HPV-Atlas Deutschland: Nur 55 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen geimpft
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deHumane Papillomviren (HPV) zählen zu den wesentlichen Risikofaktoren für verschiedene bösartige Neubildungen. Mit dem ersten „HPV-Atlas Deutschland 2026“, der gemeinsam vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Deutschen Krebshilfe erarbeitet wurde, liegen nun gebündelte Daten zur Krankheitslast und zum aktuellen Impfstatus in der Bundesrepublik vor.
Das Werk, das dem Medizin-Nobelpreisträger des Jahres 2008 Harald zur Hausen gewidmet ist, kombiniert eine detaillierte epidemiologische Bestandsaufnahme mit sechs strategischen Empfehlungen, um die Prävention nachhaltig zu stärken.
Krankheitslast betrifft Frauen und Männer
Die im Atlas zusammengeführten Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der durch HPV verursachten Erkrankungen. Laut Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden im Jahr 2021 in Deutschland rund 11.000 HPV-bedingte Krebsneuerkrankungen registriert.
Zwar entfiel der größere Teil mit etwa 7.600 Diagnosen auf Frauen, doch waren auch rund 3.000 Männer betroffen. Eine erhebliche Rolle spielen dabei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich: Bei Männern wurden im erfassten Zeitraum rund 1.900 Fälle von Mund- und Rachenkrebs (Oropharynxkarzinome) auf eine entsprechende Infektion zurückgeführt.
Geringe Impfquoten und deutliche regionale Unterschiede
Obwohl wirksame Vakzine zur Verfügung stehen, bleibt die Impfabdeckung in Deutschland lückenhaft. Im Jahr 2024 waren hierzulande lediglich 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 36 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft.
Neben der insgesamt geringen Beteiligung offenbart der Atlas gravierende regionale Disparitäten: Zwischen den Bundesländern bestehen Unterschiede von mehr als 20 Prozentpunkten bei den Impfquoten. Sachsen-Anhalt nimmt dabei die Spitzenposition ein, während Baden-Württemberg das Schlusslicht bildet.
Auch im europäischen Vergleich fällt Deutschland deutlich zurück. Andere Staaten erreichen wesentlich höhere Werte: In Portugal liegt die Quote bei den 15-Jährigen beispielsweise bei über 90 Prozent.
Sechs strategische Empfehlungen für eine bessere Vorsorge
Um die bestehenden Lücken zu schließen, formulieren DKFZ und Deutsche Krebshilfe sechs zentrale Maßnahmen für das Gesundheitswesen:
Die Zahlen sind eindeutig: Im Jahr 2024 waren nur 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 36 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen in wenigen Schritten, wann die Impfung empfohlen ist und wie Sie den Termin beim Kinder- oder Jugendarzt mit der nächsten Vorsorge verbinden. Kostenlosen HPV-Leitfaden jetzt anfordern
- Die Umsetzung einer bundesweiten Kommunikationsstrategie zur besseren Information der Bevölkerung.
- Der Aufbau eines digitalen Einladungs- und Erinnerungssystems.
- Eine feste Verknüpfung der Impfangebote mit den kinder- und jugendärztlichen Vorsorgeuntersuchungen U10, U11 und J1.
- Die Einführung schulischer Impfprogramme und der Einsatz mobiler Teams für freiwillige Angebote.
- Die Verankerung in einer übergeordneten nationalen Präventionsstrategie.
- Die Einrichtung eines digitalen Impfregisters.
Ergänzende Ansätze in der Früherkennung
Neben Impfprogrammen rückt zunehmend die Optimierung der Früherkennung in den Fokus. Die Deutsche Krebsgesellschaft sprach sich in einer Stellungnahme dafür aus, den HPV-Selbstabstrich als reguläre Option im organisierten Screening auf Gebärmutterhalskrebs zu verankern.
Randomisierte Studien und Metaanalysen zeigen, dass die direkte Zusendung eines entsprechenden Abstrich-Sets die Teilnahmequote bei Frauen, die sonst nicht oder unregelmäßig zur Vorsorge gehen, mehr als verdoppeln kann.
Bei validierten labormedizinischen PCR- und DNA-Tests ist die Sensitivität für Krebsvorstufen (CIN 2+ und CIN 3+) vergleichbar mit einem konventionellen zervikalen Abstrich, während die Spezifität nur geringfügig niedriger ausfällt.
Die von der Deutschen Krebshilfe geförderte HaSCo-Studie belegte zudem, dass eine direkte Zusendung nach dem Opt-out-Prinzip eine signifikant höhere Rücklaufquote erzielt als ein Verfahren, bei dem das Testset erst aktiv angefordert werden muss.
Zwischen den Bundesländern liegen die HPV-Impfquoten mehr als 20 Prozentpunkte auseinander — Sachsen-Anhalt vorn, Baden-Württemberg hinten. Wenn Sie wissen wollen, wie Ihre Region abschneidet und wo Sie eine Impfung nachholen lassen können, finden Sie im kostenlosen Leitfaden die wichtigsten Anlaufstellen und Vergleichszahlen. Regionale Impfquoten vergleichen
International bleibt der Handlungsbedarf derweil hoch: Nach Erhebungen des Beratungsgremiums der Weltgesundheitsorganisation (WHO-SAGE) liegt die globale HPV-Impfquote aktuell lediglich bei 33 Prozent, während die weltweite Zielmarke 90 Prozent beträgt.
In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Verabreichung von zwei Dosen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren sowie das Nachholen versäumter Impfungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.
