Honig-Verfälschung: DNA-Analysen finden Streckmittel in 80 Prozent der Produkte
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 23:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Verbraucherinnen und Verbraucher sehen sich beim Einkauf von Honig zunehmend mit Qualitätsmängeln und Produktverfälschungen konfrontiert. Aktuelle Ratgeber informieren über Merkmale, mit denen sich gestreckte Honigprodukte identifizieren lassen, um Konsumenten vor minderwertigen Lebensmitteln zu schützen. Obwohl Honig als reines Naturprodukt gilt, gelangen immer wieder verfälschte Chargen in den regulären Verkauf.
Wirtschaftliche Anreize und die Grenzen klassischer Prüfmethoden
Das Strecken von Honig ist in Deutschland gesetzlich verboten. Dennoch erweist sich das Vorgehen für unseriöse Anbieter als lukratives Geschäft: Wie das ZDF berichtete, kostet industrieller Glucose-Fructose-Sirup unter 40 Cent/kg. Durch die Beimischung dieser billigen Ersatzstoffe lassen sich die Produktionskosten für Honigprodukte drastisch senken.
Gleichzeitig stoßen gängige Kontrollmechanismen an ihre Grenzen. Das Magazin ZDF frontal machte öffentlich, dass bestimmte Sirup-Mischungen sämtliche herkömmlichen Testverfahren problemlos bestanden.
Weder über die Vorgaben der EU-Honigverordnung noch mittels moderner Kernspinresonanzspektroskopie (NMR-Test) ließen sich diese gezielten Verfälschungen in den Testläufen nachweisen. Die verwendeten Zuckersirupe werden chemisch so präpariert, dass sie den Parametern von echtem Honig täuschend ähnlich sind.
DNA-Analysen offenbaren hohes Ausmaß an Verfälschungen
Erst neuere molekularbiologische Methoden bringen das tatsächliche Ausmaß der Problematik ans Licht. DNA-Analysen zufolge sind 80 Prozent der im Supermarkt angebotenen Honige gestreckt, wie der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund gemeinsam mit dem europäischen Verband European Professional Beekeepers Association (EPBA) darlegt.
Wer im Supermarktregal zum Honigglas greift, ahnt selten, dass DNA-Analysen zufolge 80 Prozent der angebotenen Produkte gestreckt sind — auch teure Bio- und Fairtrade-Ware. Klassische Tests und selbst moderne Prüfverfahren erkennen bestimmte Sirup-Mischungen nicht. Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen, woran Sie echten Honig erkennen und wie Sie beim Etikett genauer hinsehen. Jetzt kostenlosen Honig-Ratgeber anfordern
Von diesen Verfälschungen sind keineswegs nur Billigartikel betroffen; auch teure Bio- und Fairtrade-Produkte weisen demnach entsprechende Streckungen auf.
Zur Aufdeckung dieser Manipulationen dient die genetische Bestimmung von Pollen- und Pflanzenresten im Honig. Michael Traugott vom Institut für Ökologie in Innsbruck verweist darauf, dass weltweit inzwischen 72.000 Pflanzenarten mit spezifischen DNA-Codes erfasst sind.
Anhand dieser Datenbanken lässt sich überprüfen, ob die im Honig enthaltene pflanzliche DNA mit den deklarierten botanischen und geografischen Ursprüngen übereinstimmt oder ob artfremde Zusätze verwendet wurden.
Handlungsempfehlungen und strengere Vorgaben der EU
Angesichts der schwer erkennbaren Verfälschungen raten Konsumentenschützer zu mehr Vorsicht bei der Auswahl im Supermarktregal. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, gezielt regionale Produkte mit klarer Herkunftsangabe zu kaufen, da bei kurzen Lieferketten und direktem Bezug über lokale Imkereien das Risiko von Zusätzen deutlich geringer ist.
Auch teure Bio- und Fairtrade-Honige sind DNA-Analysen zufolge von Streckungen betroffen — der Preis im Regal ist also kein verlässlicher Schutz. Wer sichergehen will, setzt auf kurze Lieferketten und direkten Bezug über lokale Imkereien. Unser kostenloser Leitfaden erklärt, wie Sie regionale Anbieter finden und Herkunftsangaben richtig lesen. Leitfaden für echten Honig jetzt sichern
Auf politischer Ebene stehen zudem regulatorische Anpassungen bevor: Die EU-Frühstücksrichtlinie sieht vor, die Ursprungsländer des Honigs in 2 Jahren detailliert auf dem Etikett zu kennzeichnen. Bisherige pauschale Angaben wie Mischungen aus EU- und Nicht-EU-Ländern sollen damit der Vergangenheit angehören.
Darüber hinaus ist im Rahmen der europäischen Maßnahmen die Einrichtung eines zentralen Referenzlabors geplant, um Prüfmethoden zu standardisieren und Lebensmittelbetrug künftig verlässlicher zu verhindern.
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von CHIP.
