Hörverlust, Demenz

Hörverlust und Demenz: Hörgeräte senken Risiko um 14 Prozent

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine HKUMed-Auswertung verknüpft wirksame Hörgeräteversorgung mit geringerem Demenzrisiko, betont aber den fehlenden direkten Kausalnachweis.

HKUMed-Studie: Wirksame Hörgeräte senken Demenzrisiko
Ein modernes Hörgerät auf einer hölzernen Oberfläche in einem hellen, minimalistischen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Hörverlust im Alter gilt zunehmend als einer der zentralen beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz. Eine im August 2026 im Fachjournal Cell Reports Medicine veröffentlichte Studie der Universität Hongkong (HKUMed) liefert dazu neue Belege: Wer ein Hörgerät nutzt und dieses wirksam einsetzt, kann sein Demenzrisiko messbar senken.

Die HKUMed-Studie im Detail

Für die Untersuchung werteten die Forschenden Daten von 61.089 Menschen mit Hörschädigung ab 55 Jahren aus 33 Ländern aus, die im Schnitt 6,5 Jahre lang beobachtet wurden. Das Ergebnis: Hörgerätenutzer hatten insgesamt ein um 9 Prozent niedrigeres Demenzrisiko als Betroffene ohne Hörgerät.

Entscheidend war jedoch die Wirksamkeit der Versorgung. Bei Personen, deren Hörvermögen sich durch das Gerät deutlich verbesserte, sank das Risiko um 14 Prozent. Bei schlechter Anpassung oder unzureichender Verbesserung des Hörens ließ sich dagegen kein schützender Effekt nachweisen.

Die Studie verweist zudem auf ein deutliches Versorgungsgefälle: Während in Ländern mit hohem Einkommen rund 20 Prozent der Hörgeschädigten ein Hörgerät nutzen, sind es in Ländern mit mittlerem Einkommen lediglich 2,6 Prozent. Die Autoren beziehen sich zudem auf die Lancet-Kommission von 2024, wonach Hörverlust für 7 Prozent aller Demenzfälle verantwortlich gemacht wird.

Weitere Studien stützen den Zusammenhang

Der Befund reiht sich in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die den Zusammenhang zwischen Hörverlust, dessen Behandlung und kognitivem Abbau beleuchten.

Eine für den Europäischen Neurologenkongress (EAN) vorgestellte Studie von Forschenden der Universitäten Zürich und Liverpool, basierend auf der Datenbank TriNetX mit Angaben von über 250 Millionen Patienten, fand bei Epilepsie-Patienten mit Hörverlust eine Risikoreduktion von 23 Prozent durch Hörgerätenutzung.

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In der Gesamtgruppe sowie bei anderen Erkrankungen zeigte sich hingegen kein signifikanter Effekt – die Autoren betonen, dass kein Kausalnachweis vorliegt.

Auch strukturelle Erkrankungen des Ohrs spielen eine Rolle: Eine im Fachjournal Otolaryngology–Head & Neck Surgery veröffentlichte Studie zeigt, dass Trommelfellperforationen und Cholesteatome das Demenzrisiko erhöhen können, dieses sich durch Behandlung mittels Operation oder Hörgerät jedoch wieder senken lässt. Konkrete Prozentwerte nennt die Studie nicht.

Eine 2025 in JAMA Otolaryngology veröffentlichte Untersuchung an 2.946 Personen zwischen 66 und 90 Jahren mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu acht Jahren kommt zu dem Schluss, dass bis zu 32 Prozent der Demenzfälle mit objektiv gemessener Hörminderung in Verbindung stehen.

Eine dänische Studie aus dem Jahr 2024 mit 573.088 Teilnehmenden und einer durchschnittlichen Beobachtungsdauer von 8,6 Jahren fand ein um 7 Prozent erhöhtes Demenzrisiko bei Hörverlust insgesamt – bei fehlender Hörgeräteversorgung stieg das Risiko um 20 Prozent, mit Hörgerät lag der Anstieg nur noch bei 6 Prozent.

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Hinweise auf konkrete Interventionseffekte

Über reine Beobachtungsdaten hinaus liefert die ACHIEVE-Studie Hinweise auf einen möglichen Kausaleffekt: Bei 977 Teilnehmenden im Alter von 70 bis 84 Jahren verlangsamte eine gezielte Hörintervention den kognitiven Abbau in der Risikogruppe über drei Jahre um 48 Prozent.

Einordnung durch die WHO

Die Weltgesundheitsorganisation zählt Hörverlust zu den modifizierbaren Risikofaktoren, die zusammengenommen mit bis zu 45 Prozent aller Demenzfälle in Verbindung gebracht werden – neben Faktoren wie Luftverschmutzung. Die WHO-Richtlinien sehen Hörgeräte entsprechend als eine mögliche Maßnahme zur Risikosenkung.

Die Studienlage zeigt insgesamt ein konsistentes Bild: Der Zusammenhang zwischen unbehandeltem Hörverlust und erhöhtem Demenzrisiko gilt als gut belegt, während die schützende Wirkung von Hörgeräten offenbar entscheidend von deren tatsächlicher Wirksamkeit im Alltag abhängt. Ein direkter Kausalnachweis steht laut mehreren der zitierten Studien jedoch weiterhin aus.

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