sollen die Datenerfassung über Spezialhandschuhe ermöglichen.
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Marktprognosen: Vom Nischenprodukt zum Massenmarkt
Branchenbeobachter registrieren einen deutlichen Anstieg bei der Auslieferung zweibeiniger und rollender Roboter. Waren es 2025 noch rund 13.000 Einheiten, prognostiziert Goldman Sachs für Ende 2026 bereits zwischen 50.000 und 100.000 Stück.
Das Marktvolumen dürfte massiv wachsen, da Unternehmen zunehmend auf die Maschinen setzen, um Arbeitskräftemangel und Effizienzprobleme zu lösen. Die chinesische Investmentbank Zheshang Securities schätzt, dass China und die USA bis 2030 rund 2,1 Millionen humanoide Roboter benötigen – ein Marktwert von umgerechnet etwa 42 Milliarden Euro. Aktuell sind die Maschinen noch überwiegend in Industrieanlagen wie Flughäfen und Lagern unterwegs. Branchenkenner erwarten jedoch, dass humanoide Roboter zwischen 2028 und 2030 auch im Alltag der Menschen auftauchen werden.
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