Hüft-, Knie-OPs

Hüft- und Knie-OPs: 45 Prozent der Kliniken in NRW schließen

01.07.2026 - 18:35:42 | boerse-global.de

Neue Leistungsgruppen führen zu massiver Konzentration in der Endoprothetik. Experten sehen darin einen Schritt zur Qualitätssteigerung.

Kliniksterben bei Hüft- und Knie-OPs: NRW verliert 45% der Standorte
Hüft- - Nahaufnahme eines künstlichen Kniegelenk-Implantats in einem Operationssaal, mit unscharfen medizinischen Instrumenten im Hintergrund. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

In Nordrhein-Westfalen haben seit Einführung neuer Leistungsgruppen 45 Prozent der Standorte für Hüftimplantationen aufgegeben. Das zeigt der AOK-Gesundheitsnavigator mit Stand Ende Juni 2026.

Bei Knie-Endoprothesen reduzierte sich die Zahl der Anbieter von 216 auf 136 – ein Minus von 37 Prozent. „Das dient der Qualitätssteigerung“, sagt Carola Reimann vom AOK-Bundesverband. Nur drei Prozent der Eingriffe im zweiten Quartal 2025 fanden an Standorten ohne entsprechende Leistungsgruppen-Zuweisung statt.

Milliardenmarkt Endoprothetik

Die wirtschaftliche Bedeutung des Gelenkersatzes ist enorm. Ein Barmer-GEK-Bericht bezifferte die Zahl der Erstimplantationen für 2009 auf rund 209.000 an der Hüfte und 175.000 am Knie. Die Gesamtkosten lagen damals bei 3,5 Milliarden Euro.

Auffällig war die altersbereinigte Zunahme: Beim Kniegelenkersatz stiegen die Fallzahlen um 43 Prozent, bei Hüftimplantaten um neun Prozent. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer, vermutete damals eine mögliche Überversorgung. Die durchschnittlichen Fallkosten: 7.626 Euro für eine Hüft-OP, 7.373 Euro für eine Knie-OP.

Großzentren dominieren die Versorgung

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Die Konzentration auf spezialisierte Häuser verändert die Kliniklandschaft massiv. Die Sana Kliniken Sommerfeld gelten als eines der führenden Endoprothetikzentren Deutschlands. Mit fast 5.000 Implantationen pro Jahr betreibt das Haus nach eigenen Angaben das größte Zentrum in Berlin/Brandenburg.

Der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Andreas Halder betont die Bedeutung von Zertifizierungen wie EndoCert. Hohe Fallzahlen an spezialisierten Standorten gelten in der Fachwelt als entscheidend für niedrige Komplikationsraten.

Milliardenloch bedroht Klinikbudgets

Die Endoprothetik gerät zunehmend unter den Druck der Gesundheitsfinanzen. Für 2027 prognostiziert die gesetzliche Krankenversicherung ein Defizit von rund 19 Milliarden Euro. Bis 2030 könnte es auf 44 Milliarden Euro anwachsen. Anfang Juli 2026 beriet der Koalitionsausschuss über Gegenmaßnahmen.

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Das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz sorgt für Unruhe in der Branche. Die Berliner Krankenhausgesellschaft warnt vor Erlösausfällen von 487 Millionen Euro für 2027. Solche Verluste könnten die Investitionsfähigkeit gefährden.

Parallel dazu einigte sich die Bundesregierung auf einen festen Herstellerrabatt von 15,5 Prozent für patentgeschützte Medikamente. Hintergrund: Unternehmen wie Boehringer Ingelheim und Eli Lilly hatten mit Investitionsstopps gedroht. Auch Apotheken erhalten neue Vergütungsregeln – das Honorar steigt ab Juli 2026 auf neun Euro.

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