Hüft-OP mit Robotern: BMJ-Studie findet keinen Vorteil bei Prothesen
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Einsatz von Robotersystemen in der orthopädischen Chirurgie nimmt international zu, doch die klinische Überlegenheit gegenüber etablierten manuellen Verfahren bleibt wissenschaftlich umstritten.
Eine umfangreiche britische Registerstudie, veröffentlicht im Fachjournal BMJ (BMJ 2026; DOI: 10.1136/bmj-2026-100709), ergab keine eindeutigen Vorteile robotergestützter Eingriffe beim Hüftgelenkersatz infolge von Arthrose.
Weder beim Implantatüberleben noch hinsichtlich des Revisionsrisikos oder allgemeiner Operationskomplikationen ließen sich signifikante Vorzüge gegenüber der konventionellen Vorgehensweise feststellen.
Umfassende Registerdaten aus Großbritannien
Für die Untersuchung analysierte Hasan R. Mohammad von der Queen Mary University London Daten des National Joint Registry. Die Auswertung umfasste insgesamt 666.283 Hüfttotalendoprothesen (HTEP), die im Zeitraum von 2018 bis 2024 eingesetzt worden waren.
Den Daten des National Joint Registry zufolge wurden 656.080 dieser Eingriffe auf konventionellem Weg durchgeführt, während 10.203 prothesen robotergestützt implantiert wurden. Trotz des technologischen Aufwands und präziser digitaler Schnittführungen spiegelte sich der Einsatz der Assistenzsysteme in den langfristigen Überlebensraten der Implantate und den Revisionshäufigkeiten im Beobachtungszeitraum nicht messbar wider.
Klinischer Alltag und technologische Präzision
In der klinischen Praxis findet die roboterassistierte Endoprothetik dennoch weltweit Verbreitung. Am Universitätsklinikum Kaschgar in Xinjiang erhielt ein 74-jähriger Patient mit Oberschenkelhalsfraktur und Osteoporose eine roboterassistierte Hüfttotalendoprothese, was den ersten Eingriff dieser Art in der dortigen Region darstellte.
Das Operationsteam unter Chefarzt Yan Feihua nutzte eine präoperative 3D-Planung sowie eine intraoperative Echtzeitnavigation; der Patient konnte am ersten postoperativen Tag mobilisiert werden. Zuvor hatte die Klinik bereits roboterassistierte Knieprothesen eingesetzt.
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Auch das Binzhou Volkskrankenhaus in Shandong führte mehrere roboterassistierte HTEP-Eingriffe durch, darunter bei einem Patienten mit Hüftkopfnekrose.
Die dortige Methodik umfasste eine präoperative 3D-Planung per Dünnschicht-Computertomografie, einen minimalinvasigen Zugang sowie eine Implantatpositionierung mit submillimetergenauer Abweichung, was eine Mobilisation am Folgetag und eine verkürzte Liegezeit ermöglichte.
Nach Einschätzung des Binzhou Volkskrankenhauses ergänzt die Technik die konventionelle chirurgische Erfahrung, ersetzt die Operateurin oder den Operateur jedoch nicht.
Begleitende Ansätze in Rehabilitation und Vorbereitung
Parallel zu den Operationstechniken gewinnt die wissenschaftliche Begleitung vor und nach dem Gelenkersatz an Bedeutung. Priv.-Doz. Dr. Henryk Haffer von der Charité Berlin wurde beim Kongress DKOU 2026 für eine Prähabilitations-Studie bei gebrechlichen Hüftpatienten mit dem von der m&i-Klinikgruppe Enzensberg gestifteten und mit 5.000 Euro dotierten DGOU-Preis zur Förderung der Rehabilitationsforschung 2026 ausgezeichnet.
Die an fünf Zentren durchgeführte randomisierte Studie umfasste 106 Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren mit Frailty oder Pre-Frailty vor einer Hüft-TEP. Eine Hälfte der Teilnehmenden absolvierte ein dreiwöchiges Vorbereitungsprogramm mit Kraft-, Ausdauer- und Gleichgewichtstraining, Ernährungsberatung und psychosozialer Unterstützung.
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Nach zwölf Monaten zeigten sich zwischen den Gruppen keine signifikanten Unterschiede bezüglich Hüftfunktion, Schmerzen und Lebensqualität, da sich die Werte in beiden Kohorten deutlich verbesserten.
In Spanien wiederum entwickelt das IRYCIS Madrid gemeinsam mit der Universidad Rey Juan Carlos unter Leitung von Norberto Malpica das KI-Physiotherapiesystem „Fisio-ACTIVA“ zur Rehabilitation älterer Menschen nach Hüftfrakturen. Das System analysiert Bewegungen über gewöhnliche Videokameras in Echtzeit und ohne zusätzliche Sensoren.
Eine klinische Studie mit 48 Patientinnen und Patienten über 70 Jahren unter Hauptprüferin Verónica Ocaña an der orthogeriatrischen Abteilung der Universitätsklinik Ramón y Cajal ist angesetzt, um den Nutzen dieser sensorlosen Bewegungsanalyse weiter zu prüfen.
