Hörverlust, Unbehandelt

Hörverlust: Unbehandelt steigt Demenz-Risiko um das Fünffache

28.05.2026 - 09:02:46 | boerse-global.de

KI-gestützte Hörsysteme und nicht-operative Lösungen treiben die Branche an. Sonova meldet Rekordumsatz von 3,61 Milliarden Franken.

Hörverlust: Unbehandelt steigt Demenz-Risiko um das Fünffache - Bild: über boerse-global.de
Hörverlust: Unbehandelt steigt Demenz-Risiko um das Fünffache - Bild: über boerse-global.de

Die Hörgeräte-Branche erlebt einen doppelten Schub: Während Hersteller mit KI und neuen, nicht-operativen Lösungen aufwarten, treibt die alternde Gesellschaft die Nachfrage massiv an. Branchenführer Sonova meldet Rekordzahlen.

Neue Ära der Hörlösungen: Kein Skalpell mehr nötig

Am 26. Mai 2026 brachte Oticon Medical die Produktreihe Ponto Instant auf den Markt – ein Portfolio nicht-chirurgischer Knochenleitungs-Hörsysteme. Das Herzstück: das Instant HearBand, das um den Hinterkopf getragen wird, und der Instant SoundConnector für die Nutzung mit Kopfbedeckungen. Die neuen Geräte ergänzen das bestehende Softband 5 und sind mit den Prozessoren Ponto 5 Mini und Ponto 5 SuperPower kompatibel.

Doch der eigentliche Gamechanger sitzt in der Software. Das Start-up Fortell hat mit seiner „Spatial AI“ einen Durchbruch erzielt. Eine am 11. Mai 2026 im International Journal of Audiology veröffentlichte Studie belegt: In Mehrsprechersituationen verbessert sich die Sprachverständlichkeit um 9,2 dB SNR. In direkten Vergleichen mit fünf Premium-Systemen bevorzugten die Probanden die Fortell-Technologie in 95 Prozent der Fälle. Die Verzögerung liegt bei unter zehn Millisekunden – für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar.

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Die stille Gefahr: Unbehandelter Hörverlust und Demenz

Die Zahlen aus Deutschland sind alarmierend. Rund 5,4 Millionen Menschen hierzulande haben einen indizierten Hörverlust – doch nur etwa 3,7 Millionen nutzen tatsächlich ein Hörsystem. Fast zwei Millionen Betroffene verzichten auf Hilfe.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft schlägt Alarm: Unbehandelter Hörverlust kann das Demenz-Risiko um das Zwei- bis Fünffache erhöhen. Die Organisation fordert deshalb jährliche Hörtests für alle Pflegeheimbewohner. Früherkennung sei der Schlüssel, um soziale Isolation und Fehldiagnosen zu verhindern. Ein einfacher Test könnte hier Leben verändern.

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Sonova auf Rekordkurs: 3,6 Milliarden Franken Umsatz

Die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors zeigt der Geschäftsbericht 2025/26 von Sonova. Der Schweizer Konzern steigerte den Umsatz auf 3,61 Milliarden Schweizer Franken – ein Plus von 5,9 Prozent in Lokalwährungen. Der Bereich Hörinstrumente war mit 3,35 Milliarden Franken der Haupttreiber und legte um 7,5 Prozent zu.

Weitere Kennzahlen im Überblick:
- EBITA: 724,2 Millionen Franken (+7,7 Prozent)
- Gewinn pro Aktie: 10,42 Franken (+16 Prozent)
- Wachstum Großhandel: 9,5 Prozent
- Wachstum Einzelhandel: 5,1 Prozent

Ein Wermutstropfen bleibt der chinesische Markt, wo die Nachfrage nach Cochlea-Implantaten schwächelt. Dennoch peilt Sonova bis zum Geschäftsjahr 2030/31 einen Umsatz von 6 Milliarden Franken an. Das wäre fast eine Verdopplung.

Aktiv leben mit Hörsystem: Was Experten raten

Moderne Hörgeräte sind längst nicht mehr die klobigen Empfänger von gestern. Eberhard Schmidt, Präsident der Bundesinnung der Hörakustiker (BIHA), betont: „Die aktuellen Geräte sind robust genug für die meisten sportlichen Aktivitäten.“

Damit die Technik lange hält, empfehlen Experten:
- Gründliche Reinigung nach dem Sport
- Trockenboxen für die Nacht
- Stirnbänder für schnelle Sportarten
- Outdoor-Programme zur Reduzierung von Windgeräuschen

Bei Wassersport sollten die Geräte jedoch abgenommen werden. Für Kontakt- und Ballsportarten mit hohem Verletzungsrisiko ist eine individuelle Risikoabwägung nötig. Doch die Botschaft ist klar: Hörverlust muss heute niemanden mehr vom aktiven Leben abhalten.

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