Hormonelle, Verhütung

Hormonelle Verhütung: Meningeomrisiko steigt nach fünf Jahren auf 1 zu 17.000

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Berichte beleuchten Risiken hormoneller Verhütung, augenbezogene Notfallsignale und Fortschritte bei Diagnostik sowie AMD-Therapie.

Augengesundheit: Meningeomrisiko, Warnzeichen und neue Diagnoseverfahren
Eine medizinische Untersuchungseinheit in einer Augenarztpraxis bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Berichte und aktuelle Fachkongresse verdeutlichen, dass visuelle Phänomene sowie die Anwendung bestimmter hormoneller Präparate als wesentliche Indikatoren für ernsthafte chronische Erkrankungen oder Tumorrisiken dienen können. Die Verknüpfung von Augenveränderungen mit systemischen Leiden wie Diabetes, Bluthochdruck oder neurologischen Komplikationen gewinnt in der klinischen Bewertung zunehmend an Bedeutung.

Hormonelle Verhütung und Meningeomrisiko

Das Luxemburger Gesundheitsministerium weist darauf hin, dass Verhütungsmittel, die Wirkstoffe wie Desogestrel oder Etonogestrel enthalten – darunter Präparate wie Antigone, Cerazette, Elfasette oder Optimizette –, mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Meningeoms in Verbindung gebracht werden.

Ein Meningeom ist ein meist gutartiger, langsam wachsender Hirntumor. Laut dem Ministerium sei das Risiko insgesamt zwar als sehr gering einzustufen, stehe jedoch in direktem Zusammenhang mit der Einnahmedauer. Insbesondere Frauen über 45 Jahre wiesen ein höheres Risiko auf.

Bereits im Juli empfahl der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC), entsprechende Warnhinweise in die Packungsbeilagen aufzunehmen. Daten der französischen EPI-PHARE-Studie aus dem Jahr 2024 belegen, dass etwa eine von 67.000 Frauen ein Meningeom entwickelt; nach einer Anwendungsdauer von mindestens fünf Jahren steigt diese Quote auf eine von 17.000 Frauen.

Als Symptome gelten Kopfschmerzen, Seh- oder Hörstörungen, Tinnitus sowie Gedächtnisprobleme. Bei einer bestehenden oder vergangenen Meningeom-Erkrankung sei die Einnahme dieser Präparate kontraindiziert. In Frankreich sollen rund 1,6 Millionen betroffene Anwenderinnen persönlich informiert werden.

Sehkraft und Schwangerschaft: Physiologische Veränderungen

Im Rahmen des 124. Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) erläuterte Prof. Thomas Neß vom Uniklinikum Freiburg, dass Augenveränderungen während der Schwangerschaft häufig auftreten, meist aber reversibel sind.

Im zweiten und dritten Trimester nehme die Hornhautdicke oft um 10 bis 30 Mikrometer zu, was zu einer Verschiebung der Refraktion um -0,25 bis -0,75 Dioptrien führen könne. Diese leichte Kurzsichtigkeit normalisiere sich in der Regel sechs bis zwölf Wochen nach der Entbindung.

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Prof. Neß empfahl, Brillen oder Kontaktlinsen erst etwa drei Monate nach dem Abstillen neu anzupassen. Zudem litten 40 bis 70 Prozent der Schwangeren unter Sicca-Symptomen (trockenen Augen). Kritische Warnzeichen wie Flimmern, Doppelbilder oder Gesichtsfeldausfälle müssten jedoch umgehend abgeklärt werden, da sie auf eine Präeklampsie hindeuten könnten.

Visuelle Phänomene als Vorboten von Notfällen

Julia Biermann vom Klinikum Bielefeld/Münster betonte auf dem DOG-Kongress die Bedeutung der Einordnung visueller Störungen. Während eine Migräne-Aura typischerweise beidseitig auftritt und sich langsam über fünf Minuten aufbaut, stellt die Amaurosis fugax einen medizinischen Notfall dar. Diese plötzliche, meist einseitige und schmerzfreie Erblindung dauere höchstens eine Minute und könne ein Vorbote eines Schlaganfalls sein.

Betroffene sollten umgehend eine neurologische Klinik aufsuchen. Ein Glaukom-Anfall hingegen äußere sich durch verschwommenes Sehen, Halos um Lichtquellen sowie Übelkeit und erfordere sofortige augenärztliche Hilfe.

Chronische Erkrankungen und neue Diagnoseverfahren

Auch bei Diabetes mellitus spielen visuelle Symptome eine zentrale Rolle. Laut Prof. Stefan Kopf (UKSH Lübeck) und Prof. Rainer Guthoff (UKD) sind rund 25 Prozent der Typ-1-Diabetiker und bis zu 15 Prozent der Typ-2-Diabetiker von einer diabetischen Retinopathie betroffen. Warnzeichen wie Rußregen, Lichtblitze oder dunkle Flecken erfordern eine schnelle Intervention.

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Parallel dazu schreitet die technologische Diagnostik voran. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat den am Forschungszentrum Jülich entwickelten Radiotracer Pixclara (18F-Fluorethyltyrosin) für die Gliom-Diagnostik zugelassen. Das Verfahren ermöglicht es, nach einer Behandlung zwischen nachwachsenden Tumoren und Therapieeffekten zu unterscheiden.

In der Therapie der trockenen altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zeigt der neu zugelassene Netzhaut-Chip PRIMA erste Erfolge. Wie DOG-Präsident Prof. Lars-Olof Hattenbach ausführte, erreichten 81 Prozent der Patienten in der PRIMAvera-Studie eine deutliche Verbesserung der Sehschärfe. Das 2x2 Millimeter große Implantat wird unter die Netzhaut eingesetzt und über eine Kamerabrille mit Nahinfrarotlicht gesteuert.

Zudem entwickelte das Fraunhofer IOF Jena mit dem Sensor goVISCAN ein Modul zur kontaktlosen Messung von Vitaldaten wie Herzrate und Sauerstoffsättigung, das künftig in der medizinischen Überwachung eingesetzt werden könnte.

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