Herzrisiko, ACC

hsCRP und Herzrisiko: ACC empfiehlt zusätzlichen Blutwert zur Einschätzung

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

ACC empfiehlt hsCRP als Ergänzung zu Cholesterinwerten; eine Beobachtungsstudie verknüpft erhöhte CRP-Werte mit mehr Herzinsuffizienz und Todesfällen.

hsCRP gewinnt an Bedeutung für die Einschätzung des Herzrisikos
Ein steriler, aufgeräumter Labortisch mit medizinischen Instrumenten in einer hellen, klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Ein entzündungsbezogener Blutwert, der lange im Schatten von Cholesterin und Blutdruck stand, gewinnt in der kardiologischen Forschung an Gewicht: das C-reaktive Protein, gemessen als hochsensitives CRP (hsCRP). Mehrere aktuelle Veröffentlichungen legen nahe, dass dieser Wert helfen kann, das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko genauer einzuschätzen – auch bei Menschen, die auf den ersten Blick unauffällige Cholesterinwerte haben.

Neue Leitlinien-Empfehlung des American College of Cardiology

Ein wissenschaftliches Statement des American College of Cardiology (ACC) empfiehlt, hsCRP künftig zusätzlich zu den klassischen Cholesterinwerten zur Risikobewertung heranzuziehen – sowohl in der Primärprävention bei bislang gesunden Personen als auch in der Sekundärprävention bei bereits erkrankten Patienten.

Bei Menschen mit bestehender atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung könne hsCRP weitere Ereignisse und Todesfälle laut dem Statement mindestens ebenso stark vorhersagen wie der LDL-Cholesterinwert.

Als Einordnung nennt das Statement folgende Risikobereiche: niedrig unter 1 mg/l, mittel zwischen 1 und 3 mg/l sowie hoch über 3 mg/l, wobei ein Wert ab 2 mg/l häufig als Hinweis auf ein erhöhtes Restrisiko gilt.

Dem Statement zufolge weisen rund 52 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung einen hsCRP-Wert von mindestens 2 mg/l auf – ein Hinweis darauf, wie verbreitet unentdeckte Entzündungsprozesse im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Risiken sein könnten.

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Große Beobachtungsstudie zeigt Zusammenhang mit Herzinsuffizienz

Parallel dazu liefert eine im International Journal of Cardiology veröffentlichte Beobachtungsstudie weitere Hinweise auf die Bedeutung des Markers. Die internationale Auswertung, durchgeführt unter Leitung des CHRU de Nancy und der Université de Lorraine, untersuchte 64.743 Erwachsene im Alter von 40 bis 80 Jahren mit mindestens zwei kardiovaskulären Risikofaktoren und mindestens zwei CRP-Messungen.

Alle Teilnehmenden waren zu Studienbeginn frei von Herzinsuffizienz. Nach statistischem Abgleich bildeten die Forschenden zwei Gruppen von je 19.547 Personen – mit dauerhaft niedrigem CRP (0,1–3,0 mg/l) beziehungsweise erhöhtem CRP (3,1–10,0 mg/l) – und beobachteten sie über durchschnittlich 3,9 Jahre.

Das Ergebnis: Ein hoher CRP-Wert war mit einem höheren Risiko für Herzinsuffizienz (Hazard Ratio 1,34), Tod jeglicher Ursache (Hazard Ratio 1,90) und einen kombinierten Endpunkt (Hazard Ratio 1,49) verbunden. In den Subgruppen zeigte sich das erhöhte Risiko sowohl bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (HFrEF, Hazard Ratio 1,53) als auch bei erhaltener Pumpfunktion (HFpEF, Hazard Ratio 1,44).

Konkrete Zahlen zu Risiko und Sterblichkeit

In absoluten Zahlen lag das auf zehn Jahre hochgerechnete Herzinsuffizienzrisiko bei 10,8 Prozent in der Gruppe mit erhöhtem CRP gegenüber 8,3 Prozent bei niedrigem CRP. Bereits nach einem Jahr zeigten sich Unterschiede bei neuen Erkrankungsfällen: 1,4 Prozent gegenüber 0,9 Prozent.

Bei den Todesfällen während des Beobachtungszeitraums fiel die Differenz noch deutlicher aus: 7,7 Prozent in der Gruppe mit erhöhtem CRP standen 4,3 Prozent in der Gruppe mit niedrigem CRP gegenüber.

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Bemerkenswert ist ein detail aus der Subgruppenanalyse: Der Zusammenhang zwischen erhöhtem CRP und Sterblichkeit zeigte sich besonders ausgeprägt bei Personen ohne schwere Adipositas. Bei Menschen mit Adipositas ließ sich hingegen kein klarer Zusammenhang nachweisen – ein Hinweis darauf, dass die Aussagekraft des Markers je nach individuellem Gesundheitsprofil variieren könnte.

Einordnung: Beobachtung statt Beweis

Sowohl die Autoren der Studie als auch begleitende Berichterstattung betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Solche Studien können Zusammenhänge aufzeigen, aber keine Kausalität belegen.

Ob ein erhöhter CRP-Wert tatsächlich ursächlich zu Herzinsuffizienz oder höherer Sterblichkeit beiträgt oder lediglich ein Begleitsymptom zugrunde liegender Erkrankungen darstellt, bleibt damit offen.

Dennoch liefern die Daten zusammen mit der neuen ACC-Empfehlung ein stimmiges Bild: Der CRP-Wert gewinnt als ergänzender Baustein der kardiovaskulären Risikoeinschätzung an Relevanz, neben etablierten Größen wie Cholesterin und Blutdruck.

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de | wissenschaft | 70211816 |