Homöopathie-Streit, Beibehaltung

Homöopathie-Streit: 1.200 Ärzte fordern Beibehaltung der GKV-Erstattung

18.06.2026 - 18:12:08 | boerse-global.de

Ein breites Bündnis aus Politik und Medizin protestiert gegen die geplante Streichung der Homöopathie aus dem GKV-Katalog. Die Entscheidung fällt im Juli.

Homöopathie-Streit: Allianz gegen Warkens GKV-Streichpläne
Homöopathie-Streit - Eine Hand hält ein kleines Glasfläschchen mit homöopathischen Globuli. Im unscharfen Hintergrund sind Regierungsdokumente und eine Deutschlandflagge zu sehen. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein breites Bündnis aus Politik, Medizin und Gesellschaft läuft Sturm gegen die Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Sie will Homöopathie und anthroposophische Medizin aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) streichen. Die Entscheidung im Bundestag wurde auf den Sommer verschoben.

Prominente Allianz gegen Leistungskürzungen

Ehemalige Spitzenpolitiker, Mediziner und Kulturschaffende haben sich formiert. In einem Brief an Ministerin Warken fordern unter anderem Winfried Kretschmann, Malu Dreyer, Otto Schily und Thomas Goppel die Beibehaltung der Erstattungsfähigkeit. Malu Dreyer betonte die Bedeutung der integrativen Medizin. Die Unterzeichner bezeichnen die geplante Streichung als unethisch.

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Homöopathische Ansätze könnten den Einsatz von Antibiotika senken, argumentieren sie. Parallel warnt der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) vor einem gesellschaftlichen und ökonomischen Flurschaden. Rund 1.200 Mediziner unterstützen das Schreiben. Ein Wegfall könnte Patienten zu teureren konventionellen Medikamenten greifen lassen, was die Kassen zusätzlich belasten würde.

Zweifel an der Sparwirkung

Das Bundesgesundheitsministerium beziffert die möglichen Einsparungen auf jährlich rund 50 Millionen Euro. Warken begründet den Schritt mit fehlender wissenschaftlicher Evidenz. Nur Leistungen mit gesicherter Wirkung sollten vergütet werden.

Der GKV-Spitzenverband, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unterstützen diese Linie. In einer Stellungnahme von Mitte Juni betonten sie die Konsistenz des Vorhabens.

Doch der Bundesrechnungshof sieht das anders. Nach Prüfung eigener Daten geht die Behörde von jährlichen Ausgaben von lediglich 40 Millionen Euro aus. Die Minderausgaben würden zu keinen nennenswerten Einsparungen führen. Dennoch begrüßt auch der Bundesrechnungshof die Streichung aus Gründen der fehlenden Evidenz.

Die GKV-Reform im größeren Kontext

Die Homöopathie-Streichung ist Teil eines Sparpakets mit einem Zielvolumen von rund 20 Milliarden Euro. Die schwarz-rote Koalition hat sich bereits auf wesentliche Eckpunkte geeinigt:

  • Erhöhung der Zuzahlungen von mindestens 5,00 auf 7,50 Euro
  • Kürzung des Krankengeldes von 70 auf 65 Prozent des Bruttolohns
  • Abschaffung der beitragsfreien Familienversicherung für Ehepartner

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Der Verband Pharma Deutschland warnt vor den Folgen für den Forschungsstandort und möglichen Lieferengpässen. Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt ein geteiltes Bild: 61 Prozent der Befragten lehnen die Sparziele generell ab. Die spezifische Streichung homöopathischer Mittel wird jedoch mehrheitlich positiv bewertet.

Zeitplan verschoben

Die politische Entscheidung wurde kurzfristig vertagt. Die abschließende Lesung im Bundestag ist nun für den 10. Juli 2026 geplant. Ursprünglich sollte sie Ende Juni stattfinden. Damit bleibt den Akteuren zusätzliche Zeit für die Debatte über die künftige Ausrichtung des Leistungskatalogs und die Verteilung der finanziellen Lasten.

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