Hüftdysplasie, Osteotomie

Hüftdysplasie: Osteotomie hält nach 15 Jahren fast alle Prothesen fern

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Langzeitdaten zeigen den Nutzen der Beckenosteotomie bei jüngeren Betroffenen; Alter und Arthrose beeinflussen die Eignung gelenkerhaltender Eingriffe.
Ein heller, moderner Krankenhausflur mit minimalistischer Architektur und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Gelenkerhaltende Operationen an der Hüfte verfolgen das primäre Ziel, das Einsetzen eines künstlichen Gelenks möglichst lange hinauszuzögern. Nach Angaben von Prof. Dr. Patrick Zingg, Leiter der Hüft- und Beckenchirurgie an der Universitätsklinik Balgrist, zielen entsprechende Verfahren bei Befunden wie dem femoroacetabulären Impingement sowie Hüftdysplasien darauf ab, knöcherne Fehlformen gezielt zu korrigieren und damit bestehende Beschwerden zu reduzieren.

Indikationen, Altersgrenzen und Langzeitergebnisse

An der Universitätsklinik Balgrist gehört rund ein Drittel der behandelten Patientinnen und Patienten der Altersgruppe zwischen 18 und 40 Jahren an. Eine Arthrose lässt sich durch gelenkerhaltende Eingriffe zwar nicht in jedem Fall verhindern, doch belegen Langzeitdaten der Klinik bei Hüftdysplasie den Nutzen einer periazetabulären Beckenosteotomie bei Betroffenen unter 30 Jahren: Nach 15 Jahren kommen fast 100 Prozent und nach 30 Jahren rund 40 Prozent der Patienten weiterhin ohne eine Hüfttotalprothese aus.

Bei bereits vorliegender Hüftarthrose sowie bei Personen über 40 Jahren wird von gelenkerhaltenden Operationen hingegen abgeraten, da hierbei ein erhöhtes Risiko für ein ungünstiges Behandlungsergebnis besteht.

Typische Beschwerden im Bereich der Hüfte werden in der Praxis häufig fehlinterpretiert. Wie der Traumatologe Dr. Pablo De Petris darlegt, werden Hüftschmerzen oft fälschlicherweise muskulären Problemen, Sehnenreizungen oder dem Rücken zugeschrieben.

Typisch sei hingegen ein Leistenschmerz. Bestimmte knöcherne Fehlformen wie CAM- oder PINCER-Deformitäten können zu einem femoroacetabulären Impingement und Rissen der Gelenklippe (Labrum) führen, was unter anderem bei Sportarten wie Fußball, Rugby oder Hockey vorkommt.

Konservative Behandlung und arthroskopische Verfahren

Die Abklärung erfolgt laut Dr. De Petris über eine klinische Untersuchung in Kombination mit einer Magnetresonanztomografie (MRT). Zu Beginn steht in der Regel eine konservative Behandlung, etwa mittels Kinesiologie.

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Reicht dies nicht aus, kann eine minimalinvasive Hüftarthroskopie Knochenvorsprünge abtragen und das Labrum reparieren. Dies ermöglicht ein frühes Gehen, während die Rehabilitation individuell erfolgt.

Bei weit fortgeschrittenem Gelenkverschleiß stößt der Gelenkerhalt jedoch an Grenzen; Infiltrationen erzielen in diesem Stadium lediglich temporäre Linderung, sodass letztlich eine Prothese notwendig werden kann.

Dass arthroskopische Eingriffe stetig weiterentwickelt werden, zeigt auch ein Fall aus dem Ersten Affiliierten Krankenhaus der Medizinischen Universität Henan.

Der stellvertretende Direktor der dortigen Orthopädischen Klinik, Dr. Lu Tan, operierte einen 63-jährigen Patienten mit dreimonatigen Hüftschmerzen und MRT-Befunden eines Labrumrisses, Schadens am Ligamentum teres sowie geringem Gelenkerguss. Der Eingriff erfolgte über drei 1-Zentimeter-Zugänge in rund 90 Minuten.

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Um Komplikationen wie Taubheitsgefühle oder Gewebekompressionen durch eine herkömmliche Dammstütze zu vermeiden, nutzte das Team eine modifizierte Lagerung und Bettreibung zur Gegentraktion, was ebenfalls eine frühzeitige Mobilisation begünstigt.

Begleitende Maßnahmen und klinische Studien

Auch Dr. Placido Bartolone vom Genfer Centre Hanche Genou Villa Fleurie unterstreicht, dass eine Endoprothese möglichst lange vermieden werden sollte. Bei Personen ab einem Alter von 35 bis 40 Jahren mit Gelenkverschleiß stehe die Begleitung vor einem schnellen chirurgischen Ersatz im Vordergrund.

Vorrang haben konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Lebensstilanpassungen, Gewichtsreduktion und Infiltrationen. Kommt es schließlich zum Gelenkersatz, werden moderne Planungen in 3D, individuelle Implantate und Roboterassistenz unterstützend genutzt. Die anschließende Wiederherstellungsphase dauert meist zwei bis drei Monate, mitunter bis zu sechs Monate.

Ergänzende Erkenntnisse liefert eine retrospektive Kohortenstudie, die 90 adoleszente FAI-Patienten im Alter von höchstens 19 Jahren mit offener proximaler Femurepiphyse über mindestens fünf Jahre nachbeobachtete.

Bei 23 Patienten lag eine grenzwertige Hüftdysplasie (BDDH, lateraler Centrum-Kanten-Winkel 18° bis 25°, mittlere Nachbeobachtung 6,6 Jahre) vor, bei 67 Patienten lag keine vor (LCEA ab 25°, Nachbeobachtung 8,17 Jahre).

Die Funktionswerte zeigten leichte Unterschiede (medianer mHHS 96 vs. 100, P=.027; HOS-Sport 97 vs. 100, P=.014; WOMAC 4 vs. 2, P=.021), während die Erreichung klinischer Mindestverbesserungen vergleichbar ausfiel.

Eine Re-Arthroskopie war bei einem Patienten (4,3 Prozent) in der BDDH-Gruppe und bei acht Patienten (12 Prozent) in der Vergleichsgruppe erforderlich; in keinem Fall war ein Wechsel zur periazetabulären Osteotomie nötig.

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