Hüftfrakturen: Verzögerte OPs über 36 Stunden erhöhen das Sterberisiko um 20 Prozent
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer britische Nottingham University Hospitals NHS Trust hat eine unabhängige Untersuchung zur Sterblichkeit von Patientinnen und Patienten mit Hüft- und Beinfrakturen veranlasst. Hintergrund der Überprüfung sind erhebliche statistische Abweichungen bei den Behandlungsergebnissen.
Im ersten Quartal 2026 lag die adjustierte 30-Tage-Mortalität nach einer Hüftfraktur in Nottingham bei 7,62 Prozent, während der landesweite Durchschnitt in England 4,9 Prozent betrug.
Verzögerte Behandlungen und OP-Kapazitäten im Fokus
Jährlich versorgt der Nottingham University Hospitals NHS Trust mehr als 850 Patientinnen und Patienten mit Hüftfrakturen. Bei den internen Behandlungsabläufen kam es dabei zu massiven Verzögerungen: Das Ziel, Betroffene innerhalb von 36 Stunden nach der Krankenhausaufnahme zu operieren, wurde bei der Hälfte der Fälle verfehlt. In einzelnen Monaten lag dieser Anteil noch höher, mit Spitzenwerten von 55 Prozent im Mai und 53 Prozent im Juni.
Welche Risiken eine verzögerte operative Versorgung mit sich bringt, belegt eine Studie Nottinghamer Chirurginnen und Chirurgen im Fachblatt Bone & Joint Journal. Die Auswertung von 5.414 Patientenfällen aus den Jahren 2016 bis 2023 zeigte, dass sich für die 1.490 Betroffenen mit einer Operationsverzögerung von mehr als 36 Stunden das Sterberisiko innerhalb eines Jahres um 20 Prozent erhöhte.
Die Zeitung The Times berichtete in diesem Zusammenhang, dass Menschen unnötig beim Warten auf die Versorgung nach Stürzen stürben, obwohl solche Vorfälle zu den häufigsten Anlässen für stationäre Einweisungen gehörten.
Als Konsequenz kündigte der medizinische Direktor des Trusts, Dr. Manjeet Shehmar, zusätzliche Operationskapazitäten, personelle Verstärkung und Trainingsmaßnahmen an. Die Wartezeiten seien daraufhin gesunken.
Risikofaktoren und interdisziplinäre Versorgungsmodelle
Die strukturellen Probleme bei der Versorgung von Frakturen älterer Menschen spiegeln sich in internationalen Forschungsarbeiten wider. Eine an der schwedischen Universität Umeå verfasste Dissertation von Erika Olofsson, deren Verteidigung für den 20. November 2026 angesetzt ist, hebt hervor, dass fast die Hälfte der ältesten Patientengruppen innerhalb eines Jahres nach einer Hüftfraktur stirbt. In Schweden werden jährlich rund 17.000 Hüftfrakturen registriert.
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Eine im Fachjournal European Geriatric Medicine veröffentlichte Untersuchung der Universität Umeå, die Gesundheitsdaten von 1.277 Erwachsenen ab 85 Jahren aus Nordschweden aus dem Zeitraum von 2000 bis 2017 analysierte, untermauert dieses Bild: Von 184 Betroffenen mit Hüftfraktur verstarben 47,8 Prozent binnen eines Jahres.
Eine subtrochantäre Fraktur war mit einem etwa 4,4-fachen einjährigen Sterberisiko verbunden, während Vorerkrankungen wie Depressionen oder ein vorangegangener Schlaganfall das Risiko annähernd verdoppelten. Olofsson forderte eine stärker patientenangepasste Versorgung, da Sterblichkeit und Erholung maßgeblich von Begleiterkrankungen und dem psychischen Befinden beeinflusst würden.
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Zur Verbesserung der Versorgungsergebnisse heben Studien den Nutzen fachübergreifender Ansätze hervor. Eine in The Lancet Regional Health erschienene Studie aus sechs Pekinger Kliniken zu 2.071 Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren zeigte, dass ein enges Ko-Management von Orthopädie und Geriatrie das Ein-Jahres-Sterberisiko um 41 Prozent senkte und die mittlere Liegezeit von 12 Tagen halbierte.
Auch in Deutschland bleibt die interdisziplinäre Anbindung ein gesundheitspolitisches Thema: Am 16. Oktober 2026 beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss, die Übergangsregelung der Richtlinie für hüftgelenknahe Femurfrakturen bis zum 31. Dezember 2028 zu verlängern, womit Kliniken geriatrische Fachkompetenz weiterhin über Konsildienste statt dauerhaft vor Ort vorhalten dürfen.
