Hitzewellen in Deutschland: Experten warnen vor heißeren Sommern
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 12:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBeim 16. Extremwetterkongress in Hamburg haben Experten angesichts des Klimawandels vor künftig häufigeren und intensiveren Hitzewellen in Deutschland gewarnt.
Jedes Jahrzehnt wärmer
„Jedes Jahrzehnt ist seit den 1960er Jahren deutlich wärmer als das vorhergehende“, sagte Tobias Fuchs, Vorstandsmitglied beim Deutschen Wetterdienst (DWD), zum Auftakt der dreitägigen Konferenz mit rund 1.000 Teilnehmern.
Die Fachtagung befasst sich damit, wie der Klimawandel das Auftreten von Extremwetterereignissen beeinflusst. Nach Erkenntnissen des DWD nehmen Hitzewellen und Trockenheitsperioden in Deutschland zu.
41,8 Grad östlich von Magdeburg
Die Hitzewelle ab Mitte Juni sei besonders intensiv gewesen. Ende Juni wurden östlich von Magdeburg 41,8 Grad gemessen – ein Rekordwert.
Das Robert Koch-Institut schätzt, dass in diesem Sommer rund 16.000 Menschen in Deutschland infolge von Hitze gestorben sind. „Der fortschreitende Klimawandel erhöht sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die Intensität solcher Hitzewellen“, sagte Fuchs.
Rekordsommer als künftige Normalität
Es sei gut möglich, dass ein solcher Sommer in 30 Jahren trotz seiner Temperaturrekorde als normal eingestuft werde, sagte Fuchs, der die Abteilung Klima- und Umweltberatung beim DWD leitet.
Arktis könnte Mitte des Jahrhunderts eisfrei sein
Auch das Polareis verändert sich nach Einschätzung der Experten weiter. Die Arktis sei die sich am schnellsten erwärmende Region der Welt, sagte Gesine Mollenhauer, Vizedirektorin des Alfred-Wegener-Instituts.
„Wenn das so weitergeht, sind wir Mitte des Jahrhunderts eisfrei in der Arktis“, sagte sie. Die Entwicklung habe Folgen für das Ökosystem; unter anderem wanderten Fischbestände nach Norden.
Zudem werde Schiffsverkehr durch die Ostantarktis künftig leichter möglich, sagte Mollenhauer. Daraus ergäben sich auch geopolitische Aspekte.
Hitze wird zum Gesundheitsrisiko
Die Entwicklung betrifft nicht nur Wetterrekorde, sondern auch den Alltag in Städten, am Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen. Häufigere und längere Hitzeperioden erhöhen die Belastung für ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere und Kleinkinder. Besonders dicht bebaute Städte speichern Wärme auch nachts, wodurch sich der Körper schlechter erholen kann.
Die vom Robert Koch-Institut geschätzten hitzebedingten Todesfälle verdeutlichen die Größenordnung. Für Kommunen bedeutet das, Hitzeschutz stärker mit Stadtplanung, Pflege, Rettungsdiensten und Warnsystemen zu verknüpfen. Schattenplätze, begrünte Flächen, Trinkmöglichkeiten und gut erreichbare Informationen können die Belastung mindern; sie ersetzen jedoch nicht die langfristige Begrenzung der Erderwärmung.
Trockenheit verschärft die Folgen
Hitze und ausbleibender Regen treten häufig gemeinsam auf. Trockene Böden belasten Landwirtschaft, Wälder und Gewässer und erhöhen bei hohen Temperaturen zusätzlich die Waldbrandgefahr. Für Bürgerinnen und Bürger können daraus Einschränkungen bei der Wassernutzung, höhere Kosten und stärkere Schwankungen bei regionalen Ernten entstehen.
Arktis als globaler Verstärker
Die Veränderungen in der Arktis reichen über die Region hinaus. Der Rückgang des Meereises verändert Lebensräume und eröffnet zugleich neue Schifffahrts- und Rohstoffinteressen. Damit verbindet sich die Klimafrage mit Fragen des Naturschutzes, der Versorgungssicherheit und der internationalen Sicherheit.
