HIV-Therapie: Neue Wochenpille erreicht 99% Therapietreue
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 05:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine neue Wirkstoffkombination könnte die HIV-Therapie grundlegend vereinfachen. Die einmal wöchentlich einzunehmende Tablette aus Islatravir und Lenacapavir (ISL/LEN) zeigt in einer Phase-3-Studie vergleichbare Wirksamkeit wie die tägliche Standardtherapie. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: weniger Pillen, weniger Aufwand – bei gleicher Schutzwirkung.
607 Teilnehmer, zwei Gruppen, ein klares Ergebnis
Die im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie ISLEND-1 verglich die Wochenpille mit der täglichen Einnahme von Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid (B/F/TAF). Weltweit nahmen 607 Erwachsene an 106 Standorten in 12 Ländern teil – darunter auch das Universitätsklinikum Bonn.
Nach 48 Wochen lag die Viruslast in der wöchentlich behandelten Gruppe bei 93,4 Prozent der Patienten unter der Nachweisgrenze von 50 Kopien pro Milliliter. In der Vergleichsgruppe mit täglicher Einnahme waren es 92,4 Prozent. Entscheidend: Ein virologisches Versagen trat unter der wöchentlichen Therapie nicht auf.
Therapietreue als entscheidender Vorteil
Der größte Pluspunkt der Wochenpille: die Adhärenz – also die Bereitschaft der Patienten, ihre Medikamente zuverlässig einzunehmen. Sie lag im wöchentlichen Regime bei 99 Prozent, im täglichen bei 96 Prozent. Experten sehen darin eine sinnvolle Brücke zwischen täglicher Tabletteneinnahme und injizierbaren Langzeittherapien. Wer seltener an seine Medikamente denken muss, vergisst seltener eine Dosis.
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Die Verträglichkeit ist vergleichbar: Schwere Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen bei etwa 5 Prozent der Probanden auf. Häufigere, mildere Begleiterscheinungen unter der Wochenpille waren Durchfall (rund 3 Prozent) und Erschöpfung (unter 2 Prozent). Resistenzen wurden im Beobachtungszeitraum nicht dokumentiert.
Zulassung könnte 2027 kommen
Die Unternehmen Gilead und MSD finanzieren die Entwicklung der Kombination. Unterstützende Daten liefert die Studie ISLEND-2, die ebenfalls auf dem AIDS-Kongress 2026 in Rio de Janeiro vorgestellt wurde. Die Zulassungsanträge sind bereits geplant.
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Branchenexperten rechnen mit einer US-Zulassung in der zweiten Jahreshälfte 2027. Eine Einschränkung bleibt jedoch: Die Kombination unterdrückt das Hepatitis-B-Virus nicht. Für koinfizierte Patienten müssen Ärzte daher alternative Therapien wählen. Die ISLEND-1-Studie läuft über insgesamt 96 Wochen, um die langfristige Stabilität der Ergebnisse zu bestätigen.
