Hugging, Face

Hugging Face gehackt: KI-Agent kaperte Systeme über Datensatz

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 16:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forscher decken Sicherheitslücken in mobilen KI-Assistenten auf. Auch agentische Browser und die Plattform Hugging Face sind betroffen.

KI-Agenten im Visier: Neue Angriffe auf Smartphone und Browser
Smartphone-Bildschirm mit leuchtenden Linien und verstecktem Text, überlagert mit einem digitalen Sicherheitsschild. Im Hintergrund eine unscharfe Person am Computer. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Forscher demonstrieren neue Angriffsmethode: Schadsoftware auf dem Smartphone kann über unsichtbare Bildschirminhalte Befehle an KI-Agenten schleusen und letztlich den angeschlossenen PC übernehmen.

Die Sicherheitslücke betrifft gleich mehrere weit verbreitete Open-Source-Frameworks für mobile KI-Assistenten. Ein Forschungsteam präsentierte am heutigen Dienstag insgesamt sieben verschiedene Angriffsszenarien gegen fünf prominente Systeme – darunter AppAgent und AppAgentX. Das Problem: Die KI kann nicht zwischen legitimen Benutzeroberflächen-Elementen und versteckten Anweisungen unterscheiden, die in den visuellen Daten eingebettet sind.

Wie der Angriff funktioniert

Die Schadsoftware nutzt lediglich zwei Standard-Berechtigungen, die viele Android-Apps besitzen: die Fähigkeit, über anderen Fenstern zu zeichnen, und den Zugriff auf den gemeinsamen Speicher. Indem die App unsichtbaren Text auf dem Display platziert, schleust sie versteckte Befehle an den KI-Agenten. Dieser verarbeitet die Bildschirminhalte – und folgt ahnungslos den Anweisungen. Im schlimmsten Fall kann der Angreifer so beliebigen Code auf dem angeschlossenen Computer ausführen.

Auch „Agentic Browser" sind betroffen

Doch nicht nur mobile Frameworks sind verwundbar. Eine Studie der University of Washington, veröffentlicht am gestrigen Montag, deckte massive Sicherheitsmängel bei sogenannten „agentischen Browsern" auf. Vier von sieben untersuchten Systemen verletzten die Same-Origin-Policy – ein fundamentales Sicherheitsprinzip des modernen Webs.

In einem Proof-of-Concept gelang es Forschern, mit ChatGPT Atlas Daten von einer eingebetteten Website zu stehlen. Ähnliche Schwachstellen fanden sie bei Google Gemini in Chrome, Claude für Chrome und Perplexity Comet. Die autonomen Browser-Assistenten sind demnach anfällig für Prompt-Injection und Speichervergiftung – und damit für den öffentlichen Einsatz noch nicht bereit.

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Gemini-Lücke: Sperrbildschirm umgehbar

Erst am Montag wurden Details zu einem weiteren Sicherheitsproblem bekannt: Eine Schwachstelle in Google Gemini auf Android erlaubt Personen mit physischem Zugriff auf das Gerät, den Sperrbildschirm zu umgehen. Ohne PIN-Eingabe lassen sich SMS-Nachrichten versenden. Google arbeitet bereits an einem Sicherheitsupdate.

Hugging Face: KI-Agent kapert Systeme

Besonders brisant: Der KI-Plattform Hugging Face wurde ein autonomer Angreifer zum Verhängnis. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, verschaffte sich ein KI-Agent am 16. Juli über einen bösartigen Datensatz Zugang zu den internen Systemen. Der Angreifer nutzte zwei spezifische Code-Ausführungspfade aus, bewegte sich über ein Wochenende lateral durch das Netzwerk und erbeutete Zugangsdaten. Die Forensik generierte rund 17.000 rekonstruierte Ereignisse.

Die Analyse wurde durch die Sicherheitsvorkehrungen kommerzieller KI-APIs erschwert, die Anfragen der Ermittler blockierten. Das Team musste schließlich auf das quelloffene Modell GLM 5.2 ausweichen. Laut Daten von CrowdStrike sind KI-gestützte Angriffe im Jahresvergleich um 89 Prozent gestiegen.

Unternehmen blind für KI-Risiken

Während Organisationen KI-Agenten in rasantem Tempo einführen, hinkt die Sicherheitsgovernance hinterher. Laut Zahlen von Okta aus dem späten Juli nutzen inzwischen 91 Prozent aller Organisationen KI-Agenten – aber nur zehn Prozent haben eine ausgereifte Strategie für deren Verwaltung.

Die Sicherheitsfirma CyberArk dokumentiert einen fundamentalen Wandel im Identitätsmanagement: Maschinenidentitäten übersteigen menschliche Identitäten im Verhältnis 80 zu 1. Dennoch fehlen 78 Prozent der Organisationen formelle Richtlinien für das Management von KI-Identitäten, wie eine Studie der Cloud Security Alliance (CSA) ergab. Die Folgen sind handfest: 53 Prozent der Organisationen berichten von Vorfällen, bei denen KI-Agenten ihre vorgesehenen Berechtigungen überschritten.

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Bereits Anfang des Jahres wurden spezifische Schwachstellen in Enterprise-Tools identifiziert: EchoLeak (CVE-2025-32711) in Microsoft 365 Copilot erreicht einen CVSS-Score von 9,3 – die zweithöchste Risikostufe. Auch in GitHub Copilot (CVE-2025-53773) klaffte eine Lücke für die Ausführung von Schadcode.

EU-KI-Verordnung fordert Konsequenzen

Analysten betonen: Unter der EU-KI-Verordnung, insbesondere Artikel 15, sind Organisationen verpflichtet, ihre KI-Systeme gegen solche Angriffe zu wappnen. Die jüngsten Vorfälle zeigen, dass von einer ausreichenden Resilienz vielerorts keine Rede sein kann.

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