Hotel-WLAN-Angriff, Hacker

Hotel-WLAN-Angriff: Hacker umgehen Microsoft-365-MFA gezielt

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 16:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Seit Juni 2025 nutzen Angreifer manipulierte Hotel-WLANs, um MFA-geschützte Microsoft-365-Konten zu kapern.

Hotel-WLAN-Angriff: Hacker stehlen Microsoft-365-Zugänge
Laptop mit abstrakten digitalen Netzwerksymbolen in einem Hotelumfeld zur Veranschaulichung von WLAN-Sicherheitsrisiken. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit Juni 2025 manipulieren Angreifer die WLAN-Infrastruktur in Hotels und Konferenzzentren. Ihr Ziel: der Diebstahl von Microsoft-365-Zugangsdaten – inklusive Umgehung der Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA).

Sicherheitsanalysten von ReliaQuest haben die Kampagne aufgedeckt. Die Täter verschaffen sich Zugriff auf die Verwaltungsschnittstellen von Captive-Portal-Geräten – jenen Gateways, die für die Anmeldung in öffentlichen WLAN-Netzen zuständig sind. Offene Protokolle wie SSH, SNMP oder Weboberflächen mit schwachen Passwörtern machen den Einbruch leicht.

DNS-Vergiftung leitet Nutzer um

Einmal im System, vergiften die Angreifer die DNS-Einstellungen. Legitime Anfragen an Microsoft-Dienste werden auf bösartige Domains umgeleitet – darunter Adressen wie m365-owa[.]com, owa-ms365[.]com oder ms365-live[.]com.

Wer versucht, seine E-Mails oder Unternehmensanwendungen zu erreichen, landet stattdessen auf täuschend echt wirkenden Phishing-Seiten. Die Opfer geben dort ahnungslos ihre Zugangsdaten preis.

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MFA ausgehebelt – Gerätecode-Flow als Einfallstor

Besonders perfide: Die Hacker hebeln die Multi-Faktor-Authentifizierung aus. Sie missbrauchen den sogenannten Gerätecode-Authentifizierungsfluss (Device-code flow). Dem Opfer wird ein Code angezeigt, den es auf einer gefälschten Microsoft-Seite eingeben soll.

Passiert das, generieren die Angreifer ein OAuth-Token. Dieses gewährt dauerhaften Zugriff auf das Konto – ohne weitere MFA-Abfrage. In etwa einem Drittel der untersuchten Fälle nutzten die Täter zudem das Web Proxy Auto-Discovery Protocol (WPAD), um die Kontrolle über den Netzwerkverkehr zu verstärken.

USA, Indien, Saudi-Arabien im Fokus

Die Kampagne hat geografische Schwerpunkte. Bisher dokumentierten die Analysten Vorfälle primär in den USA, Indien und Saudi-Arabien. Die Angreifer zielen gezielt auf Branchen mit sensiblen Daten:

  • Finanzdienstleistungen und professionelle Dienstleister
  • Rechtsberatung und Anwaltskanzleien
  • Gesundheitswesen
  • Energiesektor
  • Einzelhandel

Die angewandten Taktiken und die technische Infrastruktur weisen Parallelen zur bekannten Gruppierung APT28 auf – auch bekannt als Fancy Bear oder FrostArmada.

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So schützen sich Unternehmen und Reisende

Sicherheitsexperten raten zu mehreren Maßnahmen. Der wichtigste Schutz: die konsequente Nutzung von Full-Tunnel-VPN-Verbindungen. Sie leiten den gesamten Datenverkehr – inklusive DNS-Anfragen – verschlüsselt durch einen gesicherten Tunnel. Manipulierte lokale Gateways können darauf nicht zugreifen.

Zusätzlich sollten Reisende verschlüsseltes DNS im strikten Modus verwenden und WPAD auf ihren Geräten deaktivieren. Administratoren von Microsoft-365-Umgebungen sollten prüfen, ob der Gerätecode-Flow für ihre Organisation deaktiviert werden kann – das schließt diesen spezifischen Angriffsvektor.

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