Humanoid-Roboter: Britisches Start-up wird erstes europäisches Unicorn
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Europäische Industrie und Forschung bündeln die Kräfte im Wettlauf um menschenähnliche Roboter.
Erstes europäisches Humanoid-Unicorn
Am 25. Juli 2026 sicherte sich das britische Unternehmen Humanoid in einer Series-A-Finanzierungsrunde 152 Millionen Euro – umgerechnet rund 140 Millionen Euro. Die Bewertung des Start-ups kletterte damit auf 1,24 Milliarden Euro. Damit ist Humanoid das erste europäische Unternehmen seiner Branche, das den Unicorn-Status erreicht hat.
Angeführt wurde die Runde von Prime Movers Lab, beteiligt sind auch die deutschen Industriekonzerne Bosch und Schaeffler. Das Geld fließt in die Massenproduktion der HMND-01-Plattform und die Entwicklung der KI-Steuerungsarchitektur KinetIQ. Bosch hat sich verpflichtet, innerhalb der nächsten fünf Jahre bis zu 100.000 Einheiten zu fertigen. Schaeffler tritt sowohl als Ankerkunde als auch als Zulieferer für Aktuatoren auf und plant, bis 2032 eine vierstellige Anzahl dieser Roboter einzusetzen. Die erste Auslieferungswelle soll zwischen Dezember 2026 und Juni 2027 an den Schaeffler-Standorten Herzogenaurach und Schweinfurt starten.
Trainingszentren gegen den Rückstand
Ein zentrales Problem: Menschliche Roboter brauchen riesige Mengen an Trainingsdaten aus der realen Welt. Genau hier setzt eine Partnerschaft zwischen NEURA Robotics und der RWTH Aachen an. Gemeinsam entsteht die NEURA Gym RWTH Aachen – eine 3.000 Quadratmeter große Trainingsanlage. Sie ist Teil eines globalen Netzwerks, das mit bis zu 1,3 Milliarden Euro Series-C-Finanzierung ausgebaut wird. Fünf solcher Zentren sollen noch bis Ende 2026 in Betrieb gehen.
In den Niederlanden öffnete am 26. Juli das Humanoid Application Center (HAC) in Schiedam seine Tore. CEO Evert Jaap Lugt schlägt Alarm: „Europa hinkt hinterher.“ Im vergangenen Jahr entfielen 85 Prozent aller Installationen humanoider Roboter auf China. Das HAC will gegensteuern – noch dieses Jahr sollen die ersten Roboter auf Baustellen eingesetzt werden, um die Wohnungsbauziele zu erreichen.
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Autoindustrie treibt Integration voran
Die Automobilbranche erweist sich als Treiber der Entwicklung. BMW hat am Standort Landshut die zentrale Softwareentwicklung für KI-gestützte Humanoide in der Komponentenproduktion übernommen. Im Fokus stehen offene Softwareplattformen und Bewegungsplanung. Pilotprojekte laufen bereits in den Werken Leipzig und Spartanburg (USA). Partner sind die Hochschule Landshut und das Start-up Athenyx Robotics.
Renault setzt am Standort Douai den autonomen Roboter Calvin ein. Seit dem 26. Juli übernimmt er schwere, repetitive Aufgaben wie den Reifentransport. Die menschenähnliche Maschine ist zwar noch langsam und teuer – doch der Einstieg ist gemacht.
Sensorik made in Europe
Das italienische Deep-Tech-Unternehmen Generative Bionics präsentierte Ende Juli seinen Humanoiden Gene.01. Das Besondere: Eine Ganzkörper-Haut aus Multimodalsensoren, die Berührung, Kraft und Temperatur erfasst. Um die europäische Lieferkette zu sichern, kooperiert das Unternehmen mit dem deutschen Aktuatorenspezialisten Synapticon.
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Erster industrieller Einsatz: Der italienische Schiffbauer Fincantieri setzt Gene.01 für Schweißarbeiten ein. Dahinter steckt eine klare Strategie: Europa setzt auf eigene Hardware-Software-Optimierung, um mit chinesischen Anbietern wie UBTech mitzuhalten, die erst im Frühsommer ihre U1-Serie auf den Markt brachten.
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