Homöopathie-Aus, Krankenkassen

Homöopathie-Aus: Krankenkassen streichen 50 Millionen Euro

21.06.2026 - 07:02:43 | boerse-global.de

Gesetzliche Krankenkassen stehen vor einem Milliardenloch. Ein Sparpaket der Regierung sieht unter anderem die Streichung der Homöopathie vor und stößt auf breiten Widerstand.

GKV-Sparpaket: Homöopathie-Streichung und Milliardenloch 2027
Homöopathie-Aus - Eine Hand hält ein kleines Glasfläschchen, im Hintergrund verschwommen Kräuter und Finanzdokumente, die Sparmaßnahmen symbolisieren. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Ausgaben steigen rasant, die Einnahmen halten nicht Schritt. Ein Sparpaket der Bundesregierung soll helfen – und sorgt für heftige Diskussionen.

Finanzielle Schieflage spitzt sich zu

Die Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums für das erste Quartal 2026 sind alarmierend. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stiegen um 7,6 Prozent. Die Einnahmen legten nur um 4,1 Prozent zu.

Haupttreiber sind die Kliniken: Ihre Kosten schnellten um 9,3 Prozent nach oben – das sind 2,5 Milliarden Euro mehr. Auch Arzneimittel verteuerten sich um 6,4 Prozent.

Für 2027 prognostizieren Experten eine Finanzierungslücke von rund 19 Milliarden Euro. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) fordert deshalb mehr Sparsamkeit. Das geplante Entlastungsvolumen müsse um weitere 2,5 Milliarden Euro aufgestockt werden, um die Beitragsstabilität zu sichern.

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Homöopathie-Rauswurf: 50 Millionen Euro Ersparnis

Ein Kernpunkt des Gesetzes: Homöopathie und anthroposophische Medizin sollen keine Kassenleistung mehr sein. Die Begründung der Regierung: Für diese Methoden fehle die wissenschaftliche Evidenz. Die erhoffte Ersparnis: rund 50 Millionen Euro.

Dagegen formiert sich jedoch prominenter Widerstand. In einem offenen Brief vom 19. Juni fordern namhafte Persönlichkeiten den Erhalt der Leistungen. Zu den Unterzeichnern gehören Otto Schily, Winfried Kretschmann und Malu Dreyer. Auch Unternehmer Götz Rehn, Köchin Sarah Wiener und Peter Daniell Porsche sind dabei.

Die Kritiker sprechen von einer „Fehlentscheidung". Sie argumentieren: Die Streichung schränke die Wahlfreiheit der Patienten ein. Und angesichts der geringen Einsparsumme trage sie kaum zur Konsolidierung bei. Eine Petition gegen die Pläne hat bereits mehr als 100.000 Unterstützer.

Bevölkerung gespalten – Politik uneins

Die Meinungen in der Bevölkerung sind geteilt. Eine Umfrage von Mitte Juni zeigt: 53 Prozent befürworten die Streichung der Homöopathie als Kassenleistung. Doch 72 Prozent empfinden die Lastenverteilung des gesamten Sparpakets als ungerecht.

Eine deutliche Mehrheit von 69 Prozent spricht sich für eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze aus. Höhere Zuzahlungen lehnen 72 Prozent ab.

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Auf politischer Ebene zeichnet sich ein Konflikt zwischen Bund und Ländern ab. Berlin wies Mitte Juni fast alle Forderungen der Länder zum Spargesetz zurück. Die Regierung hält an der Begrenzung des Pflegebudgets fest. Auch die Reduzierung der Tarifrefinanzierung für Kliniken auf 50 Prozent bleibt bestehen.

Lediglich bei Pharma-Rabatten und Pflegepersonaluntergrenzen signalisierte der Bund Gesprächsbereitschaft.

Zeitplan: Anhörung und Beschluss noch vor der Sommerpause

Das parlamentarische Verfahren läuft auf Hochtouren. Für den 22. Juni ist eine Anhörung geplant – mit mehr als 80 Organisationen. Der Bundestag soll den Beschluss am 10. Juli fassen.

Union und SPD drängen auf einen zeitnahen Abschluss. Doch es gibt Widerstand: Verbände wie Pharma Deutschland äußern verfassungsrechtliche Bedenken. Die Opposition kritisiert das Vorhaben als einseitige Belastung der Versicherten.

Ob der Entwurf in der aktuellen Form Bestand hat, ist fraglich. Der massive Widerstand von Ländern und Interessenvertretern könnte noch zu Nachbesserungen führen.

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