Hotel-WLANs: Russische Hacker verbreiten CornFlake-Trojaner
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 05:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Softwarehersteller Microsoft hat eine Warnung vor einer neuen Cyberspionage-Kampagne herausgegeben, die gezielt Reisende in Hotel-Netzwerken ins Visier nimmt. Unter dem Namen „Operation CaptiveCrunch“ verbreiten Angreifer über kompromittierte Hotel-WLANs gefälschte Browser-Updates, um den sogenannten CornFlake-Trojaner auf den Systemen der Opfer zu installieren. Microsoft schreibt diese Aktivitäten der Gruppe Storm-2945 zu. Hierbei handelt es sich um einen Sub-Cluster des Akteurs APT29, der auch unter dem Namen Midnight Blizzard bekannt ist und mit dem russischen Auslandsnachrichtendienst SVR in Verbindung gebracht wird.
DNS-Manipulation und Missbrauch von Authentifizierungsverfahren
Die Angreifer nutzen für ihre Kampagne manipulierte Captive-Portal-Gateways in Hotel-Netzwerken aus. Sobald sich Nutzer mit dem WLAN verbinden, manipulieren die Akteure die DNS-Antworten. Den Betroffenen werden daraufhin sogenannte ClickFix-Seiten angezeigt, die sie unter dem Vorwand dringender Browser-Updates dazu verleiten sollen, bösartige Befehle auszuführen. Die Kampagne ist nach Erkenntnissen von Microsoft bereits seit Anfang Mai 2026 in Hotel-Umgebungen aktiv.
Ein besonderes Augenmerk richten die Experten auf eine Eskalation der Methoden seit dem 16. Juli. Seit diesem Zeitpunkt wird zusätzlich der Device-Code-Authentifizierungsfluss von Microsoft missbraucht. Durch dieses Verfahren gelingt es den Angreifern, gültige Zugriffs-Token zu erhalten. Dies ermöglicht es ihnen, auf Microsoft-365-Konten zuzugreifen, ohne Passwörter kennen zu müssen oder durch eine Multifaktor-Authentifizierung (MFA) aufgehalten zu werden.
Funktionsweise von CornFlake und ChocoShell
Bei einer erfolgreichen Infektion kopiert sich der CornFlake-Trojaner in das Verzeichnis %APPDATA%svchost32svchost32.exe und registriert sich im System als Dienst unter der Bezeichnung „Cloud Sync Service“. Die Schadsoftware verfügt über umfassende Spionagefunktionen: Sie ist in der Lage, Webcam und Mikrofon zu aktivieren, Tastatureingaben aufzuzeichnen sowie Dateien und Screenshots zu entwenden.
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Zusätzlich setzen die Angreifer laut Microsoft den PowerShell-Stealer ChocoShell ein. Dieses Werkzeug ist spezifisch darauf ausgelegt, Authentifizierungs-Token für Microsoft 365 und Azure Active Directory (Azure AD) zu sammeln, um den dauerhaften Zugriff auf Unternehmensressourcen zu sichern. Neben Windows-Systemen werden über die ClickFix-Seiten auch Android-Geräte angegriffen, wobei die Nutzer zur Installation infizierter APK-Dateien verleitet werden.
Ausweitung auf weitere öffentliche Einrichtungen
Ergänzende Analysen des Sicherheitsunternehmens ReliaQuest zeigen, dass die Kampagne über Hotels hinausgeht. Demnach sind auch Konferenzzentren und andere öffentliche Einrichtungen betroffen. ReliaQuest dokumentierte entsprechende bösartige Domains bereits acht Tage vor der offiziellen Warnung und stellte technische Ähnlichkeiten zur Gruppe APT28 fest. Die Phishing-Kampagne gegen Microsoft-365-Logins soll bereits seit mindestens Juni 2026 aktiv sein.
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Die Angriffe wurden laut ReliaQuest in mehreren US-Städten beobachtet und richten sich gegen eine Vielzahl von Branchen, darunter Finanz- und professionelle Dienstleistungen, das Rechts- und Gesundheitswesen sowie den Energie- und Einzelhandel. Dabei werden gefälschte Domains wie m365-owa[.]com, owa-ms365[.]com, ms365-device[.]com und ms365-live[.]com verwendet. In etwa einem Drittel der untersuchten Fälle wurde zudem das Web Proxy Auto-Discovery Protocol (WPAD) missbraucht, um den Datenverkehr umzuleiten.
Empfehlungen für Unternehmen und Reisende
Da Microsoft zufolge der erste Infektionsvektor der Kampagne noch Gegenstand von Untersuchungen ist, wird zu erhöhter Vorsicht geraten. Das Unternehmen empfiehlt, WLAN-Netzwerke in Hotels, Flughäfen oder Konferenzzentren grundsätzlich als nicht vertrauenswürdig einzustufen. Nutzer sollten nach Möglichkeit mobile Hotspots verwenden und niemals Updates über Captive Portale durchführen. Zudem wird geraten, die Multifaktor-Authentifizierung zu stärken und den Device-Code-Authentifizierungsfluss systemseitig zu blockieren, sofern dieser nicht zwingend benötigt wird.
Sicherheitsexperten von ReliaQuest betonen zudem, dass öffentliches DNS allein keinen ausreichenden Schutz bietet. Sie raten zum Einsatz von Full-Tunnel-VPN-Lösungen, die dauerhaft aktiv sein sollten. Reisende sollten Login-URLs kritisch prüfen und bei unerwarteten Aufforderungen zur Eingabe von Device-Codes äußerst misstrauisch reagieren.
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