Hormonersatztherapie: Orale Einnahme erhöht das Risiko für Blutgerinnsel um 60 Prozent
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Risikobewertung hormoneller Therapien hinsichtlich Gefäßerkrankungen sowie Initiativen zur Absicherung des Zugangs zu Verhütungsmitteln stehen im Zentrum aktueller gesundheitspolitischer und klinischer Debatten. Während neue Datenauswertungen die Risiken oraler Hormonersatztherapien präzisieren, bemüht sich die Gesundheitspolitik auf verschiedenen Ebenen um bezahlbare und sichere Versorgungsstrukturen für Patientinnen.
Erhöhte Gefäßrisiken bei oraler Hormonersatztherapie
Eine Untersuchung des Nordseeland-Krankenhauses in Dänemark zeigt deutliche Gefäßrisiken bei der oralen Hormonersatztherapie (HRT). Auf Basis von Gesundheitsdaten von über einer Million dänischer Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren aus dem Zeitraum von 2003 bis 2021 stellten die Forschenden fest, dass eine orale HRT das Risiko für schwere Blutgerinnsel um etwa 60 Prozent erhöht. Im erfassten Datenbestand traten bei 9.807 Frauen venöse Thromboembolien auf, 18.460 erlitten einen Schlaganfall und 11.974 einen Herzinfarkt.
Den Studienergebnissen zufolge besteht das erhöhte Risiko bereits bei einer Anwendungsdauer von unter einem Jahr sowie bei niedrigen Dosen, einschließlich Tagesdosen von unter 1 Milligramm. Hohe Dosen steigerten das Risiko für einen Herzinfarkt um 40 Prozent und für einen Schlaganfall um 50 Prozent.
Bei einer langfristigen Einnahme von mehr als fünf Jahren in höheren Dosen kletterte das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall auf bis zu 80 Prozent. Dagegen zeigte sich bei einer transdermalen Anwendung über Pflaster, Gele oder Sprays kein vergleichbares Risiko.
Risikofaktoren in der Perimenopause und seltene Nebenwirkungen
Auch der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) weist auf Gefäßrisiken hin. Ab dem 35. Lebensjahr steige bei östrogenhaltigen Methoden wie der Kombinationspille, Pflastern oder Vaginalringen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Thrombosen. Dies gelte insbesondere für Raucherinnen mit einem Konsum von mehr als 15 Zigaretten pro Tag sowie bei Risikofaktoren wie Bluthochdruck, starkem Übergewicht oder erhöhten Blutfettwerten.
Die Perimenopause beginnt nach Angaben des BVF grob zwischen 40 und 45 Jahren. Da Eisprünge trotz unregelmäßiger Zyklen auftreten können, seien Schwangerschaften weiterhin möglich. Spätestens mit 55 Jahren könne die Verhütung in der Regel beendet werden.
Ein früheres Absetzen sei bei einer Amenorrhoe von zwei Jahren unter 50 Jahren beziehungsweise einem Jahr ab 50 Jahren möglich. Zudem ersetze nicht jede menopausale Hormontherapie eine Empfängnisverhütung, und Laborwerte wie FSH oder AMH eignen sich laut BVF nicht zur Festlegung des Verhütungsendes.
Die dänische Auswertung von über einer Million Frauen zeigt: Orale Hormonersatztherapie erhöht das Risiko für schwere Blutgerinnsel um rund 60 Prozent — bereits bei niedrigen Dosen und unter einem Jahr Anwendung. Pflaster, Gele und Sprays zeigten dieses Risiko nicht. Unser kostenloser Ratgeber hilft Ihnen, das für sich einzuordnen und das Gespräch mit Ihrer Ärztin vorzubereiten. Kostenlosen HRT-Ratgeber anfordern
Parallel warnte das luxemburgische Gesundheitsministerium vor Risiken bestimmter Gestagen-Präparate. Verhütungsmittel mit Desogestrel oder Etonogestrel – darunter Präparate wie Antigone, Cerazette, Elfasette und Optimizette – stehen mit einem erhöhten Risiko für Meningeome in Verbindung. Diese meist gutartigen, langsam wachsenden Tumoren der Hirn- und Rückenmarkshäute bedeuten eine Kontraindikation für betroffene Frauen. Das Ministerium stufte das Gesamtrisiko zwar als sehr gering ein, es steige jedoch mit der Einnahmedauer und liege bei Frauen über 45 Jahren höher.
Der PRAC empfahl im Juli 2026 entsprechende Warnhinweise in den Packungsbeilagen. Eine französische Studie von EPI-PHARE aus dem Jahr 2024 bezifferte die Häufigkeit: Etwa eine von 67.000 Frauen entwickelt ein mit dem Verhütungsmittel verbundenes Meningeom, nach mindestens fünfjähriger Anwendung steigt die Rate auf eine von 17.000 Frauen.
Politische Initiativen zur Kostenübernahme von Verhütungsmitteln
Neben den medizinischen Risiken rückt die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln in den Fokus parlamentarischer Initiativen. In den USA brachten die Senatorinnen Murray, Hirono und Cortez Masto den „Affordability is Access Act“ erneut ein. Das Vorhaben sieht vor, dass Versicherer von der FDA zugelassene rezeptfreie Verhütungsmittel ohne Zuzahlungen oder Gebühren vollständig abdecken müssen.
Unterstützt von den Repräsentantinnen Ocasio-Cortez, Pressley und Bera umfasst eine neue Bestimmung des Gesetzentwurfs die Pflicht zur vollständigen Kostenübernahme aller FDA-zugelassenen Verhütungsmittel, sofern der jeweilige Plan kein therapeutisch äquivalentes Generikum ohne Eigenanteil anbietet.
Die Senatorinnen übten zugleich Kritik an früheren Maßnahmen der Trump-Regierung, wie der Streichung von Mitteln zur Schwangerschaftsprävention bei Jugendlichen und Einschnitten beim Title-X-Programm.
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Auch in Europa bleibt die finanzielle Belastung ein Thema. Laut dem Österreichischen Verhütungsbericht von 2024 tragen 50 Prozent der Frauen die Kosten für Kontrazeptiva allein, während 25 Prozent die Ausgaben teilen. Bei jährlichen Kosten zwischen 30 und 230 Euro gaben 37 Prozent an, ohne den Kostenfaktor eine andere Methode zu wählen.
Im Contraception Policy Atlas Europe 2026 belegt Österreich Rang 27 von 47 Ländern mit einer Gesamtwertung von 52,5 Prozent, wobei der Bereich Beratung und Zugang zur Versorgung nur 30,6 Prozent erreichte. Vor diesem Hintergrund beantragten die Vorarlberger Grünen im dortigen Landtag, das Projekt „Informiert Verhüten in Vorarlberg“ über 2026 hinaus abzusichern.
