Hüftgelenkersatz, Tag

Hüftgelenkersatz im Alter: 100-Jähriger läuft schon am zweiten Tag

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kliniken erproben ambulante und robotergestützte Eingriffe; eine Beobachtungsstudie untersucht Aktivität bei Hüftarthrose.

Hüftoperationen: Neue Verfahren, Bewegung und Reha im Fokus
Ein heller, moderner Rehabilitationsraum in einer Klinik mit einer Balance-Stange an einer weißen Wand. Illustration mit AI erstellt.

Nach einem Sturz im Wuppertaler Polizeipräsidium am 9. Oktober 2026 hat sich Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul die Hüfte gebrochen. Dem CDU-Politiker wurde daraufhin ein künstliches Gelenk eingesetzt.

Berichten zufolge fiel der operative Eingriff umfangreicher aus als zunächst öffentlich bekannt war. Reul führt seine Amtsgeschäfte derzeit vom Krankenbett aus fort und schaltete sich telefonisch zu einer Kabinettssitzung hinzu.

Bei anstehenden öffentlichen Terminen wird der Minister vorerst durch den Abteilungsleiter Polizei vertreten. Erst am 8. Oktober 2026, einen Tag vor dem Unfall, hatte Reul Sprachschwierigkeiten öffentlich thematisiert, die infolge einer vorherigen Operation im Sommer aufgetreten waren.

Fortschritte bei operativen Verfahren im höheren Alter

Schwere Hüftverletzungen nach Stürzen stellen die Geriatrie und Orthopädie regelmäßig vor komplexe Anforderungen, zeigen aber zugleich die Möglichkeiten moderner Operationsmethoden auf. An der Wuhan-Universitätsklinik (Renmin-Krankenhaus) implantierten Mediziner einem kurz zuvor 100 Jahre alt gewordenen Patienten erfolgreich ein Kunstgelenk.

Der Betroffene war Mitte September 2026 in den eigenen vier Wänden gestürzt und mit einer Schenkelhalsfraktur eingeliefert worden. Ein interdisziplinäres Ärzteteam aus Orthopädie, Anästhesie, Kardiologie und Pneumologie entschied sich für eine lumbale Spinalanästhesie in Kombination mit einem minimalinvasiven Verfahren.

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Bereits am zweiten Tag nach dem Eingriff konnte der Senior mit einer Gehhilfe wieder laufen. Nach Angaben der Klinik wurden dort bereits mehrere Patienten im Alter von über 80, 90 und 100 Jahren versorgt; der älteste erfasste Gelenkersatz-Patient zählte 103 Jahre.

Zugleich entwickeln Kliniken die Abläufe rund um den Gelenkersatz weiter. Das Ordensklinikum Linz führte als erstes Krankenhaus in Oberösterreich die ambulante Hüftgelenksersatz-Operation ein. Der Eingriff dauert üblicherweise 30 bis 40 Minuten, kommt jedoch je nach individueller Verfassung nicht für jeden Patienten infrage.

Sofern der Verlauf komplikationslos bleibt und zu Hause eine Betreuung für die ersten 24 Stunden sichergestellt ist, erfolgt die Entlassung noch am selben Tag. Mediziner betonen, dass eine zügige Mobilisation den Weg zurück in den Alltag ebne, während in früheren Jahren noch bis zu zehn Tage Krankenhausaufenthalt die Regel waren.

Technologischer Wandel und Einfluss von Bewegung

Auch deutsche Fachzentren setzen auf Spezialisierung und technische Assistenz. Das Krankenhaus Maria Hilf in Bad Neuenahr-Ahrweiler gehört zu den dreizehn in Rheinland-Pfalz zertifizierten Endoprothetikzentren der Maximalversorgung (EPZmax).

Die Klinik thematisiert am 20. Oktober 2026 in einer Informationsveranstaltung Aspekte wie minimalinvasive Zugangswege, Implantatauswahl sowie den Einsatz von Robotik und Künstlicher Intelligenz.

An der Klinik für Orthopädie am Christlichen Klinikum Unna, die ihr 20-jähriges Bestehen am 12. November 2026 mit einem Patienten-Tag begeht, werden jährlich über 1000 Hüft- und Knieprothesen eingesetzt. Seit 2023 nutzt die Einrichtung ein roboterassistiertes Operationssystem für Knieprothesen, das seit 2026 um Lasernavigation ergänzt wird.

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Neben chirurgischen Fortschritten liefert die Forschung wichtige Erkenntnisse zur Vorbeugung und zum Krankheitsverlauf bei Gelenkerkrankungen. Eine dänische Beobachtungsstudie im Fachblatt British Journal of Sports Medicine aus dem Jahr 2026 untersuchte 17.661 Personen mit Gelenkarthrose.

Unter den 5.911 Betroffenen mit Hüftarthrose (Durchschnittsalter 66,8 Jahre, 69,5 Prozent Frauen) erreichten lediglich 5,9 Prozent ein hohes Aktivitätsniveau auf der UCLA-Skala, das Sportarten wie Joggen oder Tennis umfasst; bei Kniearthrose lag dieser Anteil bei 5,2 Prozent.

Patienten mit Hüftarthrose, die Sportarten mit hoher Stoßbelastung nachgingen, erhielten binnen zwölf Monaten seltener ein künstliches Hüftgelenk als inaktivere Teilnehmer. Kausalitäten lassen sich aus den Beobachtungsdaten jedoch nicht ableiten.

Rehabilitation als Pfeiler der Versorgung

Für die langfristige Wiederherstellung der Mobilität gewinnt die Anschlussversorgung an Bedeutung. Die Bundesärztekammer stellte hierzu das Positionspapier „Reha stärkt Resilienz – Chancen und Herausforderungen einer modernen Rehabilitation“ vor. Vizepräsidentin Dr. Susanne Johna unterstrich, dass zielgerichtete Maßnahmen Patienten nach Erkrankungen wieder handlungsfähig machen und das Gesundheitssystem stärken müssten.

Das Papier nennt vier zentrale Schwerpunkte: die frühzeitige Feststellung von Reha-Bedarfen in der Akutklinik, wohnortnahe sowie mobile Angebote für Senioren, passgenaue Programme bei Mehrfacherkrankungen und die stärkere Einbindung der Reha-Medizin in den Bevölkerungsschutz und Notfallpläne.

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