Huawei, LogicFolding

Huawei LogicFolding: Neue Chip-Architektur ohne EUV-Anlagen

26.05.2026 - 12:30:33 | boerse-global.de

Huawei stellt mit LogicFolding eine Chip-Architektur vor, die Transistordichte und Effizienz steigert. Erste Smartphone-Prozessoren sollen im Herbst 2026 folgen.

Huawei LogicFolding: Neue Chip-Architektur ohne EUV-Anlagen - Foto: über boerse-global.de
Huawei LogicFolding: Neue Chip-Architektur ohne EUV-Anlagen - Foto: über boerse-global.de

Der chinesische Technologieriese Huawei hat eine neue Chip-Architektur vorgestellt, die trotz Handelsbeschränkungen konkurrenzfähige Halbleiter ermöglichen soll. Auf einem Symposium in Shanghai präsentierte das Unternehmen am Montag das „Tau Scaling Law" und die „LogicFolding"-Architektur – ein Ansatz, der auf Design-Innovation statt auf modernste Belichtungsgeräte setzt. Ziel ist es, bis 2031 Transistordichten auf dem Niveau eines 1,4-Nanometer-Prozesses zu erreichen.

Seit 2019 kämpft Huawei mit massiven US-Sanktionen. Der Zugang zu extremen Ultraviolett-(EUV)-Lithografiemaschinen des niederländischen Herstellers ASML ist blockiert. Die Antwort des Konzerns: eine radikale Abkehr vom klassischen Moore'schen Gesetz, das auf physische Verkleinerung der Transistoren setzt.

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Der Ausweg aus der Chip-Falle

He Tingbo, Präsident der Halbleitersparte von Huawei, erläuterte auf der IEEE-Konferenz ISCAS in Shanghai die neue Strategie. Das Tau Scaling Law priorisiert nicht die reine Transistorzahl, sondern die Optimierung von Signalwegen und Systemeffizienz. Kernstück ist die LogicFolding-Architektur, die kritische Signalpfade innerhalb des Chips verkürzt.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Laut Huawei steigert LogicFolding die Transistordichte um rund 55 Prozent und verbessert die Energieeffizienz um 41 Prozent. In bestimmten Konfigurationen reduziert sich die Latenz um bis zu 30 Prozent. Das Unternehmen berichtet, in den vergangenen sechs Jahren bereits 381 Chips nach dem Tau-Prinzip produziert zu haben – die Theorie ist also längst Praxis.

Erste Produkte noch dieses Jahr

Der Zeitplan ist ambitioniert. Bereits im Herbst 2026 sollen die ersten Smartphone-Prozessoren der Kirin-Reihe mit der neuen Architektur auf den Markt kommen – voraussichtlich in der Mate-90-Serie. Das wäre der erste echte Härtetest gegen die Konkurrenz von Apple und Qualcomm.

Parallel treibt Huawei die Entwicklung seiner Ascend-KI-Prozessoren voran. Bis 2030 soll die Serie schrittweise ausgebaut werden, das Endziel ist die 1,4-Nanometer-Äquivalenz bis 2031. Zum Vergleich: TSMC, der taiwanische Branchenprimus, plant die Massenproduktion auf diesem Niveau bereits für 2028.

He Tingbo betonte, der Weg sei nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich tragfähig. Durch den Fokus auf Design-Innovation könne Huawei leistungsfähige Chips mit vorhandenen, weniger fortschrittlichen Fertigungsanlagen in China produzieren. Das ist entscheidend für die Entwicklung heimischer KI-Modelle wie DeepSeek V4.

Börse reagiert begeistert – Analysten bleiben vorsichtig

Die Ankündigung ließ die Aktie von SMIC, Chinas führendem Chip-Auftragsfertiger und Schlüsselpartner Huaweis, um 7,6 Prozent steigen. Investoren sehen darin eine Bestätigung, dass China trotz externem Druck eine unabhängige Halbleiter-Lieferkette aufbauen kann.

Doch internationale Analysten zeigen sich zurückhaltend. Zwar sei LogicFolding ein kluger Ansatz, doch ob Design-Verbesserungen wirklich mit physischen 1,4-Nanometer-Prozessen gleichzuziehen vermögen, bezweifeln Experten. Architektonische Gewinne könnten irgendwann an eine Grenze stoßen, die nur modernste Lithografie überwinden kann.

Ein neues Kapitel im Chip-Krieg

Die Präsentation markiert einen strategischen Wendepunkt. Huawei verschiebt die Messlatte der Branche – weg vom „Transistor-Schrumpfen", hin zum „Zeit-Skalieren". Das ist mehr als eine technische Nuance: Es ist der Versuch, die Spielregeln der globalen Chip-Industrie neu zu definieren.

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Nvidia-CEO Jensen Huang hatte Huaweis Stärke bereits anerkannt und eingeräumt, dass der US-Konzern den chinesischen KI-Chip-Markt weitgehend an Huawei verloren habe. Die neue Architektur könnte diesen Trend weiter verstärken.

Zwei Wege in die Zukunft

Die langfristigen Folgen zeichnen sich ab: Ein gespaltene Halbleiterwelt. Auf der einen Seite der Westen mit EUV-Lithografie und physischer Miniaturisierung. Auf der anderen Seite Huawei mit architektonischer Optimierung und Signalpfad-Effizienz.

Der Herbst 2026 wird zum ersten großen Prüfstein. Sollte sich die Mate-90-Serie gegen internationale Konkurrenz behaupten, könnte das andere Hersteller dazu bewegen, ähnliche Design-Prinzipien zu übernehmen. Für Huawei selbst geht es um nichts weniger als die Zukunftsfähigkeit in einem geopolitischen Umfeld, das sich so schnell nicht entspannen dürfte.

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